Kuriose Vermisstensuche am Steinberger See – Wer zahlt nun die immensen Kosten?

Es war ein Einsatz, der weit über die Schwandorfer Landkreisgrenzen für Schlagzeilen sorgte. Eine Tschechin löste am Steinberger See eine große Suchaktion aus. Zahlreiche Retter samt Hubschrauber waren unterwegs. Doch am Ende stellte sich alles ganz anders heraus. Wer muss den Einsatz nun bezahlen und wie hoch ist die Summe?
Nachdem die Retter am Mittwoch vergeblich nach der vermeintlich vermissten Person gesucht hatten, wollten sie ihren Einsatz eigentlich am Donnerstag fortführen. Doch dann meldeten sich die verständigten Behörden in Tschechien. Sie konnten die 22-Jährige in Prag ausfindig machen, die am Steinberger See beim Paddle-Board-Verleih ihren Ausweis hinterlegt hatte. Doch die junge Frau hatte ihr Dokument in der Vorwoche als verloren gemeldet. Die Polizei ging folglich davon aus, dass die unbekannte Finderin des Ausweises die Gunst der Stunde genutzt hatte, um das SUP zu unterschlagen.
In den sozialen Netzwerken sorgte der Vorfall für Empörung. Stimmen wurden laut, dass die Täterin, sollte sie jemals gefasst werden, für den Einsatz zur Kasse gebeten werden soll.
Schon der Rettungshubschrauber ist teuer
Und der dürfte angesichts des Aufgebots an Rettungskräften enorm teuer werden. Mehrere Wasserwachten rückten mit Booten und etwa 50 Einsatzkräften an, die Feuerwehren waren mit 35 Mann im Einsatz. Außerdem waren die Polizei und der Rettungsdienst mit mehreren Rettungswägen und Notärzten vor Ort. Unterstützung gab es zudem aus der Luft. Ein Rettungshubschrauber aus Weiden suchte das Gewässer ab.
Wie hoch die Kosten tatsächlich sind, darüber gibt es von offizieller Seite keine Aussage. Denn fast alle beteiligten Organisationen halten sich bei diesem Thema grundsätzlich bedeckt – auch um die Bevölkerung nicht abzuschrecken, bei Notlagen zum Telefon zu greifen. „Alleine der Einsatz eines Hubschraubers, verursacht aber schon immense Kosten“, sagt ein Polizeisprecher.
Stefanie Kapp von der DRF Luftrettung kann das bestätigen. Auch sie könne zur genauen Höhe der entstandenen Kosten grundsätzlich keine Aussage treffen. Sie erklärte jedoch, dass ein Rettungshubschrauber in Flugminuten abgerechnet werde. In verschiedenen Medien ist von durchschnittlich 60 Euro pro Flugminute die Rede.
Auskunftsfreudiger zeigte sich hingegen die Kreis-Wasserwacht Schwandorf. Sie hat die Kosten bereits zusammengerechnet. Sechs Ortsgruppen waren mit sechs Booten im Einsatz, abgerechnet werde in festen Sätzen. Das mache 2950 Euro, auf denen die Wasserwacht nun erstmal sitzen bleibe, bis ein Kostenträger ermittelt wurde.
Nicht der erste Rettungseinsatz ohne Notlage
Einen weiteren finanziellen Anhaltspunkt liefert ein Fall, über den unsere Zeitung im Februar dieses Jahres berichtet hatte. Eine Apple Watch hatte einen Fehlalarm ausgelöst, der rund 100 Rettungskräfte samt Hubschrauber nach Turesbach bei Bodenwöhr eilen ließ. Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt hatte damals von „etlichen 1000 Euro“ gesprochen, die in den Sand gesetzt wurden. Tragen musste diese der Steuerzahler, da laut Polizei „keinerlei schuldhaftes Verhalten“ festgestellt werden konnte.
Das könnte bei der Vermisstensuche am Steinberger See anders sein. Denn dort wurde ein Strafverfahren wegen Unterschlagung und Missbrauchs von Ausweispapieren gegen die Täterin eingeleitet. In den kommenden Tagen sollen nun Zeugen befragt werden, die eine Personenbeschreibung abgeben könnten. Sollte die Frau noch geschnappt werden, entscheide laut Polizei letztendlich das Gericht über die Frage der Einsatzkostenübernahme.