Eine süße Verführung im Sommer: Der Kuchen, der eigentlich ein Pudding ist

Der ursprüngliche Name der österreichischen Köstlichkeit ist heutzutage umstritten. Unsere heute vorgestellte Süßspeise kann auch umbenannt werden in Schoko-Nuss-Küchlein, an Geschmack wird sie dennoch nichts einbüßen. Das i-Tüpfelchen im Sommer ist eine Kugel Vanilleeis. Das Rezept für die süße Verführung ist gar nicht so schwer nachzubacken.
Viele von uns können sich bestimmt noch an das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ erinnern. Das Fangspiel, in dem der Fänger als schwarzer Mann bezeichnet wird und das alle von uns bestimmt schon auf dem Schulhof gespielt haben, ist aufgrund seiner Bezeichnung in Verruf geraten. Denn in der heutigen Zeit werden zahlreiche Versuche unternommen, Rassismus und Diskriminierung aus sprachlichen Wendungen zu verbannen.
Tatsächlich hat das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ überhaupt nichts mit einem Afrikaner oder einem Mann mit einem schwarzen Gesicht zu tun, erklärt der Autor Asfa-Wossen Asserate in seinem gleichnamigen Buch. Das Spiel ist im Mittelalter entstanden und warnt vor der Pest, auch Schwarzer Tod genannt.
Eigentlich ein Pudding
Auch bei unserem heute vorgestellten Gericht, das im Original als „Mohr im Hemd“ bezeichnet wird, wurde schon eine Änderung des Namens gefordert. Die Vorschläge nach Umbenennung zu Kuchen mit Schlag oder Schoko-Nuss-Kuchen, sind aber eigentlich auch falsch, denn tatsächlich handelt es sich bei den kleinen Küchlein um keinen Kuchen im eigentlichen Sinn. Vielmehr ist es unter der Rubrik Pudding zu verorten.
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In der korrekten Küchenfachsprache wäre das, was wir bei uns als Pudding bezeichnen, ein Flammeri. Der Unterschied zwischen Flammeri und einem echten Pudding liegt generell darin, dass Erstgenannte ohne Wasserbad auskommen und mit Stärke gebunden werden. Puddings hingegen werden mit Eiern gebunden und im Wasserbad gekocht, sprich pochiert.
Kaum zu glauben, aber ursprünglich war Pudding eine herzhafte Speise. Es wird vermutet, dass sich das Wort vom altfranzösischen Begriff „bodin“ für Blutwurst ableitet. Der Blutwurstpudding, oder auch Black Pudding, ist heute noch in England populär. Er wird noch warm zum Frühstück gereicht. Von der Insel stammt auch das älteste erhaltene Puddingrezept der Welt.
Es ist aus dem Jahr 1420 und im Besitz des British Museum. König aller Puddinge Englands ist aber der bekannte Christmas Pudding aus Rosinen, Trockenfrüchten, Alkohol, Nüssen und weihnachtlichen Gewürzen. Unser heute vorgestellter „Mohr im Hemd“ hat seinen Namen natürlich der dunklen Farbe der Süßspeise zu verdanken. Der Ausdruck „im Hemd“ bezieht sich dabei auf die weiße Schlagsahne, rund um das Küchlein.
Und da es sich hier um eine typisch österreichische Süßspeisen handelt, die dort in Kaffeehäusern und Gaststätten serviert wird, sprechen wir hier von Schlagobers. Gelegentlich ist der „Mohr im Hemd“ auch in bayerischen Confiserien zu finden. Der Ausdruck Mohr begegnet uns auch im heutigen Alltag noch gelegentlich und ist eine veraltete deutschsprachige Bezeichnung für einen Afrikaner. Später wurde er für Menschen mit dunkler Hautfarbe verwendet und er wird heute oft als rassistisch diskriminierender Ausdruck verstanden.
Deshalb werden zunehmend Forderungen laut, Bezeichnung für Straßen, Apotheken oder Hotels umzubenennen. Tatsächlich haben diese aber nicht zwingend einen rassistischen Hintergrund, sondern weisen im Beispiel der Apotheken auf die Heilkunst in den heutigen Maghreb-Staaten und dem Nahen Osten hin. Die Stadt Coburg ehrt etwa mit einem Mohr im Stadtwappen ihren Schutzheiligen Mauritius. Auch in der Literatur begegnet uns der Ausdruck noch, beispielsweise in dem Kinderbuch Struwwelpeter.
Nuss-Schoko-Pudding
Egal, wie die kleinen Puddings letztendlich bezeichnet werden, sie sind in jedem Fall ein Genuss.
Für den Teig unserer Schoko-Nuss-Küchlein brauchen wir 80 g dunkle Schokolade mit viel Kakaoanteil, 70 g Haselnüsse, jeweils 40 g Butter und Zucker, 15 g Paniermehl, 4 Eier,1 EL Kakao, 1 gestr. EL fein gemahlener Kaffee, den Abrieb einer halben Orange, 2 EL Gin.
Wir beginnen damit, die Schokolade über einem Wasserbad zu schmelzen. Inzwischen werden die Eier getrennt und Butter und Zucker cremig gerührt. Nach und nach kommen 4 x Eigelb, die zerlassene Schokolade, das Paniermehl, Kakao und das fein gemahlene Kaffeepulver, die Orangenschale und der Gin dazu.
Die Haselnüsse werden geröstet, die Schale abgerieben und die Nüsse ebenfalls fein gemahlen. Dann werden sie ebenfalls unter den Teig gerührt. Das Eiweiß wird mit einer Messerspitze Salz zu einem festen Eischnee verquirlt und anschließend vorsichtig unter die Teigmasse gehoben.
Die Teigmasse wird in kleine Kuchenformen gefüllt, die vorher mit Butter oder Öl ausgerieben wurden. Die Menge an Teig reicht für 10 kleine Förmchen mit etwa 7 cm Durchmesser. Sie kommen in eine große Form, die verschlossen werden kann, zum Beispiel eine Reine mit Deckel oder ein Kochtopf mit großem Durchmesser. Im Wasserbad garen die Küchlein in der verschlossenen Form bei 150 Grad im Backofen etwa 30-45 Minuten.
Die Küchlein werden noch warm aus der Form gestürzt und sofort mit gesüßtem Schlagobers und Schokoladensoße serviert. Mit einer Kugel Vanilleeis zusätzlich ist die Süßspeise auch als Eismohr im Hemd bekannt.
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