Camping-Wohnwagen umgebaut: Petr Korda ist nun als mobiler Barkeeper unterwegs

Von Jan Lange · 17. August 2024 um 11:00

„Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“ – der Spruch von einem der Kärtchen, die Petr Korda an jedem Getränk befestigt, könnte sein eigenes Leben kaum besser beschreiben. Der 45-Jährige ist Barkeeper mit ganzem Herzen. Nun hat er auch eine mobile Bar aufgebaut – und ist bei vielen Feiern ein besonderer Hingucker.

Von Freunden wurde der gebürtige Tscheche, der schon lange in Deutschland lebt, immer wieder gefragt, ob er bei Hochzeiten Drinks und Cocktails mixen und servieren könnte. So kam Petr Korda, der seit zwölf Jahren in einem Hotel in der Region Getränke aller Art ausschenkt, auf die Idee, eine mobile Bar einzurichten. Die sollte sich von anderen Bars unterscheiden. Aus diesem Grund erwarb er auch keinen neuen Verkaufsanhänger. Vielmehr kaufte er einen gewöhnlichen Camping-Wohnwagen und baute ihn zur Bar um.

In der Nähe von Passau wurde er auf einen über 50 Jahre alten Wohnwagen vom Typ Knaus Jet 440 aufmerksam. Er war genau das Passende, um seine Idee umzusetzen. „Ich wollte etwas Altes haben, an dem mein Herz hängt“, meint Korda. So wurde er am 18. Mai vergangenen Jahres Eigentümer dieses Wohnwagens und rettete damit das Gefährt, das vermutlich, wenn sich kein Käufer gefunden hätte, verschrottet worden wäre. So bekam der Knaus Jet 440 ein zweites Leben – das mit Campen aber gar nichts zu tun hat.

Nur die Hülle blieb stehen

Alles, was mit Camping zu tun hatte, baute er aus, ließ im Grunde nur die Hülle stehen. Der Boden wurde erneuert, ebenso wie die Stromleitungen. Danach wurde das Equipment für die Bar samt eines großen Fensters für den Ausschank eingebaut.

Vier Monate nahm der Umbau in Anspruch: Während er nachmittags und abends an der Hotelbar arbeiten musste, nutzte er die Vormittage, um an seinem Wohnwagen zu schrauben. Unterstützung bekam er dabei auch von Nachbarn. Einer stellte ihm das Holz zur Verfügung, ein anderer half beim Ausschneiden des großen Fensters.

Im Spätherbst 2023 war alles fertig und Petr Korda konnte mit seiner mobilen Bar zu den Kunden fahren. Gemietet werden kann die Papi Caravan Bar für Privatfeiern oder Betriebsempfänge. Bei öffentlichen Stadt- oder Dorffesten wird man Petr Korda dagegen nicht finden. Er will sich ganz auf die private Schiene konzentrieren. Auch deshalb, weil es für ihn eine Nebentätigkeit bleiben soll. Deshalb will er auch nur drei bis fünf Aufträge im Monat annehmen. „Es ist mein Hobby, das mir großen Spaß macht“, sagt der 45-Jährige.

Betrieb ist in dieser Saison so richtig angelaufen

Auch wenn die mobile Bar bereits seit einigen Monaten gemietet werden kann, so ist der Betrieb erst in dieser Saison so richtig angelaufen. Das Angebot musste sich erst einmal herumsprechen. Und je öfter Petr Korda mit seiner Papi Caravan Bar bei einer Party Cocktails servierte, umso mehr funktionierte die Mundpropaganda.

So ist er inzwischen – auch wenn die Anzahl der Aufträge klein bleiben soll – fast jedes Wochenende unterwegs. Zuletzt waren es vor allem Events in der näheren Umgebung, so beispielsweise in Schwarzenfeld oder Schwandorf.

Petr Korda nimmt auch Aufträge von weiter her an. Bis zu 200 Kilometer würde er nach eigener Aussage mit seiner mobilen Bar zurücklegen, um den Kunden Cocktails zu mixen und zu servieren. Da es sich bei seiner Bar um einen Wohnwagen mit TÜV-Zulassung handelt, sind auch weitere Entfernungen gar kein Problem.

In der Papi Caravan Bar gibt es nur Getränke aller Art, kein Essen. „Mobile Catering-Firmen gibt es bereits genügend“, begründet Korda sein Angebot. Wenn ein Kunde Interesse hat, präsentiert der 45-Jährige ihm seine Bar vorab zuhause. „Niemand muss die Katze im Sack bestellen“, meint Korda. Bei diesen Vor-Ort-Terminen werden auch die speziellen Wünsche der Gäste abgesprochen. „Es macht keinen Sinn, einen Cocktail zu mixen, den dann kein Gast trinkt“, sagt Korda.

Ein gelernter Koch

Der 45-Jährige greift dabei auf seine langjährige berufliche Erfahrung zurück. Gelernt hatte er einst den Beruf des Kochs, später dann auf Kellner und Barkeeper umgeschult. Seine Lehre absolvierte er im westböhmischen Marienbad, später arbeitete er in Rozvadov an der bayerisch-tschechischen Grenze.

Als seine heute 15- und 17-jährigen Kinder noch klein waren, zog er mit der Familie nach Deutschland. Hier wohnte er zuerst in Weiden. Von dort pendelte er einige Jahre in den Landkreis Schwandorf zu seiner Arbeitsstelle.

Da er viel Zeit auf der Straße verbrachte, entschied die Familie eine Wohnung in der Nähe des Hotels, in dem Petr Korda arbeitet, zu suchen. Fündig wurden sie schließlich im Neunburger Ortsteil Fuhrn. Es sei ein „Sechser im Lotto“ gewesen, findet der 45-Jährige. Nun ist der Weg zur Arbeit zwar deutlich kürzer geworden, dafür ist er jetzt mit der Papi Caravan Bar öfter unterwegs.

Auch wenn er mit seiner mobilen Bar auf Achse ist, hat er mehr oder weniger seine Lieben mit dabei. Denn der Name seiner Bar, Papi, setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Familienmitglieder zusammen: Sohn Petr, Tochter Adriana, er Petr und seine Frau Ivana.

An jedem Getränk wird ein Kärtchen mit dem Kontakt auf der einen Seite und einem Sprüchlein auf der anderen Seite angebracht. Foto: Korda
Sie ist bei jeder Feier ein besonderer Hingucker: die Papi Caravan Bar des 45-jährigen Neunburgers.