Birkenhof: Neunburger Gastro-Azubis schickten Gäste mit Acht-Gänge-Menü auf Weltreise

Einen Abend lang der Chef sein – das konnten am Sonntag die Lehrlinge im Fünf-Sterne-Hotel Birkenhof in Neunburg. Sie hatten ein Acht-Gänge-Menü selbstständig geplant und durchgeführt. Und sie boten den Gästen damit eine ganz besondere Kulinarik.
In den vergangenen Monaten sorgten diverse Videos über die Generation Z für Diskussionen. Die jungen Leute zwischen 20 und 30Jahren seien zu fordernd, arbeitsscheu und verweichlicht – so manche Einschätzung. Hubert Obendorfer, Inhaber des Fünf-Sterne-Hotels Birkenhof, hat eine andere Meinung über diese Generation. Sie könne und wolle durchaus arbeiten.
Fest macht er dieses Urteil an seinen Azubis, die aktuell im Luxushotel ihr Handwerk erlernen. Er habe noch nie so gute Lehrlinge gehabt, betonte der 59-Jährige am Sonntag beim Auszubildendentag.
An diesem Abend konnte der Birkenhof-Nachwuchs sein Können unter Beweis stellen. Selbstständig haben die Azubis ein Acht-Gänge-Menü geplant und ausgeführt. Die jungen Köche haben die Waren eingekauft, das Menü zusammengestellt und zubereitet, die Hotel- und Restaurantfachleute haben die Einladungen gedruckt und verschickt, den Service übernommen und in die einzelnen Gänge eingeführt.
„Lassen Sie sich darauf ein und probieren Sie alles“
Heuer stand der Auszubildendentag unter dem Motto „Weltreise“. Kulinarisch wurden die Gäste unter anderem nach Frankreich, Mexiko und Saudi-Arabien entführt. So wurden beispielsweise als Hauptgang Lammcarée, Harissajus, Reis und Aubergine serviert.
„Wir stehen zu 100Prozent hinter unserem Menü“, erklärten die Azubis bei der Eröffnung. Die Gäste wurden aufgefordert, sich auf die exotische Kulinarik einzulassen und alles zu probieren. Das passende Zitat des französischen Autoren François de La Rochefoucauld hatten sie auf die Menükarte gedruckt: „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“.
Hubert Obendorfer erklärte mit Blick auf die Ideen der Azubis: „Sie haben sich sehr viel vorgenommen. Sie haben sich nicht aus dem Fenster gelehnt, aber sie schauen weit raus.“ Der renommierte Hotelier und Koch hatte die Lehrlinge selbst etwas unter Druck gesetzt. Weil sie so gut drauf seien, wolle er schon was sehen, habe er ihnen bezüglich des Auszubildendentages gesagt. „Sie haben sich davon ein bisschen stressen lassen“, fand Obendorfer.
Im Team zusammenhalten
Dass bei den Lehrlingen die Nervosität und Aufregung groß war, spürte man den ganzen Abend. Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU), der neben dem stellvertretenden Landrat Richard Tischler (FW) zu den Ehrengästen gehörte, hatte den Jugendlichen zuvor mit auf den Weg geben, dass sie, auch wenn mal ein Fehler passiere, im Team zusammenhalten und untereinander ausgleichen sollten. Birner selbst war zu Beginn der mehr als sechsstündigen Veranstaltung gespannt, was sich die Azubis einfallen gelassen haben und wünschte allen Gästen einen unvergesslichen Abend.
Der Bürgermeister dankte den Obendorfers, dass sie den jungen Leuten diese Chance geben würden. Er lobte darüber hinaus, dass die Inhaberfamilie viele Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen beschäftigen würde. Das sei in Zeiten, in denen anderswo nur ausgegrenzt werde, ein hervorragendes Beispiel für Völkerverständigung. Und das Miteinander der Kulturen sei, meinte Birner, auch einer der Punkte, an den man neben Urlaub und Essen bei einer Weltreise denke.
Auch wenn die jungen Leute die Gäste kulinarisch in die verschiedensten Länder schickten, bei der Spendenaktion machten sie ihre Verbundenheit mit der Region deutlich. Sie baten um Unterstützung für die Aufstellung von Bänken an den Wanderwegen in und rund um Neunburg.
Versprechen vom Chef: Veranstaltung soll jedes Jahr stattfinden
Schon der Auszubildendentag im Vorjahr sei laut Birner ein „toller Abend“ gewesen. Eigentlich habe man diesen besonderen Abend nur alle zwei Jahre veranstalten wollen, sagt Hubert Obendorfer. Doch das wäre total ungerecht denen gegenüber gewesen, die voriges Jahr im zweiten und nun im dritten Lehrjahr seien. Denn die erfahreneren Lehrlinge hätten unheimlich dafür gebrannt, nun auch mal den Auszubildendentag leiten zu können. „Deshalb wollen wir das jetzt jedes Jahr machen“, versprach der Neunburger Hotelier.







