Vor den Augen der Polizei: Kokain-Deal im Regensburger Amtsgericht geht in die Hose

Von Philip Hell · 14. August 2024 um 19:00

Es gibt Orte, die eignen sich für einen Drogen-Deal – ein Gerichtsgebäude dürfte nicht dazu zählen. Ein 28-Jähriger sah das im April offenbar völlig anders und marschierte mit rund acht Gramm Koks in den Regensburger Justizpalast. Am Mittwoch gab es dafür abermals vor Gericht die Quittung.

Laut Staatsanwaltschaft drückte der Mann damals einem anderen Angeklagten die Drogen auf dem Gang in die Hand. Der 28-Jährige aus Bayerisch-Schwaben ließ die Vorwürfe über seinen Anwalt einräumen, bestritt jedoch, dass er mit dem Deal Gewinn machen wollte. Vielmehr sei es eine Art Gefälligkeit für seinen eigenen Dealer gewesen, um in dessen Gunst zu steigen.

Kokain-Deal am Amtsgericht: Übergabe ging in die Hose

Die Übergabe ging allerdings gehörig in die Hose. Zum einen wurde er dabei gefilmt – zum anderen beobachtete ihn ein Polizist in Zivil. Der Beamte trat am Mittwoch in den Zeugenstand. „Es war viel Trubel auf dem Gang, auch eine Schulklasse war da.“ Der 28-Jährige sei vor dem Sitzungsgebäude gesessen. Als der andere Angeklagte von Vorführbeamten in den Saal gebracht wurde, sei ihm der 28-Jährige sehr nah gekommen. „Er gab ihm etwas in die Hand.“ Dieses Etwas habe der damals Angeklagte schnell in der Hose verschwinden lassen.

Der Beamte habe sich gegenüber dem 28-Jährigen als Polizist zu erkennen gegeben. Ein Kollege lief dem Angeklagten nach. Dieser warf das Drogen-Päckchen weg. „Es flog über die Köpfe in den Flur.“ Dort stellte es die Polizei später sicher. Die rund acht Gramm Kokain waren in einem grünen Kondom verpackt. Ein Kollege des Polizisten ergänzte, dass zwei, drei Streifen zum Gericht eilten, um die zivilen Beamten zu unterstützen. Letztlich fand die Polizei beim 28-Jährigen auch noch knapp zwei Gramm Kokain.

Der 28-Jährige hat seit Jahren ein manifestes Drogenproblem. Das zeigte auch eine Haarprobe, die nach der Tat genommen wurde. Dabei wurden Rückstände von Kokain, Cannabis und MDMA gefunden. Dazu kommen zahlreiche Vorstrafen, die auch immer wieder einen Bezug zu Drogen haben. Zuletzt wurde er erst Anfang April, also nur wenige Tage vor der Tat, verurteilt. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Bald in Therapie

Er habe mit 13 oder 14 Jahren das erste Mal gekifft, sagte der Angeklagte. Später kam Kokain dazu – vor allem in der Arbeit. „Wenn ich müde war“, sagte der Handwerker. Bis zu sechs Gramm pro Woche schniefte er, sagte er vor Gericht. Ihm sei nun aber klar geworden: „Ich will das nicht mehr.“ Er habe die Zusage für einen Therapieplatz.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Cornelia Blankenhorn verurteilte den Mann schließlich zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Der 28-Jährige darf eine Therapie machen. In ihrer Urteilsbegründung ging Blankenhorn nochmals auf den etwas besonderen Ort für den Deal ein. „Ein Gericht ist ein Raum, der von Betäubungsmitteln absolut freizuhalten ist.“ Dazu komme die Schulklasse, die anwesend war. „Das geht einfach nicht.“