Frauen im Kreis Schwandorf: Immer am Sprung, um Wildkatzen und ihre Kitten zu retten

Von Thomas Rieke · 14. August 2024 um 19:00

Sie sind geschmeidig, verschmust und einfach schön – nicht umsonst erfreuen sich Katzen großer Beliebtheit. In jedem vierten Haushalt soll es mindestens einen Stubentiger geben. Doch nicht allen geht es gut. Viele werden ausgesetzt und so zu verwahrlosten Streunern, die sich unkontrolliert vermehren. Eine Gruppe von Frauen, die sich erst kürzlich zusammengefunden hat, möchte helfen, das Elend wenigstens etwas einzudämmen.

Eine von ihnen ist Franziska Huber. Die Leonbergerin ist es seit Jahrzehnten gewohnt, Tiere um sich zu haben. Vierbeiner zählten fest zum Elternhaus. Speziell Katzen hat sie aber eher gemieden. Die oft eigenwilligen Samtpfoten fand sie „irgendwie komisch“.

Erst fand sie Katzen eher komisch

Das hat sich vor rund einem Jahr schnell geändert. Ihr Bruder Andreas organisierte ein zwölf Wochen altes Katzenbaby. Damit wollte er, so berichtet Franziska, ihrer Mutter, die an einer unheilbaren Krankheit litt, eine Freude bereiten. Die Frau war eine große Katzenliebhaberin – und hatte ein halbes Jahr zuvor ihren Kater verloren. Er war einem Auto in die Quere gekommen.

Das Katzenbaby brachte tatsächlich den erhofften Glücksmoment am Krankenbett, doch bald darauf schloss die Patientin ihre Augen für immer. Und es stellte sich die Frage: Wer kümmert sich nun um die Kätzin? Das putzige Geschöpf, das wegen seiner dreifarbigen Musterung des Fells Tricolor- oder Glückskatze bezeichnet wird, hatte schnell auch das Herz von Franziska Huber erobert. Sie nahm sich seiner daher an und taufte es Lilli. Bald war klar, dass Lilli kein Single bleiben sollte. Im Tierheim wurde daher nach einem Geschwisterchen Ausschau gehalten – Leyla.

Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist

Spätestens jetzt war Franziska Huber der Katzen-Faszination vollends verfallen. In Internetforen suchte sie nach Informationen über die Tiere und Menschen, die ihre Erfahrungen mit Stubentigern teilen – oder über Tiertragödien berichten.

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Überall, so der Eindruck, kein Katzenglück, sondern das Gegenteil: Elend. Auch im Landkreis Schwandorf. Wilde, abgemagerte Streuner, die unter Krankheiten leiden und Verletzungen aufweisen – sich aber dennoch weiter vermehren. Die Folge: Ungezählte Kitten, die von vornherein schlechte Karten haben und, sollten sie überleben, bald den nächsten Wurf in die Welt setzen. Ein Teufelskreis. Von Katzen, die irgendwo am Straßenrand nur noch tot und teils schrecklich entstellt gefunden werden, ganz zu schweigen.

Ständig im Kontakt und sprungbereit

Franziska Huber hat schnell Frauen gefunden, mit denen sie sich besonders gern austauscht, weil sie eine Seelenverwandtschaft verbindet. Zu dem rund zehnköpfigen Kreis gehören Jennifer Heigl aus Burglengenfeld und Angi Lehmer aus Schwandorf. Ihr Team hat mittlerweile sogar einen eigenen Namen: „Katzenglück für Streuner“.

Heigl und Lehmer sind, genau wie Huber, der Überzeugung, dass man über die Not der Tiere nicht hinwegsehen darf, dass man vielmehr etwas dagegen tun muss. Und so beraten sie sich regelmäßig, halten ständig Ausschau – und ergreifen die Initiative, wenn Ihnen ein Problemfall bekannt wird.

Manchmal geht dann alles sehr schnell. So wie Anfang Juni, als im Schwandorfer Industriegebiet an der Max-Planckstraße eine verwilderte Katze gemeldet wurde. Huber zog nachts los und musste gar nicht lange warten, bis sie ein Tier, auf das die Beschreibung passte, erblickte. Mit Thunfisch war die Streunerin schnell in eine Box gelockt. Wenig später auch ihre Babys.

Das große Ziel: eine Kastrationspflicht

Stunden später wurden die Geschöpfe von einem Tierarzt untersucht. Der Eindruck der Herrenlosigkeit bestätigte sich, aber sonst war das Katzentrio in erfreulich guter Verfassung. Vorsichtshalber wurden auf Facebook eine Fundmeldung abgesetzt und das Ordnungsamt informiert.

Damit aber war der wichtigste Schritt noch längst nicht getan: die Kastration. Um die Kosten zu begleichen, hat die Initiative Katzenglück ein eigenes Spendenkonto eingerichtet. Bald waren immerhin 800Euro gesammelt, doch vergangene Woche sank der Kassenstand auf Null. Eine einzige Kastration kostet zwischen 120 und 160 Euro.

„Wir brauchen also nicht nur mehr engagierte Helfer, wir brauchen vor allem auch mehr Geld“, bringt es Franziska Huber auf den Punkt. Doch selbst wenn der Appell erhört würde, könne man das Problem natürlich nicht alleine lösen, ebenso wenig wie die Katzenhilfen, die es schon gibt. Für eine spürbare Linderung des Problems wäre laut Huber eine landesweite Verordnung erforderlich, die Katzenhalter dazu verpflichten würde, ihre Tiere, die Freigang genießen, zu kastrieren. In 1500 Kommunen soll dies bereits gelten.

Der Landkreis stellt jährlich 20.000 Euro zur Verfügung

Im Landkreis Schwandorf herrscht diesbezüglich nach Recherchen der MZ noch Fehlanzeige. Man sei sich aber des Problems, dass es zu viele wilde Katzen gibt, „sehr bewusst“, erklärt Manuel Lischka, Sprecher der Kreisverwaltungsbehörde. Der Landkreis stelle deshalb als freiwillige Leistung jährlich 20000 Euro zur Verfügung und finanziere damit gemäß eines Beschlusses des Kreisausschusses über den Tierschutzverein Schwandorf eine Kastrationsaktion. Diese verlaufe „recht erfolgreich“.

Der Erlass einer entsprechenden Verordnung ist laut Lischka aus verschiedenen Gründen jedoch nicht beabsichtigt. Der Vollzug wäre nämlich „zeit- und personalintensiv“. Oft sei schon die Zuordnung der Einzeltiere schwierig. Und bei einem herrenlosen Tieren sei es schlicht unmöglich, einen Halter in die Pflicht zu nehmen.

Für Zeitgenossen, die die Initiative unterstützen möchten

Situation: Wer die Gruppe um Franziska Huber finanziell unterstützen möchte, kann dies jederzeit gern tun. Für Spenden wurde bei der Sparkasse des Landkreises das Konto mit der IBAN: DE86 7505 1040 0031 8455 55 eingerichtet. Als Inhaber ist „Katzenglück für Streuner“ einzutragen.

Kontakt: Über die E-Mail-Adresse Katzenglueckfuerstreuner@gmx.de

Dieser kleine Rabauke wurde in freier Wildbahn gesichert und einer fachärztlichen Untersuchung zugeführt. Heute geht es ihm bestens. Foto: Huber