Vierbeiner im Hitzestress: Jüngste Negativbeispiele aus Schwandorf erschüttern

Von Andreas Loscher · 14. August 2024 um 11:00

Derzeit rollt eine Hitzewelle über den Freistaat, Abkühlung scheint mit Blick auf den Wetterbericht vorerst nicht in Sicht. Über die hohen Temperaturen mag sich der ein oder andere freuen, für Tiere können diese aber schnell problematisch werden. Das zeigen auch aktuelle Fälle aus dem Landkreis Schwandorf. Tierärzte, Pfleger und Polizei ordnen die Lage ein.

Erst kürzlich sorgte ein verhandelter Fall von Tierquälerei in Schwandorf für Aufsehen: Ein ukrainisches Ehepaar wurde zu einer Geldstrafe von 2100 Euro verurteilt, weil es ihren Hund namens Lucky im Juli 2023 bei 36 Grad im Auto am Steinberger See zurückgelassen hatte. Um den Vierbeiner zu befreien, mussten Polizeibeamte die Scheibe des Fahrzeugs einschlagen. Lucky war sehr geschwächt und konnte nur noch von einem Tierarzt gerettet werden.

In Wackersdorf musste die Polizei vor Kurzem wegen eines ähnlichen Vorfalls einschreiten. Ein 34-jähriger Hundehalter zeigte sich uneinsichtig, als er darauf hingewiesen wurde, dass sein Vierbeiner bei 30 Grad eine halbe Stunde im Auto verbracht hatte. Ihn erwartet nun eine Anzeige.

Gefahr wird häufig unterschätzt

Wie schnell es im Auto lebensgefährlich werden kann, weiß auch Hildegard Diermeier. Sie betreibt die Tierarztpraxis in der Fronberger Straße in Schwandorf. „Hundebesitzer unterschätzen immer wieder, wie hitzeanfällig ihre Haustiere sind“, sagt sie. Es genüge schon eine stickige Dachgeschosswohnung und die Vierbeiner könnten sich nicht mehr erholen. Menschen können schwitzen, um sich abzukühlen – Hunde hingegen nur hecheln.

Gerade Rassen mit flach gezüchteter Schnauze wie Bulldoggen oder Möpse seien in den Sommermonaten deshalb sehr anfällig, wenn sie keine frische Luft bekommen. „In Situationen wie in einem geschlossenen Auto bekommen solche Rassen oft schon Probleme bei Temperaturen ab 19 Grad“, erklärt Diermeier. Trotzdem will die Tierärztin beruhigen. Sie persönlich behandle nur sehr wenige Fälle von Überhitzung, denn die allermeisten Besitzer seien sehr vernünftig und achteten darauf, dass es ihren Hunden gut gehe. Viele würden im Sommer sogar mittlerweile Kühlkissen verwenden.

Laut Diermeier sei in den meisten Fällen Schlimmeres zu verhindern, weil die Anzeichen für einen Hitzschlag bei Hunden sehr früh erkennbar seien. Neben extremem Hecheln seien vor allem Schlappheit und wacklige Beine erste Anzeichen. Dann sei geboten, die Vierbeiner so schnell wie möglich ins Kühle zu bringen, so die Tierärztin. „Im schlimmsten Fall mit einem nassen Handtuch einwickeln und zum Veterinär bringen. Dann kann sogar eine Infusion notwendig sein.“

Hund wäre beinahe gestorben

Wie häufig Vierbeiner im Landkreis Schwandorf durch die Unachtsamkeit ihrer Herrchen unter extremer Hitze leiden müssen, ist schwer zu sagen. Nach Auskunft des Polizeipräsidiums Oberpfalz werden gravierende Fälle von geretteten Hunden an das Veterinäramt weitergeleitet. Gesammelte Daten von „Hunden, die bei großer Hitze im Auto zurückgelassen wurden und durch die Polizei oder Feuerwehr befreit werden mussten“, liegen laut Manuel Lischka, Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf, aber nicht vor.

Dass jeder Einzelfall einer zu viel ist, wissen vor allem die Mitarbeiter des Schwandorfer Tierheims. Veli Kabadayi, leitender Tierpfleger, sitzt ein Fall vom Sommer vergangenen Jahres immer noch in den Knochen. „Autos werden im Sommer zu einem Backofen und damit zur absoluten Todesfalle“, warnt er. Kabadayi berichtet von einem kleinen Hund, der aus einem völlig aufgeheizten Auto geholt wurde. Laut seiner Einschätzung sei es sehr knapp gewesen. Der Vierbeiner kam in Seitenlage ins Tierheim und reagierte nicht mehr. Sie kühlten ihn in nassen Tüchern, bevor er schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht wurde. Dort hatte der Hund immer noch eine Körpertemperatur von fast 40 Grad und musste zwei Tage zur Sicherheit in Behandlung bleiben. Wenige Minuten länger im Auto, meint Kabadayi, und der Hund wäre womöglich gestorben.

Er begreift nicht, wie Menschen einem Tier so etwas antun können. „Die Hunde geraten schnell in Panik und müssen dann qualvoll verenden.“ Leider, so Kabadayi, würde kaum ein Jahr ohne solche Situationen im Tierheim Schwandorf vergehen.

Bisher eher Einzelfälle

Der leitende Pfleger berichtet, dass in diesem Jahr glücklicherweise noch kein Hund ins Tierheim gekommen sei, der unter enormer Hitze gelitten habe. Generell komme die Polizei nur im Extremfall auf sie zu. Beispielsweise wenn der Besitzer nicht auffindbar ist oder der Hund länger versorgt werden muss, erklärt Kabadayi „Wir warten leider nur darauf, dass es wieder passiert, manche Leute denken einfach nie mit“, so der Mitarbeiter des Tierheims.

Anzeichen dafür, dass vermehrt eingesperrte Hunde aus Autos befreit werden müssen, gibt es laut Polizeihauptkommissar Florian Meier von der Polizeiinspektion Schwandorf nicht. In den letzten Jahren seien in Schwandorf nur „absolute Einzelfälle“ zur Anzeige gebracht worden. In den meisten Situationen könnten die herbeigerufenen Streifen dem Hund helfen, ohne dass es zu einer weiteren strafrechtlichen Verfolgung komme.

Scheiben einschlagen hat mitunter Konsequenzen

Oft seien die Anrufer auch übervorsichtig gewesen und es habe noch keine Gefahr bestanden. Meistens gelinge es auch, die Besitzer rechtzeitig zu finden. „Eingeschritten wird erst bei konkreter Gefahr für den Hund oder bei offensichtlichen Tierschutzverstößen. Das kann dann nur von den Beamten im Einzelfall vor Ort entschieden werden“, so Meier.

Im Zweifel kann auch das Einschlagen der Scheibe ohne Anwesenheit der Polizei angemessen sein, schreibt der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) auf seiner Internetseite. Sofern das Leben des Hundes akut bedroht ist, greifen die Paragraphen 228 BGB (Notstand) und 34 StGB (rechtfertigender Notstand).

Dennoch stelle das Einschlagen der Autoscheibe laut VDH unter Umständen eine Sachbeschädigung dar und könne rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Daher solle man die Situation vorher mit dem Handy dokumentieren oder andere Passanten als Zeugen hinzuziehen. In jedem Fall, so der Verband, solle die Polizei gerufen werden.

So wird Hitze für Hunde erträglicher

Pause: Der ADAC rät, alle zwei bis drei Stunden im Sommer eine Pause einzulegen, damit sich der Hund ein wenig bewegen kann.

Temperatur: Die Temperatur im Auto sollte angenehm und nicht mehr als zehn Grad unter der Außentemperatur liegen.

Wasser: Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig. Dem Tier sollte regelmäßig etwas zu trinken gegeben werden.

Fahrtwind: Geöffnete Fenster oder die Fahrt im Cabriolet sollten vermieden werden, da der Wind beim Hund Augenentzündungen begünstigen könne, so der ADAC.