Echte Neustädter werden zu Krimihelden – Das sagen die realen Vorbilder dazu

In Neustadt a.d. Donau sind etliche Romane geschrieben worden. Doch noch nie hat ein Buch die Menschen in der Stadt so sehr begeistert wie „Die Toten vom Limes“. Der Krimi setzt auf Lokalkolorit. Manche der Protagonisten in dem Roman scheinen leicht identifizierbar. Wie kommt das bei den echten Personen der Handlung an, von denen jeder glaubt, „der muss es sein“?
Für die Zuhörer und Zuhörerinnen in den Lesungen war bisher meist schnell klar, wer die handelnden Personen in echt sein könnten. Vor allem weil der Krimi in Bad Gögging und in der Gegenwart spielt. Dann muss es sich bei der Witwe Erika Wecker in dem Kriminalroman um eine ortsbekannte Person sehr ähnlichen Namens handeln und der Kirchenpfleger Gerald Harrer ist in Wirklichkeit Gerhard Karrer, ebenfalls Kirchenpfleger, ansonsten vor allem aber Inhaber einer Autowerkstatt. Der Redakteur im Krimi, ein gewisser Joachim Danner, dezent als „vollschlank“ beschrieben und angestellt bei der Mittelbayerischen Zeitung, heißt in echt so ähnlich und arbeitet auch in echt bei der Zeitung.
Gleichwohl stellt Tessy Haslauer fest: „Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.“ So steht es auch im Klappentext des Buches und so kann man es gelegentlich auch im Abspann von Fernsehfilmen lesen. Tatsächlich handelt es sich um so etwas wie eine Unschuldsbeteuerung, man habe ja niemandem weh tun wollen.
Die meisten wissen es
Für Co-Autor Peter Barth ist dabei klar: „Die meisten Gögginger wissen, wer die Personen im Buch sein könnten.“
Das gilt auch für Walter Geldmacher. Er ist im Roman der umtriebige Bauunternehmer, der ein neues Wellnesshotel bauen soll und dessen Baggerfahrer bei den Bauarbeiten die Leiche eines römischen Legionärs entdeckt. „In echt“ dürfte es sich bei dem Bauunternehmer um Werner Reichl handeln. Die Rolle im Krimi wirkt fast, wie wenn man sie ihm hätte auf den Leib schreiben wollen.
Reichl will denn auch nicht bestreiten, dass man an ihn gedacht haben könnte, als die Figur des Walter Geldmacher für den Roman entwickelt wurde. Aber allein beim Umgang mit dem Leichnam des römischen Legionärs sträuben sich ihm die Haare, sagt er. „Da würde ich sofort die 110 anrufen“, sagt er. Das gehe gar nicht anders, auch wenn ein derartiger Fund der schlimmste anzunehmende „Unfall“ für ein Bauprojekt wäre. Das wäre nämlich über Wochen oder gar über Monate blockiert, weil Denkmalschützer und Archäologen den Fundort untersuchten. Werner Reichl gibt zu bedenken: „Der historische Fund würde aber auch Chancen bieten. Neustadt und Bad Gögging würden partizipieren.“
Dieses Denken wird in dem Buch dem Hotelier Konrad Blattl zugeschrieben: Er will den Leichnam mit Uniform „hinter Glas“ als Touristenattraktion in seinem Hotel ausstellen. Karl Zettl musste als Vorlage für Konrad Blattl herhalten. Und Karl Zettl, Patron des Hotels Eisvogel sowie der Römerbad- und Kaiser-Trajan-Klinik in Bad Gögging, denkt nicht lange nach, als ihn der Reporter fragt, ob er das auch so machen würde: „Das würde passen. Wir sind römisch belastet.“
Dann schränkt er jedoch ein und meint, die Idee sei nicht ganz abwegig. Aber eben nur eine Hypothese und nicht sehr wahrscheinlich, denn voraussichtlich würde ein derartiger Fund auf Jahre und Jahrzehnte der Wissenschaft anheim fallen und dort als Untersuchungsobjekt dienen.
Die Beschreibung Blattl- Zettls rückt an anderen Stellen dicht an die Realität. Zum Beispiel, wenn die Romanfigur Konrad Blattl einen Supermarkt bauen will. Tatsächlich berichtete diese Zeitung vor zweieinhalb Jahren, dass es Pläne geben würde, dass im Kurort an der Heiligenstädter Straße ein neuer Verbrauchermarkt entstehen könnte. „Ich habe das auch schon mal angedacht“, sagt Karl Zettl. „Es wäre für die Urlauber ganz praktisch.“ Hinter den Plänen vor zweieinhalb Jahren steckte jedoch ein anderer Unternehmer.
Einer muss sterben
Schließlich ist es in diesem Roman wie bei allen Krimis: Einer muss sterben. Auf Seite 41 hat es den Hotelier Konrad Blattl erwischt. Mit einem Mal hat er gewaltsam das Zeitliche gesegnet. Er lebt nicht mehr und liegt auf dem Rasen vor seinem Hotel, quasi im Anblick seines Lebenswerkes. Karl Zettl lacht darüber. Er hat den Humor der Situation erkannt und sagt, auch seine Hermine – im Krimi heißt sie Hedwig – könne bei dem Buch immer wieder lachen.
Leslie Schmidt, die beim Emons Verlag die Öffentlichkeitsarbeit für Krimis betreut, stellt klar: „Wir wollten mit dem Buch keine Persönlichkeitsrechte verletzen. Deshalb ist es auch so, dass wir keine realen Namen benutzt haben.“ Allerdings sei im Vorfeld mit Margit Zettl-Feldmann vom Tourismusverband Bad Gögging, die die Idee für das Buch hatte, abgesprochen gewesen, „wie die Geschichte im Groben ablaufen wird“. Klar sei auch gewesen, dass identifizierbare Personen keine Schurken sein durften.
Und so ist denn auch klar, wer wer ist. Zettl - Blattl. Und wer dabei ist, freut sich. Es gilt: Nur wer drin ist, ist in.

