Neue Erkenntnisse in Neustadt: Deich bei Hienheim hat eine eigene Dynamik

Der Hochwasserdeich bei Hienheim (Stadt Neustadt an der Donau, Landkreis Kelheim) hatte heuer beim Junihochwasser seine erste große Bewährungsprobe. Er bestand diese, allerdings machten die Neustädter Protagonisten dabei große Augen. Für die Zukunft soll laut Bürgermeister Thomas Memmel deshalb nachgeschärft werden.
Sicherlich schickten während des Hochwassers viele Neustädter Bürgerinnen und Bürger bange Blicke gen Hienheim. Wird der Deich halten? Das war die Frage, die sich tagelang stellte. Von Stunde zu Stunde wurde der Schutzbau weicher, Feuerwehrkräfte arbeiteten Tag und Nacht, um ihn zu stärken. Der Ortsteil war ein Brennpunkt bezogen auf den ganzen Landkreis in den Tagen des Hochwassers. Memmel spricht davon, dass es letztendlich sieben Tage waren, an denen die Feuerwehr in Hienheim gefordert war.
Den Deich kennengelernt
Nachdem das Hochwasser abgeflossen war, zeigte sich, dass all das funktioniert hat. Allerdings betraten selbst Experten wie der Neustädter Feuerwehrkommandant Jürgen Bucher Neuland. Der Bürgermeister beschreibt das so: „Wir haben den Deich besser kennengelernt.“ Denn seine vom Rest der Deiche bei Neustadt abweichende Bauart machte sich bemerkbar. Alle anderen Deiche verfügen laut Memmel über eine äußere Abdichtung mittels Lehm. Bei so einem Deich würden alle Alarmglocken schrillen, wenn trotzdem auf der flussabgewandten Seite Wasser austreten würde.
Beim Bauwerk in Hienheim gebe es die Lehmschicht nicht. Memmel wisse nicht, warum sich die Planer dafür entschieden haben. Sicherlich hätten sie einen Grund dafür gehabt, den Memmel jedoch nicht nennen könne. In Hienheim trat Wasser auf besagter Seite aus – und zwar deutlich mehr, als man sich das gedacht hatte und von früheren Hochwasserereignissen an anderen Stellen gewohnt war.
Man habe lernen müssen, mit dieser Situation umzugehen. Sandsäcke in einer für den Laien sehr hohen Zahl von mehreren Zehntausend Stück wurden nach Hienheim geschafft, um den Damm zu stärken und das Wasser abzufangen. So wurden unter anderem Kaskaden gebildet, um es dort zu sammeln. Mittlerweile habe man daraus seine Lehren gezogen. Schon heuer waren auch in Hienheim Pumpen eingesetzt, um Wasser zurück in die Donau zu befördern. „Wir wollen in Zukunft die Pumpenleistung deutlich steigern“, betont der Bürgermeister. Das Ziel sei klar: Sollte es in Zukunft weitere Hochwasserlagen bei Hienheim geben, wolle man ohne den Einsatz von Sandsäcken auskommen.
Arbeiten könnten folgen
Memmel will nicht ausschließen, dass trotzdem auch Arbeiten am Deich notwendig sind, immerhin ist er ziemlich durchweicht worden. Derzeit prüfen laut Bürgermeister Experten des Wasserwirtschaftsamtes die Situation. Sie wären es auch, die notwendige Reparaturen anordnen würden.
Wie mehrfach berichtet, wurde der Deich bei Hienheim im Jahr 2013 fertiggestellt. Er ist ein Teil der Verbesserungen, die nach der Flutkatastrophe 1999 realisiert wurden. Für insgesamt 6,3 Millionen Euro gab es Arbeiten in Irnsing, Mauern und eben Hienheim.
Halbrund zwischen den Straßen Zur Fähre und Hangstraße gelegen soll er die tieferen Bereiche des Ortsteils vor dem Donauwasser schützen. Die Zufahrt zur Fähre führt durch den Deich. Er hat dort eine Lücke, die aber mittels Dammverschlüssen jederzeit beseitigt werden kann.