Kehrt in einen 300 Jahre alten Gasthof in Neustadt wieder Leben zurück?

Drei Wirtshäuser, eine Kirche, ein Sportplatz und sogar ein Theater hat der Ortsteil Schwaig. Aber dennoch gibt es Sorgen im Neustädter Ortsteil Schwaig. Der Grund: Eines der Wirtshäuser ist seit rund zwei Jahren geschlossen und niemand weiß, wie es damit weitergeht. Immerhin gab es jetzt eine kleine Antwort.
Das Anwesen ist vor einigen Monaten verkauft worden. Leni Kleindorfer, die den Gasthof „Zum großen Wirt“ zuletzt besessen und mit ihrer Familie betrieben hatte, hatte die Immobilie im Internet annonciert. Seither wusste niemand mehr, was aus dem Wirtshaus, dass es seit über 300 Jahren gibt, geschehen würde. Ein Versuch dieser Zeitung, mit dem neuen Eigentümer über seine Pläne für den „Großen Wirt“ zu sprechen, war unergiebig. „Wir melden uns“, lautete die kurze Antwort.
Dafür gab es zuletzt eine Auskunft im Bauausschuss des Neustädter Stadtrats. In der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Gremiums war nach mehreren Bauanträgen auch ein Vorgang aus dem Ortsteil Schwaig notiert. Für das Anwesen Pfarrer-Kraus-Straße 2 in Schwaig wurde eine Nutzungsänderung beantragt. In der ehemaligen Filiale der Raiffeisenbank, die im westlichen Eck des großen Gebäudes untergebracht war, solle eine Wohngemeinschaft eingerichtet werden, hieß es in dem Antrag.
„Ausbau geplant“
Neustadts Erster Bürgermeister Thomas Memmel bestätigte: „Es ist der Ausbau zu einer Wohnung geplant.“ Dagegen, so Memmel weiter, hätten die Mitglieder des Bauausschusses nichts einzuwenden gehabt. Es seien auch genügend Stellplätze im Hof vorhanden.
Die Zukunft der ehemaligen Bankfiliale betrifft jedoch nur einen Teil des Anwesens. Unklar ist, was auch der Gaststätte wird. Sie war einst Treffpunkt für Stammtische und Vereine. Familienfeiern, Vereinsfests und Theateraufführungen wurden hier abgehalten. Am 20. April 1809 nahm hier sogar Napoleon eine Brotzeit zu sich. Das Eck in der Gastwirtschaft, wo der französische Kaiser einst saß, wurde später zum Napoleon-Eck benannt.
Günter Schweiger, Neustadts Zweiter Bürgermeister, der selbst in Schwaig wohnt, hat bis jetzt die Hoffnung nicht aufgegeben, dass das Wirtshaus wieder eröffnet wird. „Ich wünsche mir, dass beim ‘Großen Wirt‘ wieder Gastronomie reinkommt“, sagt er. „Es wäre eine Bereicherung für unseren Ort und die Umgebung.“
Ob es dazu kommt, scheint ungewiss. In der Gastronomie wird seit Jahren ein Wirtshaussterben beklagt und es wird immer schwieriger, Personal für Küche und Service zu finden.
Lange hatten sich die Kleindorfers gegen die Veränderungen in der Branche gestemmt. Vater, Mutter und Tochter kochten, bedienten und vermieteten nebenbei auch noch Fremdenzimmer und Appartements. Die Mahlzeiten waren legendär groß und lecker und die Preise sensationell niedrig.
Treff für die Vereine
„Die Gaststätte wurde gut angenommen von den Vereinen, Jung und Alt fühlten sich bei uns wohl“, sagt Leni Kleindorfer. In besten Zeiten wurden deshalb zahlreiche Helfer und Helferinnen beschäftigt. Das ist – zumindest vorerst – vorbei.
Neben dem Eingang zum Wirtshaus hängen noch die Kästen mit den Bekanntmachungen der Vereine. Die Geflügelzüchter, der Burschenverein und der Sportverein teilen hier ihre Neuigkeiten mit. Auch die handgeschriebene Speisekarte hängt noch aus. Aber das Gasthaus „Zum großen Wirt“ hat geschlossen. Zum Glück für die Menschen in Schwaig gibt es noch zwei weitere Wirtshäuser.



