Groß-Mieter in Aussicht: Ein Lichtblick für das Regensburger „Geister-Parkhaus“

„Regensburgs leerstes Parkhaus“ lautet eine von nur vielen Schmähungen, mit denen in der Vergangenheit der Sieben-Millionen-Euro-Bau auf dem TechCampus bedacht wurde. Jetzt zeichnet sich eine Wende ab.
Zwischenzeitlich hatte es Regensburg sogar bundesweit zum Gespött gemacht. Im April war das Parkhaus an der TechBase vom ZDF-Magazin „Länderspiegel“ zum „Hammer der Woche“ gekürt worden. Wegen der mickrigen Belegungsquote, über die in Regensburg seit Eröffnung der Groß-Garage vor rund zwei Jahren diskutiert wurde.
Doch diese Zeiten dürften vorbei sein. Jetzt ist nämlich ein Dauermieter für bis zu 250 Stellplätze in Aussicht, womit das Parkhaus zumindest auf dem Papier auf einen Schlag gefüllt sehr gut wäre.
Das Stadtwerk als Betreiber hatte immer an diese Chance geglaubt. „Wir sind mit Firmen aus dem Quartier in guten Gesprächen, so dass wir von einer weiteren Erhöhung der Auslastung ausgehen“, ließ das städtische Tochterunternehmen beispielsweise im April verlauten. Bei der jüngsten Stadtwerk-Aufsichtsratssitzung zeigte sich nun: Die Gespräche waren nicht nur gut, sondern offensichtlich auch zielführend.
Tiefgarage einsparen?
So zeichnet sich die Möglichkeit ab, dass das am TechCampus ansässige Unternehmen Vector Informatik dauerhaft zwischen 200 und 250 zusätzliche Stellplätze in dem Parkhaus anmietet. Möglich wird dies durch das rasante Wachstum von Vector.
2017 und 2021 eröffnete der Experte für Software-Entwicklung die beiden Teile seines ersten Gebäudes in der Franz-Mayer-Straße 8, im Mai dieses Jahres wurde in unmittelbarer Nähe ein weiterer Neubau eingeweiht.
Drittes Gebäude geplant
Doch die Expansion des Unternehmens, das aktuell rund 600 Mitarbeiter am Standort Regensburg beschäftigt, ist damit noch nicht vorbei. An der Galgenbergstraße, direkt gegenüber der TechBase, ist ein drittes Gebäude mit 400 weiteren Arbeitsplätzen geplant.
Um sich hier die teure Tiefgarage zu sparen, hat Vector die alternative Option, sich feste Stellplätze im Parkhaus der TechBase zu sichern. Dem Vernehmen nach warb vor allem die städtische Wirtschaftsförderung für diese Lösung, die das Parkhaus voll und aus den Negativ-Schlagzeilen bringen würde.
Vector noch zurückhaltend
Bei Vector selbst gibt man sich noch zurückhaltend: „In der Tat wird das Thema Parkhaus bzw. Parkraumstrategie momentan diskutiert“, bestätigt der in der Stuttgarter Zentrale sitzende Unternehmenssprecher Ronald Lindner. Ein definitives Statement könne er aber nicht liefern.
Ungeachtet dessen sorgt im Regensburger Stadtrat bereits die sich abzeichnende Entwicklung für Erleichterung. „Das wäre sehr positiv“, sagt beispielsweise Christian Janele (CSB), der in seiner Zeit als Mitglied der inzwischen aufgelösten Rathaus-Koalition immer wieder seine Sorge über die unzureichende Füllung des 7,3 Millionen Euro teuren und 377 Stellplätze bietenden Parkhauses geäußert hatte. „Jetzt würde die Auslastung stimmen und Vector könnte günstiger bauen – eine Win-win-Situation.“
Vollausbau muss erst noch fertig werden
Mit genau demselben Begriff beschreibt CSU-Fraktionschef Michael Lehner die neue Situation und merkt an: „Man muss zur Verteidigung des Parkhauses ja sagen, dass es von Anfang an auf den Vollausbau des TechCampus ausgelegt war – und der muss eben erst noch fertig werden.“
Lehner hat sich vom Stadtwerk die aktuellen Belegzahlen geben lassen und leitet schon daraus eine positive Entwicklung ab: „Zur Zeit beträgt die Auslastung 125 Fahrzeuge am Tag. Das ist schon eine deutliche Steigerung.“ Mit bis zu 250 fest angemieteten Stellplätzen zusätzlich gäbe es am Füllstand tatsächlich nichts mehr zu meckern. „Abgerechnet wird zum Schluss“, sagt Lehner deshalb zufrieden.
Vermietet, aber nicht belegt?
Noch nicht vollends in den Jubel miteinstimmen will Grünen-Stadtrat Stefan Christoph, der als einer der schärfsten Kritiker der Groß-Garage bundesweite Medienpräsenz hatte. Auch er hat von den Plänen einer Dauer-Anmietung in hoher Zahl gehört und kommt nicht umhin, das als „erfreulich“ und als „Hoffnungsschimmer“ zu bezeichnen. „Ich habe damit eine Story gehabt – aber natürlich kein Interesse daran, dass das Ding weiter leer steht.“
Trotzdem bezweifelt Christoph, dass „Anmietung“ mit „Belegung“ gleichzusetzen ist. Denn wenn sich das betreffende Unternehmen dadurch nur von seiner Pflicht zur Schaffung von Stellplätzen freikaufe, werde das Parkhaus nicht voller, argumentiert der Grünen-Stadtrat. „Umfragen zeigen ja, dass zwei Drittel der am TechCampus arbeitenden Leute nicht mit dem Auto zur Arbeit kommen. Ich werde das also weiter genau beobachten.“
Kollege Lehner teilt diese Sorgen nicht. Ihm ist es letztlich egal, ob die angemieteten Stellplätze dann auch tatsächlich besetzt werden. „Hauptsache, sie werden bezahlt“, lautet die Maxime angesichts des ersten Betriebsjahres des Parkhauses, in dem ein Defizit von 261000 Euro zu Buche stand. Doch der CSU-Fraktionschef sieht die Zukunft des umstrittenen Baus grundsätzlich optimistisch: „Ich bin sicher, dass wir das Ding voll kriegen.“
