„Millionengrab“: Parkhaus am Regensburger Galgenberg schreibt rote Zahlen

Von Mittelbayerische Zeitung · 26. Juni 2024 um 05:00

Das Defizit des Neubaus auf dem Tech-Campus trübt die Stadtwerk-Bilanz. Kritiker prangern eine Verschwendung von Steuergeld an sagen: Die schlechte Auslastung war schon vor dem Baubeginn vorhersehbar.

Dass die Bilanz des Parkhauses auf dem Tech-Campus am Galgenberg nicht glänzend ausfallen wird, war zu erwarten. Nun ist bekannt, wie hoch das Defizit des ersten Betriebsjahres ist: Mit minus 261000 Euro steht es in der Bilanz des Stadtwerks. Die Stadttochter nennt die Auslastung „akzeptabel und nachvollziehbar“. Aus der Sicht der Kritiker ist sie das nicht.

Prinzipiell läuft das Geschäft des Stadtwerks mit den Parkhäusern gut. „Eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr“ konstatiert die Stadttochter im Jahresabschluss für 2023, den der Verwaltungsausschuss des Stadtrats nun vorgelegt bekam. 1,2 Millionen Euro brachte die Sparte der Stadttochter ein. Davon steuerte das Meiste das Parkhaus am Dachauplatz mit einem Ergebnis von 870.000 Euro bei, auch die Parkgaragen am Petersweg (196.000 Euro) und am Theater (374.000 Euro) sind profitabel.

Parkhaus kostete fast acht Millionen Euro

Das Ende 2022 eröffnete Parkhaus am Galgenberg dagegen, das die Stadt insgesamt knapp 7,9 Millionen Euro kostete und 377 Parkplätze bietet, ist weniger beliebt. Am Ende des ersten Betriebsjahrs 2023 lag die Auslastung bei zehn Prozent, so errechnete es Grünen-Stadtrat Stefan Christoph, der den Bau als Steuergeldverschwendung anprangert.

Vom Stadtwerk heißt es, die Auslastung steige. Sprecher Martin Gottschalk sagt, die Zahl der Kurzparkvorgänge nehme stetig zu. Die Zahl der Dauerparkverträge habe sich auf 92 erhöht. „Dafür, dass das Tech-Base-Gelände erst zu gut der Hälfte bebaut ist und die ansässigen Firmen noch hohe Prozentsätze von Mitarbeitern im Home-Office haben, ist die Anzahl der Parkvorgänge akzeptabel und nachvollziehbar“, sagt Gottschalk. Künftig sei werktags mit einer guten bis hohen Auslastung zu rechnen. An Wochenenden seien zu bestimmten Zeiten Park-and-Ride-Angebote vorgesehen. Ein Vergleich mit den Innenstadtgaragen sei „wegen der unterschiedlichen Nutzerstrukturen“ nicht sinnvoll.

Johann Brandl, kommissarischer Vorsitzender des Bürgervereins Süd-Ost, hatte bereits vor dem Bau des Parkhauses vor einem „Millionengrab“ gewarnt. Jetzt sagt er, er könne die Hoffnung des Stadtwerks auf eine steigende Auslastung nicht nachvollziehen. „Die Notlösung mit den Dauerstellplätzen ist auf jeden Fall nicht kostendeckend.“ Auf absehbare Zeit werde das Parkhaus deshalb ein Defizitbetrieb bleiben. Auch Grünen-Stadtrat Christoph nennt das Defizit „wenig überraschend, aber dennoch verheerend“. Er wirft der Stadt vor, hier wider besseres Wissen gehandelt zu haben und verweist auf das im Februar 2020 veröffentlichte „Entwicklungskonzept gewerbliche Bauflächen“ der Stadt. Dort heißt es, in mehr als 70 Prozent der Unternehmen kämen die meisten mit dem Auto zur Arbeit. Die einzige Ausnahme sei der Tech-Campus, „wo Auto, Fahrrad und ÖPNV fast gleichbedeutend sind“. 2021 begann der Bau des Parkhauses, den der Stadtrat 2019 erstmals und im Herbst 2020 endgültig beschlossen hatte.

Stadtrat Christoph sagt: Jetzt gelte es, das Parkhaus besser zu nutzen. „Ich glaube, dass man durchaus noch Verkehrsberuhigung reinbringen kann in das Quartier.“ Auch schlägt er vor, „zumindest temporär andere Sachen drin zu machen“, etwa einen Flohmarkt oder andere Veranstaltungen.