Sauberes Trinkwasser dank Szarvasigras: Hier arbeiten Landwirte mit der Rewag zusammen

Von Marion Neumann · 25. Juni 2024 um 10:00

Sauberes Trinkwasser, frei von Schadstoffen: Dafür setzen sich Landwirte wie Franz Habenschaden ein. Auf einer Fläche von elf Hektar baut er aus Ungarn stammendes Szarvasigras an. Dahinter steht eine Zusammenarbeit mit der Rewag.

Auf dem Feld von Franz Habenschaden herrschte am Montag schon seit den frühen Morgenstunden reger Betrieb. Zunächst hatten Mitglieder der Jagdgenossenschaft Hainsacker das elf Hektar große Areal mit Drohne und Wärmebildkamera nach Rehkitzen und anderen Tieren abgesucht. Dann rückten die großen Maschinen an. Etwa fünf Stunden sollten die Mäharbeiten insgesamt dauern, schätzte der Landwirt aus Lappersdorf.

Abseits der Störche, die auf den frisch abgemähten Flächen nach Nahrung suchten, bekam Habenschaden am Vormittag noch weiteren Besuch. Zusammen mit Vertretern der Rewag hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg-Schwandorf zu einem Pressetermin eingeladen, um über die Qualität des Regensburger Trinkwassers zu informieren.

35 Betriebe, 1100 Hektar

Denn auch, wenn das auf den ersten Blick nicht direkt ersichtlich erscheinen mag: Landwirte wie Habenschaden leisten einen Beitrag dazu, das Trinkwasser sauber und frei von Schadstoffen zu halten. „75 Prozent des Trinkwassers für die Stadt Regensburg kommen aus dem Wasserwerk Sallern“, erklärte Rewag-Pressesprecher Martin Gottschalk, „20 Prozent aus dem Werk am Oberen Wöhrd und fünf Prozent aus Laub“.

Umgeben ist das Wasserwerk Sallern im Norden der Stadt von einem weitläufigen Wasserschutzgebiet – und hier befinden sich auch die elf Hektar von Habenschaden, auf denen an diesem Tag gemäht wird. Seit etwa fünf Jahren baut er auf der Fläche Szarvasigras an und setzt sich damit, in Kooperation mit der Rewag, über die gesetzlichen Vorgaben hinaus freiwillig für den Gewässerschutz ein.

Stickstoffwerte im Wasser senken

Das Projekt, mit dem das Trinkwasser durch ackerbauliche Maßnahmen sauber und frei von Schadstoffen gehalten werden soll, gibt es in diesem Gebiet seit 1998. Der Anbau von Szarvasigras gilt als eine von mehreren Möglichkeiten, Stickstoffwerte im Wasser zu senken. Seit etwa zwanzig Jahren könne man einen deutlich negativen Trend feststellen. „In den letzten Jahren ist es so, dass die Nitratwerte stagnieren oder leicht gefallen sind“, so Gottschalk. Derzeit laufe die Zusammenarbeit mit rund 35 Betrieben auf insgesamt 1100 Hektar.

Wolfgang Hutterer, der ein Ingenieurbüro für ressourcenschonende Landwirtschaft betreibt und von der Rewag als Berater für das Schutzgebietsmanagement beauftragt worden ist, erklärte bei dem Vor-Ort-Termin, dass das aus dem Raum Ungarn stammende Gras gut mit Trockenphasen zurechtkomme. Angepflanzt werde es auf eher schwächeren Flächen. Die Landwirte würden eine finanzielle Unterstützung erhalten. Nach dem Schnitt komme das Gras in die Biogasanlagen und werde zur Energieversorgung verwendet.

Landwirtschaft im Wandel

Gerade dieser Kreislaufgedanke gefällt Habenschaden. „Auf solchen sandigen Flächen etwas anderes anzubauen, ist schwierig“, sagte er, „und auf diese Weise tut man etwas für die Natur und für das Grundwasser. Wasser ist schließlich das Kostbarste, was wir haben“. Der Landwirt, der einen Hof bewirtschaftet, dessen Gründung bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ist für Wandel offen. „Mein Großvater hat kein Szarvasigras gekannt. In bin gespannt, wie unsere Buben in 20 Jahren Landwirtschaft betreiben werden.“

Georg Mayer, Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg-Schwandorf, ist froh, dass immer mehr Landwirte solch innovative Wege gehen und auf die Zusammenarbeit mit der Wasserversorgung setzen. „Es freut uns, wenn die Trinkwasserqualität durch spezielle Maßnahmen besser wird“, erklärte er bei dem Treffen auf Habenschadens Feld.

Freiwillige Maßnahmen

Generell würde man in Bayern schon seit mehreren Jahrzehnten auf freiwillige Schritte setzen. „Gewässerschutzberater gibt es an jedem Amt“, so Mayer. 2017 habe man im Freistaat zudem den Wasserpakt Bayern geschlossen. „Es sind viele Organisationen, die hier zusammenarbeiten und sich den Trinkwasserschutz auf die Fahne geschrieben haben.“

Was die Projekte im Wasserschutzgebiet im Norden von Regensburg betrifft, gehe man den richtigen Weg. „Manche Landwirte waren anfangs vielleicht skeptisch“, sagte Mayer, „aber letztendlich machten sie das Thema zu ihrem Thema – und das ist der Schlüssel zum Erfolg“.