Früher im selben FC Bayern-Heim wie Schweinsteiger und Lahm – heute Golftrainer in Neunburg

Als Jugendlicher interessierte er sich für die großen Bälle, heute sind es die kleinen, weißen: Florian Bänsch ist professioneller Golftrainer im Golfclub Oberpfälzer Wald in Neunburg (Landkreis Schwandorf). In dem Beruf fand der 43-Jährige nach eigener Aussage seine Erfüllung. Dabei zeigte sein Karriereweg erst in eine andere Richtung.
Wie viele Jungen wollte Florian Bänsch immer Fußball spielen. Und das hat er auch sehr erfolgreich bei Bayern München. Beim Rekordmeister gehörte er zur B- und später zur A-Jugend, wohnte gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm im vereinseigenen Jugendheim. Bänsch spielte auch in der Nationalmannschaft, begann in der U15 und schaffte den Sprung bis in die U21. Dem jungen Oberpfälzer stand seinerzeit eine große Karriere als Fußballer bevor.
Dass er diese Laufbahn – im Gegensatz zu Schweinsteiger und Lahm – nicht beschritten hat, ist einem Kreuzbandriss geschuldet. Als 18-Jähriger zog er sich bei einem Spiel eine Ruptur eines Kreuzbandes zu. Nach einer ersten Operation riss das Kreuzband erneut und er musste sich ein weiteres Mal unters Messer legen. Die hoffnungsvolle Karriere als Profifußballer war danach jedoch beendet.
Drei Alternativen nach Kreuzbandriss
So stand er mit 20 Jahren und voller Träume plötzlich vor der Frage, was er statt kicken sonst machen könnte. Sein Arzt hatte ihm Schwimmen, Radfahren und Golfen empfohlen. Fürs Schwimmen und Radfahren konnte sich der gebürtige Regensburger, der heute in Teublitz zuhause ist, nicht so recht erwärmen. Also widmete er sich dem Golf.
Mit dieser Sportart hatte Florian Bänsch bis dato nichts zu tun. Als Jugendlicher hatte er neben Fußball auch Tennis und Tischtennis gespielt. Nun galt es deutlich kleinere Bälle zu treffen und einzulochen.
Er trainierte in der Folge zwischen acht und zehn Stunden täglich, nutzte jede freie Minute, um zu spielen. So konnte er sein Handicap nach und nach verbessern. „Natürlich gab es auch Rückschläge“, meint er heute rückblickend. „Aber ich habe immer an mich geglaubt und weiter gemacht.“
Nach dreieinhalb Jahren hatte er eine Spielstärke erreicht, um im Golfclub Deutenhof in Bad Abbach eine Ausbildung zum Golflehrer zu beginnen. Er hätte auch sein Geld mit Spielen verdienen können. Doch als Spieler noch einzusteigen, dafür sei es schon zu spät gewesen, meint Bänsch. So entschied er sich dafür, das Golf spielen anderen zu vermitteln. „Ich wollte nie einen Bürojob machen, sondern immer etwas mit Sport und Menschen zu tun haben“, begründet Bänsch seine Motivation, Golflehrer zu werden.
Arbeit macht ihm „unglaublich viel Spaß“
Den Golfsport bringt er anderen seit mittlerweile 18Jahren im Golfclub Oberpfälzer Wald, einer etwa 70Hektar großen Anlage im Neunburger Ortsteil Ödengrub, nahe. Er habe sich nach dem Abschluss seiner Ausbildung bei vielen Clubs beworben, erzählt Bänsch. In Neunburg habe er dann einen Golfclub gefunden, wie er ihn sich „schöner nicht hätte vorstellen können“. Wenn der Arbeitsplatz so schön sei, dann fühle man sich auch selbst wohl und sei glücklich im Job, ist Florian Bänsch überzeugt. Er strahlt diese Zufriedenheit aus – das spürt man bei einer Begegnung mit ihm sofort. „Mir macht die Arbeit mit den Leuten unglaublich viel Spaß“, meint er. Es sei ein Job, den er sich „definitiv bis zur Rente vorstellen“ könne. Und trainieren könne er auch noch mit 60, meint Bänsch.
Bis vor gut einem Jahr war er als freiberuflicher Golftrainer in dem Club tätig, jeweils von April bis Ende Oktober. In den Wintermonaten betreute er im Fünf-Sterne-Hotel Birkenhof den dortigen Golfsimulator oder organisierte Golfreisen in verschiedene Länder. Mit anderen Golfbegeisterten war er unter anderem in Spanien, Portugal und Marokko.
Heute ist er fest angestellt
Vor etwa zwölf Monaten wurde er vom Golfclub Oberpfälzer Wald fest angestellt. Während der Corona-Zeit sei bei ihm der Wunsch entstanden, mal etwas Festes zu haben. Der Golfclub sei damals drei bis vier Monate geschlossen gewesen, was für ihn bedeutete, keinerlei Einnahmen zu haben. Zwar wurden die Einschränkungen beim Golf schnell wieder gelockert, dennoch wuchs das Verlangen nach mehr beruflicher Sicherheit.
Gleichzeitig wurde es für den Neunburger Golfclub schwieriger, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. So traf der Wunsch des einen auf das Problem des anderen. Der Verein war froh, einen festen Mitarbeiter gefunden zu haben, der auch organisatorische Aufgaben übernehmen konnte, und Florian Bänsch war glücklich, nun zwölf Monate ein festes Einkommen zu haben. Als Angestellter des Golfclubs gibt der 43-Jährige nun nicht nur Kurse, er organisiert auch Turniere und kümmert sich um die Mitgliederwerbung.
Vor vier Jahren verlegte die Familie den Wohnsitz nach Teublitz. Florian Bänsch wollte näher an der Arbeitsstelle leben. Da seine Frau bei Regensburg tätig ist, entschieden sie sich für einen Ort, der zwischen beiden Arbeitsstellen liegt.
Auch als fest angestellter Golftrainer organisiert der 43-Jährige noch Golfreisen in andere Länder. Bei den fünf- bis siebentägigen Trips können die Teilnehmer ihrer Golfleidenschaft in exotischer Umgebung nachgehen.
Große Turniere anschauen
Auch wenn sein früherer Mitspieler Bastian Schweinsteiger selbst gerne die kleinen, weißen Bälle schlägt, auf dem Golfplatz sind sich die Beiden bisher noch nicht begegnet. Vor ein paar Jahren hätten sie sich zwar mal wieder getroffen, aber der Kontakt sei nicht mehr so eng wie in ihrer Jugendzeit, sagt Bänsch.
Das liegt wohl auch daran, weil der 43-Jährige mit dem Fußball weitgehend abgeschlossen hat. Er schaue sich große Turniere oder Spiele an, mehr aber nicht. Wenn sein kleiner Sohn später vielleicht mal Fußball spiele, dann könne er sich vorstellen, auch wieder öfter am grünen Rasen zu stehen, meint der Golftrainer.