Vorfall im Januar: Eskalierte in Lappersdorf der Streit um Pizzen in Messerstichen?

Von André Baumgarten · 9. August 2024 um 15:15

Seit dem Großeinsatz in Kareth steht Aussage gegen Aussage. Ermittler hatten deshalb die Rechtsmedizin beauftragt, die Verletzungen eines 31-Jährigen genau zu untersuchen. Was 31 Wochen nach der Attacke zu dem Fall bekannt ist.

Der blutige Streit in einem Lokal in Lappersdorf beschäftigt die Justiz auch mehr als sieben Monate später noch immer: Das neue Jahr war erst wenige Tage alt, als ein Großaufgebot der Polizei in Kareth anrückte. Zu dem, was am Nachmittag des 4. Januar wirklich geschah, gehen die Aussagen allerdings weit auseinander. Stach ein 53-Jähriger zu oder brachte sich dessen Angestellter die Wunden am Arm damals selbst bei? Es soll wohl um vermeintlich schlechte Qualität von Pizzen gegangen sein.

Gut drei Monate ermittelte die zuständige Polizeiinspektion Regenstauf nach dem aufsehenerregenden Einsatz an jenem Donnerstagnachmittag. Gegen 14 Uhr hatte damals eine Vielzahl von Streifenwagen in der Karether Bergstraße Stellung bezogen. Von einem wohl aus dem Ruder gelaufen Streit zeugten auch Blutspuren vor dem Eingang zum Lokal. Alarmiert worden waren die Polizeibeamten einst zu einer Messerattacke, weshalb eine Vielzahl von Kräften anrückte. Tatort soll die Küche gewesen sein, wo sich ein 31-Jähriger Schnittverletzungen zuzog. Er war danach geflüchtet, kam aber wieder zurück und musste dann in eine Klinik.

Ursache: Messer oder die Kante der Küchenmöbel?

Womöglich war der Wirt des Lokals mit der Qualität der Pizzen unzufrieden – er soll seinen Angestellten zur Rede gestellt haben. Bei dieser Auseinandersetzung soll ein 53-Jähriger dem Jüngeren ein Messer in den Arm gerammt haben. Das wiederum soll der Beschuldigte äußerst vehement bestreiten: Demnach soll sich der frühere Angestellte vielmehr selbst verletzt haben. Und sich womöglich an den scharfen Kanten des Edelstahl-Mobiliars in der Küche geschnitten haben. Diese Version soll von einem weiteren, ebenfalls anwesenden Mitarbeiter auch gestützt sein – der will kein Messer gesehen haben, so die ersten Ermittlungen.

Offiziell verweist die Polizei an die Regensburger Staatsanwaltschaft und diese wiederum auf das laufende Verfahren. „Die abschließende Beweiswürdigung und der Abschluss des Ermittlungsverfahrens in dem Fall stehen noch aus“, teilte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage mit. Er rechne aber schon in den kommenden Wochen damit. Ob ein eigens erstelltes Gutachten der Rechtsmedizin eine der beiden Tatvarianten stütze oder entkräfte, ließ der Sprecher der Anklagebehörde jedoch offen.

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Die Verletzungen des 31-Jährigen wurden in einer Klinik dokumentiert, war zu erfahren. Es soll sich um zwei etwas tiefere Schnittverletzungen am Unterarm handeln. Damit könnten durchaus Rückschlüsse möglich sein, ob ein Messer oder doch die Kante des vorhandenen Küchenmobiliars ursächlich gewesen sein können. Anhand von Wundrändern und auch -formen hatten Rechtsmediziner in Prozessen zuletzt immer wieder klare Zu- wie auch Einordnungen geben können. Ob dem in diesem Fall auch so ist, wird sich zeigen.

Anklage oder Einstellung? Staatsanwaltschaft entscheidet

Wie MZ-Recherchen ergeben, liegt besagtes Gutachten aktuell zur Stellungnahme beim Verteidiger des 53-Jährigen. Sollte danach Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen werden, dürften aus Sicht der Regensburger Staatsanwaltschaft entweder genügend Beweise für die Schuld oder ausreichend große Zweifel an der Version des Wirtes existieren. In diesem Fall dürfte eine gefährliche Körperverletzung als Vorwurf infrage kommen. Doch das steht wohl frühestens in einigen Wochen fest.