Wohnung voller Diebesgut: Mann (31) in Regensburg schwört vor Gericht den Drogen ab

Ein Rückfall, weil seine Bewährung kassiert wurde? Ein Regensburger ergaunert Zehntausende Euro mit Betrug und Diebstahl. Im Prozess gesteht der 31-Jährige und will von den Drogen loskommen.
Mit Betrügereien, Unterschlagung und Raddiebstählen ergaunert ein 31-Jähriger in gut achteinhalb Monaten fast 27500 Euro. Weil ihm das Landgericht im August 2022 die dritte Bewährung verwehrte, griff er erneut zu Drogen und will „wirklich keine Perspektive mehr gesehen“ haben, erklärte der Angeklagte. Dass die Sucht seit dem 18. Lebensjahr sein Handeln bestimmte, spiegelten die zwölf Vorstrafen wider. Nun folgte Nummer 13, zugleich eine vage Chance – nach erst mal ein paar Jahren Haft.
Körperverletzungen, Beleidigungen, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Raub, Nötigung. Erpressung – das ist nur ein Auszug „einer ganzen Latte von Taten“ des 31-Jährigen, die Richterin Andrea Costa dem Bundeszentralregister entnahm. „Ein ständiges rein und raus“, wie Strafverteidiger Alexander Greithaner es nannte. Er hatte gleich zu Beginn der Schöffensitzung des Amtsgerichts ein Rechtsgespräch angeregt. An dessen Ende stand dann eine sogenannte Verständigung: Nicht mehr als zwei Jahre und zehn Monate sollte es für ein Geständnis geben.
Post bemerkte Betrugsfälle
Die sechsseitige Anklage gegen den Regensburger umfasste 21 Taten in drei Tatkomplexen. Zunächst war da Computerbetrug: Im Internet bestellte der 31-Jährige im Sommer 2022 für mehr als 9500 Euro Handys, AirPods und Zubehör, um sie einzutauschen gegen Drogen. Dafür benutzte er das Handy der Postfiliale, mit dem Arbeitszeiten erfasst werden sollten. Das Ganze flog auf – und der Mann raus. Also bot der Angeklagte im Herbst 2022 E-Bike-Zubehör auf einer bekannten Plattform an, kassierte Geld, lieferte aber nie. Das kam ans Licht, weil die Polizei nach den früheren Taten das Handy auswertete. Auch ein sündteures Jobrad seines Ex-Arbeitgebers gab er nicht zurück. Zu guter Letzt folgten dann im April 2023 mehrere Diebstähle – vorwiegend E-Bikes im Wert von über 12000 Euro.
Als seine Lebensgefährtin im April 2023 die Polizei rief, weil er in der Wohnung randaliert haben soll, staunten die Beamten nicht schlecht: Das ganze Wohnzimmer und der Balkon lagen voll mit unzähligen Fahrradteilen, mehrere Räder nahezu komplett, „wie eine Werkstatt“, sagte eine Zivilfahnderin im Zeugenstand. Am Tag nach der Durchsuchung kontrollierten deren Kollegen ihn erneut mit einem gestohlenen E-Bike, das er laut der Beamtin sogar aufwendig getuned hatte.
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Das alles ließ der Mann von seinem Anwalt nach dem Deal auch einräumen. Auslöser sei ein Berufungsprozess gewesen, nach dem die zuvor vom Amtsgericht gewährte Bewährung keinen Bestand mehr hatte. „Da war ihm bewusst, dass das ganze Kartenhaus zusammenfallen würde und er wieder in Haft kommt“, erklärte Greithaner. „Ich hab wirklich keine Perspektive mehr gesehen“, ergänzte der Angeklagte, was die Richterin so nicht stehenlassen wollte: Schließlich werde Bewährung nicht ohne Grund widerrufen – „da hätten sie sich schon vorher auch mal Gedanken zu machen müssen“.
Drogenkonsum mit Folgen
Mit zwei Jahren und sieben Monaten blieb das Schöffengericht in der Mitte der Anträge von Staatsanwältin und Verteidiger. Ohne Geständnis wäre „keine zwei davor gewesen“, betonte Costa. Denn es hätte andere Lösungen gegeben, als Straftaten am laufenden Band zu begehen. Die Beeinträchtigungen, die dem jahrelangen Crystal-Meth-Konsum klar zuzuschreiben sein dürften, waren bei dem 31-Jährigen nicht zu übersehen. Das räumte der selbst ganz offen ein: „Scheiß Drogen!“ Sein Ziel: eine baldige Therapie, um das Problem rasch in den Griff zu kriegen.