Chateaubriand-Aufführung: Der Text sitzt auch ein Jahr danach

Wie ist das eigentlich, wenn man nach einem Jahr wieder das gleiche Stück spielt wie vor einem Jahr? Das haben wir die vier Hauptdarsteller von „Monsieur Chateaubriands letzter Reise“ gefragt. Wir Laien erinnern uns sicher mit Schrecken an das Auswendiglernen von Gedichten in der Schulzeit, in einer Festspielstadt wie Waldmünchen könnte die Frage dagegen manchen ein Lächeln auf die Lippen zaubern, denn alle vier Schauspieler antworteten ähnlich. Den Text habe man „relativ schnell“ wieder parat, sagt Uwe Kosubek. Er spielt den Napoleon. Und er sagt, dass die Erinnerung an den Text viel mit den Bewegungen auf der Bühne zu tun hat. „Der Körper erinnert sich“, umschreibt er.
Sein Gegenüber in der Rolle des Chateaubriand ist Uli Scherr. Er beschreibt das ähnlich. Mit der Aktion komme auch der Text, sagt Scherr. Das gelinge selbst viele Jahre später noch.
Die Atala spielt Katharina von Harsdorf. Sie erzählt, dass sie erst vor einiger Zeit noch einmal mit Yvonne Brosch den Text durchgegangen sei. „Und da saß noch ziemlich viel.“ Sie beschreibt, ähnlich wie Brosch, dass der Text erst dann aus dem Gedächtnis verschwinde, wenn man sicher sei, dass das Stück nicht mehr aufgeführt werde. Brosch erklärt das auch mit einem Bild: Erst wenn die Aufführung nicht mehr am Schwarzen Brett eines Theaters hänge, werde sie langsam vergessen, um Platz für Neues zu schaffen.
Die Leute wieder begeistern
Die Regisseurin und Darstellerin der Parisienne, Yvonne Brosch, die vielen auch vom Trenck bekannt ist, sieht in der Erinnerung an den Text das geringste Problem, viel schwieriger sei, „die Leute wieder zu begeistern“. Es sei den Waldmünchner Laien bei der Premiere gut gelungen, sich in die Rolle der französischen Russlandrückkehrer zu versetzen und ihre Erschöpfung und ihren Überlebenswillen, den Willen heimzukommen, zu zeigen. „Ich war stolz auf sie, weil sie es kapiert haben“, sagt Brosch. Dieses Wiedereinfühlen sei wichtig. Genauso wie die Einheit aus vier Schauspielern und zwölf Laien, die sich wieder bilden müsse.
Ansonsten freut sich Brosch auf „Chateaubriands Reise“. In der Vorbereitung auf das Stück habe sie sich in Chateaubriand eingelesen, dabei auch die 20 Seiten kennengelernt, die er über Waldmünchen geschrieben habe. „Er ist eine spannende Persönlichkeit!“ Und dann habe sie gesehen, was Bernhard Setzwein aus dem Stoff gemacht habe, wie er die Szenerie an den Fluss Lethe, also an eine Zwischenwelt in der Unterwelt verlegt habe. Für eine Regisseurin „fängt da an, die Fantasie zu laufen!“
Im Chateaubriand sieht sie für die Festspielstadt Waldmünchen „die Chance, sich breit aufzustellen“. Die für Chateaubriand erstellte Bühne biete Chancen, eine Art „Mini-Wunsiedel“ zu werden.
Uli Scherr, der Chateaubriand spielt, freut sich, „dass es eine Neuauflage gibt“. Bernhard Setzwein sei ein „großer Meister“ darin, solche historischen Stoffe mit Lokalbezug zu finden und sie „bühnentauglich umzusetzen“. Es gebe ja viele Historienspiele, aber anders als bei Setzwein, sei nicht alles gut.
Scherr kennt den Waldmünchner Autor auch durch andere Aufführungen. So hat er zum Beispiel in „Resl, unser!“ über die Resl von Konnersreuth die Figur des Regisseurs Max Reinhard gespielt. Auch in einem Setzweinstück über Lola Montez war er beteiligt.
Zu Waldmünchen hat Scherr ein besonderes Verhältnis, da er familiäre Wurzeln in Fahnersdorf hat. Deswegen habe ihn auch die Rolle gefreut, weil Mitglieder der Familie – Cousins, Onkel und Tanten – im Publikum saßen.
Das zweite Mal eine Rolle zu spielen, sei immer interessant. Aber wie sich die Motivationen und Haltungen zur Figur verändert haben, das werde erst bei den Proben erleben.
Und was haben die weiteren Hauptdarsteller in dem Jahr seit der Premiere gemacht? Uwe Kosubek erzählt, dass er in Weilheim in dem Drama „Ist das nicht mein Leben?“ mitgespielt hat, das das Thema Sterbehilfe behandelt. Selbst inszenieren konnte er im Blutenburgtheater in München ein Stück mit dem Titel „Warte, bis es dunkel ist“. Es gibt einen gleichnamigen Film, der 1967 mit Audry Hepburn verfilmt wurde. Selbstverständlich habe er kein Remake gemacht, berichtet Kosubek. Für ihn stünden die Schauspieler im Vordergrund. Jedes Ensemble habe seinen eigenen Charakter und seine Art , eine eigene Geschichte zu erzählen.
Dreh für Watzmann-Episode
Aktuell laufe der Dreh für eine Folge „Watzmann ermittelt“, in der sie eine Episodenrolle habe, erzählt Katharina von Harsdorf. Neben weiteren Filmprojekten spielte von Harsdorf auch an den Kammerspielen Wiesbaden Theaterrollen. Waldmünchen habe sie übrigens schon vor der Chateaubriand-Aufführung kennengelernt, erzählt sie. Da sie mit Yvonne Brosch freundschaftlich verbunden sei, habe sie sich auch schon einmal den Trenck angeschaut. Aber das sei schon lange her.


