Bürger in Cham sauer auf Falschparker mit Handwerker-Ausweis und Penis im Mercedes-Stern

Es hat einige Zeit gedauert, aber dann waren Nachbarn und Anlieger auf den Barrikaden. Der Grund: Zwei Limousinen, die in der Chamer Fuhrmannstraße und rund um den Spitalplatz mit Handwerkerausweisen falsch und kostenlos geparkt waren und deren Besitzer Strafzettel hartnäckig ignorierten. Das hat nun fatale Folgen.
Genau daran wollten die Fahrer der beiden extragroßen SUVs nämlich zunächst nicht glauben. „Zeigen Sie mich doch an, hat der zu uns gesagt. Krieg ich halt einen Strafzettel. Geld spielt keine Rolle“, ärgert sich ein Geschäftsmann. Er hatte den Fahrer angesprochen, der im benachbarten Haus wohnt, weil er bei der Anlieferung seines Geschäfts durch den Wagen behindert wurde, der auf dem Gehweg geparkt war.
Die Strafzettel-Häufung
Das Spiel zog sich eine Weile hin. Erst, so berichten Anlieger, seien die Autos wegen der Handwerkerausweise nicht aufgeschrieben worden. Das bestätigt Chams Vize-Polizeichef Marco Müller: „Wir gehen erst einmal vom Guten aus. Also davon, dass der Handwerkerausweis zurecht hinter der Windschutzscheibe liegt. Doch Polizei und Stadt hatten ein Auge auf die beiden Limousinen und es begann Strafzettel zu hageln.
Die Reaktion auf die Strafzettel: eine Anhäufung von Parkzetteln, die alle zwei Stunden gezogen wurden. Nachgeworfen – auch verboten. Inzwischen wurden die Reaktionen aus der Nachbarschaft drastischer: Ein Geschäftsbesitzer, dessen Tiefgaragenausfahrt so blockiert wurde, dass ein Mitarbeiter nicht mehr ausfahren konnte, nahm sich einen Anwalt und schickte eine Unterlassungserklärung.
Das dicke Ende
Doch die Autos parkten weiter. „Die können machen, was sie wollen“, vermutete ein Anwohner. Dann kam das dicke Ende: Eine Anfrage beim Landratsamt erbrachte, dass die Schilderungen der Einwohner mit den Beobachtungen der Polizei und der Stadt im Einklang standen. Als das Landratsamt die Berechtigung für die Handwerkerausweise in einer Anhörung prüfen wollte, wurden sie freiwillig zurückgegeben. Doch das Falschparken stand weiter im Raum, und kann nun drastische Folgen haben.
Wie die Pressestelle des Landratsamtes auf Anfrage mitteilt, prüft die Führerscheinstelle derzeit, ob die Zuverlässigkeit und Eignung zum Führen eines Fahrzeuges gegeben ist. Denn Falschparken werde konsequent als Ordnungswidrigkeit geahndet.
Charakterliche Mängel?
Die Probleme für die Fahrer der SUVs resultieren auch aus Erkenntnissen der Polizei und deren Folgen. Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, schildert Vize-Polizeichef Marco Müller das Vorgehen der Beamten so: „Als Polizei überprüfen wir im Rahmen unserer Streifentätigkeiten selbstverständlich, ob diese Ausweise berechtigt benutzt werden. Sofern wir hier eine aus unserer Sicht unberechtigte Nutzung feststellen, melden wir dies dem Landratsamt. Auch verständigen wir das Landratsamt regelmäßig davon, wenn wir Sachverhalte feststellen, bei denen die betroffenen Personen aus unserer Sicht charakterliche oder körperliche Mängel aufweisen, die für die Fahreignung relevant sein können.“
Durch die Verärgerung über die Falschparker mit Handwerkerausweis sind auch andere Nutzer dieser Ausweise in den Fokus der Behörden geraten. „Da stehen die Autos auch den ganzen Tag oder über Nacht auf den öffentlichen Parkplätzen“, berichtet ein Anwohner.
Das Landratsamt verweist darauf, dass es sich beim fälschlichen Einlegen des Ausweises zum Dauerparken um Missbrauch von Dokumenten handelt, was den Entzug der Parkerlaubnis zur Folge habe. Der Ausweis berechtige nur zum Parken zur Erfüllung der Aufgaben als Handwerker am Einsatzort, auch regelabweichend, wenn in zumutbarer Entfernung keine Parkmöglichkeit bestehe, Die Genehmigung sei auf die Dauer der Arbeiten beschränkt. Der Einsatz des Autos müsse zum Transport von Material und Werkzeug unbedingt erforderlich sein.
Verstärkt unter Beobachtung
Ordnungsamtsleiter Michael Bücher versichert, die Stadt werde verstärkt den Fokus auf solche Fahrzeuge legen und unberechtigtes Dauerparken mit Handwerkerausweis dem Landratsamt melden. Im Unterschied zu den beiden sanktionierten SUVs seien beide Autobesitzer mit ihren Betriebsstätten vor Ort gemeldet. Beschwerden beim Ordnungsamt habe es schon länger keine mehr gegeben


