Wirbel um Alarmierung: Warum wurde die FFW Kneiting nicht zum Nittendorfer Großbrand gerufen?

Vom Kneitinger Feuerwehrhaus in die Nittendorfer Rathausstraße sind es exakt 8,1 Kilometer oder zehn Minuten Fahrt. Dennoch wurde die Wehr nicht gerufen, als der Nittendorfer Großbrand den westlichen Landkreis in Atem hielt – sehr zum Ärger von Kommandant Bernhard Weigl.
„Wir sind dazu da, den Nächsten zu helfen“, sagt der Feuerwehrler der MZ. Auch bei dem Brand in Nittendorf, bei dem am Donnerstag ein Mensch starb, wären er und seine Leute gerne zur Stelle gewesen – gerade weil der Brandort nur ein paar Dörfer weiter liegt. Dass seine Wehr nicht gerufen wurde? „Für mich unverständlich.“ Er habe 15 Atemschutzträger in seinen Reihen, vier bis sechs seien an diesem Vormittag bereitgestanden. Gerade Atemschutzträger seien in Nittendorf nötig gewesen. Bei solchen Ereignissen laufe WhatsApp heiß, sagt Weigl. „Wir haben darauf gewartet, dass wir alarmiert werden.“ Doch es kam nichts. Weigl fragt sich, warum er den ganzen Aufwand betreibe, wenn er am Ende eh nicht gerufen werde. „Das kann mir doch keiner erklären.“
Kreisbrandrat nach Großbrand in Nittendorf: „Können nicht alle Feuerwehren alarmieren“
Der Kneitinger Kommandant rief auch Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer an. Der habe ihm erklärt, dass es dabei um den Gebietsschutz geht. Auch im MZ-Gespräch argumentiert Scheuerer so. „Wir können nicht alle Feuerwehren aus einem Eck alarmieren.“
Der Grund: Wenn sich dort ein anderes Unglück ereignet, müssen auch Einsatzkräfte in der Nähe verfügbar sein. Da die Feuerwehren aus Pettendorf und Etterzhausen bereits alarmiert worden waren, habe Kneiting daheim bleiben müssen. Gemeinsam mit der Feuerwehr Winzer sei es die Aufgabe der Ehrenamtlichen gewesen, auszurücken, sollte auf der B8 etwas passieren. Ähnlich sei es den Feuerwehren Pentling und Sinzing ergangen, sagt Scheuerer. Diese wurden nicht alarmiert, falls auf der Autobahn etwas passiert. Es spielen aber auch Flächenbrände eine Rolle. „In letzter Zeit haben einige Mähdrescher gebrannt. Da müssen sofort Kräfte verfügbar sein.“
Entscheidung über Alarmierung fällt im Kollektiv
Außerdem könne man nie ausschließen, dass sich in der Nähe ein zweiter Wohnhausbrand ereignet. „Dann brauchen wir unbedingt Atemschutzträger.“ Er treffe die Entscheidungen jedenfalls nicht alleine, berate sich mit Brandinspektoren und Brandmeistern – und das unter einem gewissen Zeitdruck.
Er habe für die Frustration in Kneiting durchaus Verständnis. „Klar, wenn man bei der Feuerwehr ist, möchte man ab und zu einen Einsatz fahren.“ Aber man müsse halt vor Ort schnell entscheiden. Eines möchte Scheuerer ganz klar betonen: „Es geht aber mit Sicherheit nicht darum, ob eine Wehr schlechter oder besser ist als eine andere.“