Nach Widerständen: Zweiter Anlauf für einen Neubau in Marktstraße von Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 7. August 2024 um 05:00

Es ist schon drei Jahre lang her, dass sich der Stadtrat öffentlich mit einem Neubau-Projekt an der Ecke Schirn- und Marktstraße befasst hat. Nach öffentlichen Protesten und auch an der Regierung der Oberpfalz geäußerten Bedenken am durch Bauherr Karl-Heinz Dattler vorgesehenen fünfstöckigen Neubau an dieser Stelle war es ruhig um das Vorhaben geworden. Am Dienstag lag dem Stadtrat eine völlig neue Planung vor.

Im Gegensatz zur Präsentation der Pläne im Dezember 2020, will der Bauherr seine neue Planung jetzt nicht mehr veröffentlicht sehen – doch es sind die reinen Zahlen, die zeigen, dass sich einiges geändert hat. So ist das neue Gebäude mit seinen rund 20 Wohneinheiten deutlich niedriger: Bei der Firsthöhe beträgt der Unterschied laut vorgelegter Planung zum Vorbescheid rund vier Meter (14,5 statt 18,5 Meter), gemessen an der Traufhöhe beträgt der Unterschied sogar etwa sechs Meter (9,5 Meter statt 15,5 Meter). Die Traufhöhe wurde somit an die des Modehauses Frey angeglichen, das an der Schirnstraße auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht.

Vorab mit Stadt beraten

Auch wird das neue Gebäude nicht mehr mit vier Vollgeschossen plus Penthouse dargestellt, sondern mit drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss. Das bedeutet auch, dass die neue Vorbescheids-Planung kein Flachdach mehr, sondern ein Satteldach vorsieht. Auch was die Zufahrt zur Tiefgarage anbetrifft, wurde der Plan geändert: Sowohl Zufahrt als auch die Ausfahrt befinden sich in der Schirnstraße, wobei für die Einfahrt der bereits bestehende Platz für die Tiefgarage des ebenfalls von Dattler an der Marktstraße gelegenen Wohngebäudes mitgenutzt werden soll.

Bürgermeister Markus Hofmann betont im Gespräch noch vor der Sitzung des Stadtrates mit unserem Medienhaus, dass sich der Bauherr vorab mit Vertretern der Stadt zur Bauberatung getroffen habe. Ein wichtiger Schritt, denn wenn das Vorhaben doch noch realisiert werden soll, dann nur in Übereinstimmung mit der Gestaltungssatzung, die die Stadträte ebenfalls am Dienstag noch vor der Behandlung der Bauvoranfrage von Karl-Heinz Dattler verabschiedet hatten.

Zur neuen Planung gehört darum etwa auch, dass die bisherige Parzellierung der beiden bestehenden Gebäude zumindest optisch beim Neubau aufgegriffen werden soll. Das Gebäude wird nach außen hin wie zwei unterschiedliche Baukörper erscheinen. Die neue Planung sieht gut 20 Wohneinheiten mit einer Größe von 60 bis 80 Quadratmetern mit zwei bis drei Zimmern vor, wobei die beiden Dachwohnungen mit jeweils gut 100 Quadratmetern Größe etwas großzügiger ausfallen. Nicht mehr vorgesehen ist nun das Lokal im Erdgeschoss, nur noch eine einzige kleinere Gewerbeeinheit findet sich im Plan.

Diskussionswürdig war natürlich nicht nur dieses Vorhaben, sondern auch die Verabschiedung der Gestaltungssatzung. Wolfgang Kerscher hielt die Satzung für „einen guten Kompromiss“ mit Blick auf Investitionen und die Tatsache, dass es kein geschlossenes Stadtbild mehr gebe. Dennoch sei es gerade in einem Ort, der vom Tourismus geprägt sei, wichtig, viel historische Bausubstanz zu erhalten.

Stadtrat Stefan Brandl fehlte eine Stellungnahme des Landratsamtes, das aufgrund dieser Satzung „ja später Baugenehmigungen erteilen muss“. Stadtbauamtsleiter Christian Kopf erklärte, dass es keine größere Stellungnahme aus Cham brauche, da die Entscheidung in diesen Fällen, vor allem bei Streitfällen, bei der Stadt liege. Brandl merkte noch an, dass die Vorgaben in der Fibel „sage und schreibe 58 Punkte umfassen“, das sei zu viel. „Ich glaube, dass wir in der Innenstadt nicht ein Gebäude haben, das alle 58 Punkte erfülle.

Bürgermeister Hofmann und auch seinem Vize Wolfgang Pilz war es ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass nicht alle Punkte erfüllt sein müssten, es aber dann Regeln gebe. Für Robert Riedl war ohnehin die kostenlose Bauberatung der wichtigste Punkte der Satzung. Mit fünf Gegenstimmen aus der Fraktionsgemeinschaft der CSU/UWG und Wettzeller Liste wurde die Satzung angenommen. „Mir ist das viel zu bürokratisch“, sagte Stefan Brandl zur Begründung seiner Ablehnung.

Landratsamt genehmigt

„Ich habe damals für dem Entwurf gestimmt, weil es vom Landratsamt hieß, dass rechtlich nichts dagegen einzuwänden ist“, sagte Sylvia Ebner-Fuchs, als es um den Antrag von Karl-Heinz Dattler ging. „Es lag nicht daran, dass wir damals keine Gestaltungssatzung hatten, sondern dass das Landratsamt zurückgezogen hat und das Gebäude doch zu hoch war“, das wolle sie einmal klargestellt wissen. Nicht an der Bürokratie einer damals ohnehin nicht existenten Gestaltungssatzung sei das Projekt damals gescheitert, und der Stadtrat könne nur sein Einvernehmen erteilen – Genehmigungen gebe es nur aus dem Landratsamt.

Wolfgang Pilz sah auch die neue Planung als zu hoch; Das Modehaus Frey könne nicht als Maßstab dienen, da dieses Gebäude gewerblich genutzt werde, nicht als Wohngebäude. „Ich gebe mein Einvernehmen nicht“, sagte er. Auch Carola Höcherl-Neubauer teilte diese Meinung: „Der erste Antrag mit der Gestaltungssatzung wäre gleich eine Ausnahme, da bitte ich, den Vorbescheid noch so zu überarbeiten, dass er auch wirklich der Satzung entspricht.“ Sie störte sich vor allem daran, dass an der Schirnstraße, die laut Wild und Wilnhammer eine „untergeordnete Rolle“ im Stadtbild spiele, immer noch ein Penthouse mit Flachdach geplant sei. Auch der Bau von einzelnen Balkonen wurde bemängelt. Robert Riedl frage: „Hier sollen Wohnungen gebaut werden, der Freistaat will das, und wir machen das rückgängig, wenn wir das jetzt ablehnen?“. Ebner-Fuchs störte sich daran, dass „gleich eine Einzelfallentscheidung“ mit dem Flachdach-Penthouse gefällt werden sollte. „Auch Einzelfallentscheidungen dürften nicht willkürlich sein“, sagte sie. „Wie soll ich anderen Bauherren in der Schirnstraße erklären, dass er das nicht darf?“, fragte sie.

Albert Fechter bekräftigte, weshalb auch er gegen die Gestaltungssazung gestimmt hatte: „Wenn ich die Diskussion jetzt sehe, dann verhindern wir da schon etwas.“ Ludwig Kern fügte an, dass von 58 Punkten „gleich vier wieder ausgehebelt werden sollen.“ Darum wären ihm acht Punkte in der Satzung insgesamt lieber gewesen. Mit drei Gegenstimmen wurde dem Vorbescheid letztlich aber das Einvernehmen erteilt.

Die ersten Pläne von 2021

20. April 2021: Der Bad Kötztinger Stadtrat befürwortet bei vier Gegenstimmen den Vorbescheids-Antrag von Karl-Heinz Dattler für das Projekt in der Marktstraße Ecke Schirnstraße. Vorgesehen ist ein vierstöckiger Bau, der von einem Penthouse gekrönt werden soll. Um Untergeschoss ist eine großzügige Gastronomie vorgesehen. Als Problematisch sahen die Stadträte schon beim damaligen Entschluss die Einfahrt in die Tiefgarage, die von der Marktstraße aus vorgesehen war.

4. Mai 2021: Rund zwei Wochen nach der Stadtratssitzung veröffentlichen 150 Unterstützer einen offenen Brief, in dem sie sich gegen die vorgelegten Pläne aussprechen.

24. Juni 2021: Es ist das letzte Mal, dass über das Projekt öffentlich gesprochen wird, nachdem Bürgermeister und Bauherr diese bei der Regierung der Oberpfalz vorgelegt haben. Die zuständige Abteilung für Städtebau erklärt, dass vor allem das Penthouse „schwierig in einem historischen Ortskern“ gesehen werde. Danach gab es keine öffentlichen Informationen mehr zu dem Vorhaben bis zur Präsentation der veränderten Planung am Dienstag.

So sahen die Pläne im Jahr 2021 mit vier Vollgeschossen plus Penthouse aus – Die aktuellen Pläne, die der Bauherr nicht veröffentlichen will, haben nur noch drei Vollgeschosse plus ein Dachgeschoss und sind, gemessen an der Traufhöhe, um sechs Meter niedriger. Foto: Schnabel und Partner