Rolle der Frau im Mittelalter: Ritterin wehrt sich mit Witz gegen die Bevormundung ihres Onkels Peter von Chamerau

Applaus ist das Brot des Künstlers, heißt ein geflügeltes Wort. So gesehen musste die zweite Gruppe Darsteller des Further Drachenstichs, die ihren ersten Auftritt am Samstag hatte, pappsatt geworden sein. Stellt sich nur die Frage, wie zufrieden Regisseur Alexander Etzel-Ragusa nach den ersten Auftritten seiner Schützlinge ist.
Im Jahreswechsel bestreiten die Gruppen „Grün“ und „Blau“ die Premiere des Further Drachenstichs. Da ist es selbstverständlich keine Qualitätsfrage, dass Gruppe „Blau“ um Ullrich Jakob als Chamerauer in diesem Jahr ihren ersten Auftritt am Samstag gehabt hat. Im Gegenteil brachte das den willkommenen Zufall, dass Jakob an diesem Tag seinen 42. Geburtstag feierte und vom Publikum mit frenetischem Jubel empfangen wurde (wir berichteten).
Publikum geht voll mit
Bestens aufgelegt brillierten neben dem Ritterpaar Eva Baier und Ludwig Fleischmann auch Helmut Maier (Pater Willibald), Klaus Gevatter (Sattelbogener), Ernst Beitlich (Kardinal), Markus Späth (Sekretarius), Alois Bohmann (Jan), Gerhard Lehmnger (Michael), Stefan Christl (Raphael), Marion Meckl und Claudia Nürnberger (Drachen-Prophetinnen) Sabine Scheuer (Zeuglerin, Franz Fuchsbüchler (Koloman) und alle anderen in jeder einzelnen Rolle.
Auch der Kopf der Truppe, Etzel-Ragusa, ist mit der darstellerischen Leistung sehr zufrieden. „Ich habe auch den Eindruck, dass die aktuellen Änderungen vom Publikum gut angenommen werden“, so der Regisseur.
Das merke man auch daran, dass die Lacher an der richtigen Stelle kommen. Zum Beispiel, als der Onkel der Ritterin ihr für das anstehende Festmahl auferlegt „nur“ schön zu sein aber den Mund zu halten, antwortet sie ihm schnippisch, weil er sie zuvor so genannt hat: „Schneckerl schaut, was es tun kann, Schneckerl kann aber nichts versprechen.“
Frauen nahmen das Zepter in die Hand
An dieser und anderen Szenen sei auch abzulesen, dass die Ritterin eine Entwicklung durchmacht. In früheren Stücken, so der Regisseur, musste die Rolle schweigen, sobald die Herren auftraten. „Doch so macht es die Figur rund“, sagt Etzel Ragusa. Historisch belegt, nahmen Frauen im wahrsten Sinne des Wortes das Zepter in die Hand, wenn Männer im Krieg waren oder krankheitsbedingt ausfielen. „Sie durften dann ran, wenn kein Mann verfügbar war.“ Eine letztlich bedeutungsschwere Szene ist auch, als Peter von Chamerau ein Bad zu nehmen wünscht, bevor er in den Krieg zieht.
Der Adel wandelt sich
Damit nimmt er die damalige Entwicklung des Adels vorweg. Die haben sich in der vom Beschützer der Bevölkerung, wie der Sattelbogener einer ist, hin zum Feudaladel gewandelt, der sich selbst feiert.
Doch egal, ob man tiefer in die geschichtlichen Hintergründe des Stücks eintaucht oder einfach nur einen Abend genießt, der von Darstellern mit viel Können und Herzblut gestaltet wird – jeder Einzelne kommt voll und ganz auf seine Kosten.


