Kreisstadt investiert in den nächsten Jahren eine Million Euro

Von Tanja Fenzl · 6. August 2024 um 19:00

Ein über 50-jähriges Relikt aus früheren Zeiten will die Stadt Cham in einem kleinen Ortsteil beseitigen. Der Oberflächenwasserkanal, der bisher von der Dorfgemeinschaft privat unterhalten wird, soll erneuert und von der Stadt übernommen werden. Weil man ohnehin schon dabei ist, soll auch gleich die Ortsstraße saniert werden. Und auch die Bürger hatten Wünsche.

Rund eine Million Euro will die Stadt dafür in den kommenden Jahren in die Hand nehmen, kündigte Bürgermeister Martin Stoiber bei einer Teilbürgerversammlung am Montagabend am Spielplatz von Ried am Pfahl an. Vorab wollte der Rathauschef allerdings mit den Bürgern abklären, ob die das auch wollen. „Die tickende Zeitbombe würde damit quasi auf die Stadt übergehen“, machte Stoiber den Riedern das Angebot schmackhaft. Denn bei der derzeitigen Betriebsform sei kaum abgeklärt, wer im Falle eines Schadens zu welchem Anteil für die Reparatur bezahlen muss. „Betrieb und Unterhalt würde dann künftig die Stadt übernehmen.“

Kanal ist nicht umsonst

Ganz umsonst bekämen die rund 75 Rieder den Kanal natürlich nicht. Knapp zwei Euro pro Quadratmeter Grundfläche müssten sie einmalig für den Bau berappen, dazu jährlich pro Quadratmeter Dach- beziehungsweise versiegelte Fläche 37 Cent. „Für die meisten würden für den Bau etwa 2000 bis 3000 Euro anfallen“, rechnete Ingrid Raith von der Bauverwaltung vor. Sehr viel mehr würde auch nicht auf die wenigen Großgrundbesitzer zukommen – die Zuzahlung ist auf 2000 Quadratmeter gedeckelt. Die Berechnung gestalte sich etwas anders als beim Bau des Schmutzwasserkanals 2009, als die Geschossflächen für die Kostenberechnung ausschlaggebend war.

300 000 Euro für den Kanal

Knapp 300000 Euro würde die Stadt laut Bürgermeister Stoiber für den Kanalbau aufwenden, dazu noch einmal rund 50000 Euro Planungskosten. Für die ziemlich genau 500 Meter Ortsstraße bis zur Pumpstation schätzt Stoiber rund 500000 Euro Baukosten. „Dann wird auch noch die Straßenbeleuchtung erneuert, das ist dann alles perfekt, ähnlich wie in der Untertraubenbacher Straße“, betonte Walter Dendorfer, zweiter Bürgermeister. Der Stadtrat aus dem Nachbardorf mit quasi Heimrecht in Ried am Pfahl wusste auch, wieso die Straße bis dato noch nicht in einen besseren Zustand versetzt wurde – obwohl das beim Kanalbau vor 15 Jahren innerhalb eines Zeitrahmens von zwei Jahren versprochen worden war. „Es war immer etwas anderes.“ Erst sei 2009 nach dem Kanalbau „eigentlich alles sauber hergerichtet“, gewesen, später war absehbar, dass die Erschließungsbeiträge für die Erneuerung älterer Straßen für die Bürger wegfallen. „Eigentlich ist es ein Segen, dass die Straße nicht schon früher in Angriff genommen worden ist, denn jetzt zahlen die Bürger dafür keinen Pfennig“, erklärte Stoiber.

Zeitplan bis 2027

Die anwesenden Rieder ließen durchblicken, dass sie mit den Plänen durchaus einverstanden wären: Der Zeitplan sähe dementsprechend vor, dass nach einem Jahr Planungsphase und einem Jahr Ausführungsphase Ried am Pfahl bis etwa 2026/2027 ein modernes Gesicht bekäme, stellte Josef Ried vom Stadtbauamt in Aussicht. „Da wäre dann alles aus einem Guss“, freute sich auch Dendorfer.

Im weiteren Prozedere sollen die Rieder jetzt angeschrieben und um eine endgültige Entscheidung gebeten werden.

Während im Hintergrund die vielen Kinder auf dem Spielplatz Fußball bolzten und auf dem Klettergerüst herumhampelten, betonte Stoiber, dass Cham in den nächsten fünf Jahren Großprojekte für 50 bis 60 Millionen Euro zu finanzieren habe. Derzeit kein Problem angesichts der Rücklagen, beruhigte der Stadtchef.

Glasfaser bis 2027

Eines dieser weiteren Projekte betreffe ebenfalls Ried am Pfahl – im derzeit bereits laufenden Glasfaserausbau sei der kleine Ort bei den grauen Flächen mit dabei, was bedeute, dass bis spätestens 2027 die Telekom hier die Leitungen verlegen wird.

Und weil der Bürgermeister schon einmal vor Ort war, wurden natürlich auch einige Wünsche und Ideen an ihn herangetragen. So musste die Straßenlampe beim Ausbau der B85 dem Lärmschutzwall weichen und sei seither nicht mehr ersetzt worden. „Die Kinder sieht man im Herbst und Winter kaum, und die Autos fahren da ganz schön schnell vorbei“, sagte eine Anliegerin. Ebenfalls auf dem Wunschzettel: Verkehrsspiegel an den beiden T-Kreuzungen nach Penting und Stadl auf den Brücken über die B85. Die Einfahrten seien sehr unübersichtlich. Außerdem sähen es die Rieder gern, wenn ein Sackgassenschild auswärtige Autofahrer darauf hinweist, dass es am hinteren Ortsrand von Ried eigentlich nur noch ins Naturschutzgebiet weitergeht. Beides soll demnächst bei einer Verkehrsschau mit dem Bauausschuss begutachtet werden, kündigte Stoiber an.

Mehr Spielgeräte für die vielen Kinder

Und auch für die Eltern und Kinder, die sich noch ein paar mehr Spielgeräte und Sitzgelegenheiten auf dem viel genutzten Spielplatz wünschen – von den 75 Bewohnern sind derzeit 14 Kinder bis 14 Jahre alt –, hatte Stoiber die gute Nachricht, dass man „da bestimmt etwas machen“ könne.

Zahlen mit im Gepäck: Josef Ried (links) und Ingrid Raith vom Stadtbauamt standen mit zweitem Bürgermeister Walter Dendorfer (2. v. li.) und Bürgermeister Martin Stoiber für Fragen parat.
Die Straße in Ried sollte eigentlich schon lange ausgebessert werden. Jetzt endlich soll die etwa 500 Meter lange Strecke saniert werden.