Chamer Volksfest: Verantwortliche wollen erst einmal lieber wenig zum Festverlauf sagen

Von Mittelbayerische Zeitung · 5. August 2024 um 19:00

Staubwolken ziehen am Montagnachmittag über den Chamer Festplatz, wo zehn Tage lang Festzelt und Schausteller auf Besucher warteten. Schon am Sonntagabend haben die Arbeiter mit dem Abbau des 74. Chamer Volksfestes begonnen, das besonders in den ersten Tagen vom Besuch her zu wünschen übrig ließ.

Und so ist der Frust der Verantwortlichen deutlich zu spüren, wenn sie über die zehn Festtage sprechen. Anders als in der Vergangenheit, wo beispielsweise kurz nach Verklingen der letzten Musiktakte am Frühlingsfest bereits erste Stellungnahmen mit Superlativen verbreitet wurden, mögen sich diesmal weder Festwirt noch Volksfestverein aus der Deckung wagen.

Noch liegen keine Zahlen vor

„Zu früh“ sei es für eine erste Bilanz, die doch nicht mehr als eine Einschätzung über den Festverlauf sein sollte, sagt etwa Festwirt Claus Männer, der zusammen mit Jürgen Schützenmeier seit dem vergangenen Jahr mit ihrer Firma Bayern-Event die Festleitung übernommen haben. Die Regensburger Firma Bayern-Event hatte sich bis dahin vor allem durch die Ausrichtung zahlreicher Feuerwehr- und Burschenvereinsfeste in Bayern einen Namen gemacht.

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Leise fügt Männer an, dass man noch keine Zahlen vorliegen habe, und dass es natürlich gerade am Anfang des Festes nicht so ausgesehen habe, als ob man die Vorjahreswerte erreichen könnte.

Die „Schiederin“ von Antenne Bayern sollte helfen

Wie berichtet, spielten die Partybands am Sonntag und Montag quasi vor nahezu leeren Bänken und Tischen, und auch die Folgetage waren bei weitem nicht so gut besucht wie erhofft. Nicht einmal der Kindertag mit besonderem Programm oder die Volksfest-Challenge von Radio Antenne Bayern am Donnerstagnachmittag konnte die Chamer Familien in den gewünschten Scharen auf den Festplatz locken.

Am Ende etwas aufgeholt

„Am Schluss haben wir wieder etwas aufgeholt“, meint der Festwirt immerhin. Besser als das Fest vergangenes Jahr falle die Bilanz jedoch „sicher nicht“ aus, räumt Männer angesichts einiger Tage mit beinahe leerem Festzelt ein.

Während Christian Plötz, Vorsitzender des Chamer Volksfestvereins, noch Anfang der Woche über die Besucherflaute klagte, kann er am Montag immerhin über den zweiten Teil des Festes Positives berichten. „Insbesondere ab dem Tag der Betriebe am Dienstag war sowohl im Festzelt als auch auf dem Festplatz eine positive Resonanz festzustellen.“ Besonders mit dem zweiten Veranstaltungswochenende sei man sehr zufrieden. Plötz betont: „Gerade am Donnerstag zum Brillantfeuerwerk war der Festplatz brechend voll. “

Andrang am Seniorennachmittag war zu groß

Beim Seniorennachmittag war der Andrang ebenfalls so groß, dass erstmals die vorgesehenen Gratismarken nicht ausreichten, um alle zu bedienen. „Das Chamer Volksfest ist das einzige Fest, zumindest in der Region, welches bislang auch Gratismarken an umliegende Gemeindeangehörige ausgegeben hat. Der Andrang dieses Jahr war erstmals so groß, dass das vorgegebene Kontingent von 1000 Marken bereits nach circa einer Stunde ausgeschöpft war. “

Eine „Abrechnung“ liege allerdings erst in den kommenden Wochen vor, geht Plötz einer ersten subjektiven Einschätzung über den tatsächlichen Festverlauf aus dem Weg. In der kommenden Woche werde sich der Volksfestverein zu einer Sitzung treffen, „in der über den Festverlauf 2024 beraten und das 75. Chamer Volksfest 2025 vorbereitet wird“.

Erste Ursachenforschung

Anfang der Woche hatte Plötz bestätigt, dass man „ein Problem“, habe, wenn sich das Besucherverhalten nicht in der zweiten Wochenhälfte deutlich positiver entwickelt. Als mögliche Ursachen dafür, dass das fest schlecht in die Gänge kam, vermutete Plötz zunächst die heißen Sommertemperaturen und die Konkurrenz durch umliegende Feste. Am Angebot selbst könne es nicht liegen, dass so wenig Chamer in Festlaune kamen, denn vom Zelt bis hin zu den Fahrgeschäften sowie Essen und Trinken sei man gerade heuer zum 75. Bestehen des Volksfestvereins top aufgestellt gewesen.

Auch Polizei spricht von ruhiger Festwoche

Auch oder vielleicht sogar weil das 74. Chamer Volksfest zumindest in der ersten Festhälfte deutlich weniger Besucher als sonst hatte, fällt eine Bilanz dazu eher positiv aus: Die Polizei berichtet in einer Zusammenfassung von einem friedlichen Festverlauf.

In der Zeit vom 26. Juli bis 4. August hatte die Polizei nur wenige Einsätze auf dem und rund um das Fest. So heißt es in der Stellungnahme: „Die Polizei Cham bereitete sich – wie jedes Jahr – intensiv auf das Fest vor, zeigte auf dem Volksfestplatz sichtbare Präsenz und führte verstärkt Verkehrskontrollen durch. Glücklicherweise kam es nur zu wenigen Störungen, sodass die Polizei nicht oft eingreifen musste. Es kann von einem äußerst friedlichen Volksfest gesprochen werden.“

Am ersten Fest-Freitag betreute die Polizei Cham den Festeinzug durch die Stadt. Hier kam es zu kurzzeitigen Sperrungen, welche jedoch keinerlei Verkehrsstörungen verursachten. Positives auch hier: Sogar die Verkehrsteilnehmerinnen zeigten sich „sehr verständnisvoll und gelassen“.

Volksfest-Schlägerei vermutet

Am Eröffnungsabend wurde der Polizei gegen 20 Uhr eine Schlägerei im Umgriff des Festgeländes mitgeteilt. Die Beamten trafen dabei auf einen 22-Jährigen, der diverse Verletzungen im Gesicht aufwies. Er zeigte sich gegenüber der Polizei sehr aggressiv und wenig kooperativ. So sprach er nur davon, gestürzt zu sein. Zu einer Körperverletzung sei es nicht gekommen. Da die Beamten ihm dies nicht recht abkaufen wollten, führten sie intensive Befragungen durch. Letztlich änderte dies nichts am Verhalten des 22-Jährigen. So beleidigte er im weiteren Verlauf noch einen Polizisten mit derben Kraftausdrücken. Die Beamten erteilten ihm schließlich einen Platzverweis und erstatteten eine Strafanzeige gegen den Mann.

Zeitgleich wurde die Polizei in die Bahnhofstraße gerufen. Hier gaben Zeugen an, dass sie einen Mann mit blutenden Verletzungen im Gesicht festgestellt hätten. Auch dieser 19-Jährige gab an, dass er nicht Beteiligter der gemeldeten Schlägerei gewesen sei. Vielmehr sprach er davon, dass er von einem Motorradfahrer geschlagen worden sei. Weitere Ermittlungen sollen nun zeigen, ob es nicht vielleicht doch eine Auseinandersetzungen zwischen dem 22- und dem 19-Jährigen gegeben hat.

Strafanzeige gegen 16-Jährigen

Am Sonntag legten sich drei 16- bis 20-jährige Männer mit dem Sicherheitsdienst an. Grund hierfür war, dass die Sicherheitsdienstler sie des Geländes verweisen wollten, da sie zuvor herumgepöbelt hatten. Die Männer kamen dem Platzverweis nicht nach. Einer versuchte sogar, einen Sicherheitsdienstmitarbeiter zu schlagen. Gegenüber der Polizei verhielten sich die Männer weiterhin sehr aggressiv. Ein 16-Jähriger beleidigte die Beamten. Diese erstatteten Strafanzeigen gegen die Männer. Pech für die Männer: Der Chamer Volksfestverein belegte sie mit einem Platzverbot für die gesamte Festwoche.

Am Montag schlug eine 40-Jährige einen 18-Jährigen nach einer verbalen Auseinandersetzung ins Gesicht. Gegen sie ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung.

Ein Kompliment spricht die Polizei dieses Jahr den Autofahrern aus. Trotz intensiver Kontrollen seien keine Trunkenheits- oder Drogenfahrten festgestellt worden.

Noch am Sonntag wurde mit dem Abbau begonnen, am Montag erinnert nur noch wenig ans 74. Chamer Volksfest. Foto: Tanja Fenzl
Nicht nur die Voigranaten spielten vor sehr wenigen Besuchern. Zur besten Zeit am Abend um 21 Uhr war das Zelt nicht nur einmal fast komplett leer. Foto: Maja Schoplocher