65 Kühe und eine Eismaschine: Der Kienerhof in Schwandorf wagt etwas Neues

Von Ramona Teufel · 6. August 2024 um 05:00

Von wegen nur Kühe und Felder: Martina und Stefan Kiener (beide 38) aus dem Schwandorfer Ortsteil Münchshöf zeigen, dass Landwirte längst mehr machen. Die Kieners sind echte Eis-Fans und haben heuer auf ihrem Hof den Schritt zur eigenen Eismanufaktur gewagt.

„Schon länger haben wir überlegt, ob wir mit dem Bauernhof-Eis anfangen sollen“, sagt Martina Kiener. Das Ehepaar Kiener führt den Hof in vierter Generation. Dabei versuchen sie einige Prozesse wie die Fütterung und das Melken der Tiere durch Maschinen zu automatisieren. Das spart Zeit und verschafft mehr Freiraum für Ideen.

Seit zwei Monaten verarbeitet das Ehepaar nun einen Teil der Milch ihrer 65 Kühe zu Eis. Dabei haben die Kieners laut Kreisbäuerin Sabine Schindler eine Nische im Landkreis Schwandorf gefunden. Zwar gebe es einige Direktvermarkter, doch sie wüsste nicht, dass jemand sein eigenes Eis anbietet. „Als Landwirt ist es wichtig, sich mehrere Standbeine aufzubauen“, findet die Kreisbäuerin.

Verkauf direkt am Hof

Die Kieners und ihre Kinder sind echte Eisliebhaber. Aktuell bieten sie acht verschiedene Sorten an: Schokolade, Vanille, Haselnuss, Stracciatella, Amarena-Kirsch, Joghurt, Erdbeere und Zitrone. Die beiden Letzeren sind vegane Sorbets. „Wir wollen eben für alle etwas anbieten“, sagt die 38-Jährige.

Verkauft wird ausschließlich im Becher und nur per Direktvermarktung. 130 Milliliter frisches Eis kosten 3,20Euro. Direkt vor ihrem Hof haben sie dafür eine Holzhütte aufgestellt, in der eine Gefriertruhe voll mit Eis und eine kleine Kassenbox stehen. Der Verkauf funktioniert über eine sogenannte Vertrauenskasse und die funktioniere richtig gut, sagt Kiener.

Neue Sorte geplant

„Der absolute Renner ist im Moment Haselnuss“, weiß die Hofchefin. „Aber auch Joghurt ist sehr beliebt“, ergänzt Stefan Kiener. Die Lieblingssorte der 38-Jährigen ist aber Schokolade – „und das, obwohl ich eigentlich gar kein Schoko-Fan bin.“ Ihr Mann hingegen präferiert Vanille.

Eine Eismanufaktur zu betreiben, bedeutet auch viel Mut zum Tüfteln. Und so haben die Kieners beispielsweise die anfängliche Rezeptur des Stracciatella-Eises überarbeitet. Die neue Formulierung habe etwas weniger Zucker, dafür einen Honiganteil, verrät Stefan Kiener. Und auch für die Ferien haben sie sich etwas überlegt: Sie wollen eine spezielle Sommer-Sorte kreieren. „Kommende Woche wollen wir ein bisschen an der Ferien-Sorte experimentieren.“

Zwei Prozent der Kiener-Milch wird vor Ort verarbeitet

Wie Stephan Kiener erklärt, bestehen die Milcheissorten zu circa 75 Prozent aus Milch der eigenen Kühe. Je nach Sorte werden dem Rezept dann noch weitere Zutaten hinzugefügt. Durch die Eisproduktion können etwa zwei Prozent der erzeugten Milch am Kienerhof selbst weiterverarbeitet werden. Die restliche Milch wird ans Milchwerk nach Schwarzenfeld geliefert. Ein- bis zweimal die Woche werfen die Kieners die Eismaschine an. Bei jedem Produktionstag unterstützen die Mütter des Ehepaares sowie eine Angestellte die beiden beim Eismachen. Etwa 20 Minuten dauert es, bis eine Rezeptur fertig ist und in die Verpackung abgefüllt wird. So können pro Produktionstag zwei verschiedene Sorten Eis gemacht werden.

Besuch der Eis-Messe in Stuttgart

Die Expertise hierzu holte sich das Ehepaar von „dem letzten gelernten Eismacher in Deutschland“, sagt der 38-Jährige. Und dieser erzählte ihnen von der Eis-Messe „Gelatissimo“ in Stuttgart, die die Kieners daraufhin besuchten. Dort lernten sie einen Händler für Speiseeisbedarf aus Feucht bei Nürnberg kennen, mit dem man sich nach der Messe traf.

Die Kieners brachten dabei die Milch ihrer Kühe mit und gemeinsam machten sie Eis. Die Verantwortlichen des Eishändlers fragten sich bei der anschließenden Verkostung verdutzt, warum das Eis so gut schmecke, erinnert sich der 38-Jährige. Martina und Stefan Kiener hatten die Antwort parat. Ihr Eis sei wegen ihrer Milch so frisch und cremig.

Vertrauenskasse läuft gut

Das Eis-Häuschen am Kienerhof ist täglich von morgens bis abends geöffnet. Der Plan dort einen Automaten zu installieren, sei erst einmal auf Eis gelegt. „Das mit der Vertrauenskasse klappt so gut“, sagt die 38-Jährige. Zusätzlich gebe es das Eis noch auf dem Ferien-Bauernhof einer Bekannten der Familie und bei einem Direktvermarkter, erklärt sie.

Dass das Eis so gut ankommt, freut das Ehepaar. „Gerade in der ersten Ferienwoche waren viele Familien mit Kindern da. Die Kleinen wollten dann oftmals auch die Kühe sehen“, sagt der Landwirt. Es sei einfach schön zu sehen, wenn die Milch und die Produkte wertgeschätzt werden, sagt er.

Der Verkauf erfolgt durch eine Vertrauenskasse in einem Häuschen direkt vor dem Bauernhof.