Der Bund will die Gelder für freischaffende Kreative kürzen – Das hätte Folgen für die regionale Szene

Welche Kunst soll der Staat fördern? Die Frage wird immer polarisieren. Schaut man auf die aktuellen Entwürfe des Bundeshaushalts, dann werden die Töpfe für die freie Szene bald deutlich schrumpfen. Das wirkt sich auch auf die Kulturszene in Regensburg und der Oberpfalz aus.
„Die Vielfältigkeit ist in Gefahr“, sagt Tomasz Skweres. Er ist als Cellist und Komponist international anerkannt. In Regensburg hat er den Verein für zeitgenössische Musik „Unternehmen Gegenwart“ gegründet. „Auf Förderung sind besonders junge Komponisten und Künstler angewiesen, die noch nicht kommerzialisierte Musik machen.“ Wenn die Förderung schrumpft, ist er sicher, werden die Summen an solche experimentellen Akteure als erste verschwinden.
Der Bundeshaushalt für 2025 ist von der Regierung bereits verabschiedet und muss noch durch den Bundestag gehen. Im aktuellen Entwurf stehen Claudia Roth (Grüne), der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Das sind 100 Millionen mehr als 2024. Für die Bundeskulturfonds, die besonders freie Künstler nähren, soll die Summe aber um etwa die Hälfte – von 32 Millionen auf 18 Millionen Euro – gekürzt werden. In Bayern gestaltet sich die Situation etwas anders, der Haushalt steht bereits. Die Förderungen wurden zwar erhöht, allerdings muss die Summe auf immer mehr Akteure aufgeteilt werden, weil es immer mehr Festivals gibt und immer weniger Künstler von Auftritten und Verkäufen leben können. Für den Einzelnen steht auch weniger Geld zur Verfügung.
Förderungen für die Großen
„Eine Verschiebung im Bund geht letztendlich auch auf die Landesebene über“, sagt Skweres. Dass die Wirtschaft aktuell schrumpft, wird sich, so schätzt der Cellist, schon bald bei den bayerischen Geldern bemerkbar machen. Weniger Bedenken hat er bei Förderungen, die die Stadt Regensburg vergibt. „Regensburg ist nicht arm. Außerdem ist das Kulturreferat sehr gut darin, das Geld gerecht zu verteilen.“ Auf Bundes- und Landesebene sieht der Musiker dagegen eine klare Tendenz: „Es werden vor allem die großen Veranstaltungen und Festspiele gefördert.“ Kleines und Experimentelles falle hinten runter.
Thomas E. Bauer ist bekannter Bariton und Intendant des Konzerthauses Blaibach im Landkreis Cham. Er spürt bei der Förderung für klassische Musikprojekte eine weitere Tendenz. „Die Außenwirkung und die Tradition, die eine Veranstaltung hat, sind sehr entscheidend bei der Vergabe von Förderungen“, sagt er. Neue Projekte hätten eher Chancen, wenn sie pädagogische Maßnahmen verfolgen. „Ich will die Menschen aber nicht erziehen“, sagt Bauer. „Immer soll die gesamte Gesellschaft ins Boot geholt werden, dabei ist es doch in Ordnung, dass manche gern Klassik und andere Pop hören. Und weder die einen noch die anderen finden es gut, wenn auf Wagner gerappt wird.“
Clubs sind bedroht – Kosten seit Pandemie um 50 Prozent erhöht
In der Popmusik sind die Sorgen über die Förderungen nicht kleiner als in der Klassik. „Auch aktuell ist die Finanzierung bei Livemusik auf Kante genäht“, erklärt Andreas Jäger, Geschäftsführer des Verbands für Popkultur Bayern. „Die meisten Veranstalter machen erst mit den letzten zehn Prozent an verkauften Karten Gewinn.“ Das bedeutet, dass sich Konzerte nur lohnen, wenn sie ausverkauft sind. „Wir wollen einerseits junge Musiker professionalisieren, aber gleichzeitig auch die Strukturen erhalten, die es gibt“, erklärt Jäger die Kriterien für die Vergabe der Verbandsgelder. „Clubs brauchen alle paar Jahre neues Equipment oder Umbauten wegen des Brandschutzes. Das können sich viele nicht mehr leisten.“ Dazu kommt, dass sich das Konzertwesen noch längst nicht von der Pandemie erholt hat. Die Kosten sind um etwa 50 Prozent gestiegen. „Das kann man nicht alles auf die Ticketpreise umlagern, dann kommt keiner mehr“, ist Jäger sicher. Die Leidtragenden sind vor allem junge, noch nicht etablierte Künstler. „Die haben es immer schwer, Auftritte zu bekommen. Auch vorher war das für Veranstalter ein Nullsummenspiel, jetzt ist es fast gar nicht mehr machbar.“
Das kennt auch der Musiker Sebastian Eggerbauer, der unter dem Namen Telquist bekannt ist. Er hat bereits vier Förderungen von der Initiative Musik erhalten, die der Bund finanziert – und deren Mittel 2025 wahrscheinlich auch gekürzt werden. „Ein Album zu produzieren und zu promoten kostet etwa 20000 Euro.“ 60 Prozent davon bezuschusst die Initiative Musik. „Nur so konnte ich meine ersten Alben veröffentlichen.“
Nur für Kost und Logis
Aktuell ist Telquist mit vier Musikern auf Tour, die ist ebenfalls gefördert. „Es ist das erste Mal, dass ich der Band ein Gehalt zahlen kann, die sind jahrelang für Kost und Logis mit mir getourt. Ich weiß nicht, ob ich das so lang mitgemacht hätte, ohne jemals Geld zu sehen“, sagt Telquist.
Überhaupt bekannt zu werden, um Konzertkarten verkaufen zu können, ist schwer. Deshalb fürchtet auch Eggerbauer das Sterben von Clubs. Popmusik-Festivals sind von Förderungen generell ausgeschlossen, für Klassik-Festivals gilt das nicht. „Jeder Film, der in Deutschland gedreht wird, ist staatlich gefördert. Nur von Musik wird immer erwartet, dass sie sich selbst finanziert.“
