Kein Herz bleibt kalt: Steffi Denk und Band begeistern mit Hommage an Aretha-Franklin

Steffi Denk und Band wandelten beim Palazzo-Festival auf den Spuren Aretha Franklins – sie ließen ein begeistertes Publikum zurück.
„Ich habe eine Herz für Oldies!“ Ohne die sonst bei Steffi Denk oft hörbare Ironie gestand die großartige Sängerin ihre Schwäche für alte Schlager und stimmte mit ihrem Seelenbruder Sepp Haslinger am Flügel „Weine nicht kleine Eva“ an. Die Herz-Schmerz-Schnulze der Schlagerband „Die Flippers“ wurde im nahezu voll besetzten Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais mit vergnügtem Beifall quittiert. Ein Indiz, dass s auch im Publikum einige Fans von Bayern 1 saßen.
Direkt nach dem mitreißenden Aretha-Franklin-Klassiker „Chain of Fools“ zeigte diese spontane Episode aber auch den krassen Unterschied zwischen deutschem Schlager und afroamerikanischen Songs auf. Obwohl etwa um die gleiche Zeit in den 1960er Jahren entstanden, steht der tränentriefende Schlager für eine in ihrer Unmündigkeit und Kindlichkeit verharrende konturlose junge Frau. In der kraftvollen gospelbeeinflussten Soulnummer wird die junge Amerikanerin sich ihrer Abhängigkeit bewusst und sieht in eine Zukunft, in der sie sich der Ketten entledigt.
Wenn ein Aretha-Franklin-Programm angekündigt ist, wie bei Steffi Denk und Band, dann ist das nie nur ein emotionsreiches und bewegungsintensives Erlebnis. Da gehört das Leben als unterdrückte, ausgegrenzte, aber auch kämpferische und selbstbewusste schwarze Frau immer mit dazu. Das brachten Denk und ihre Mitmusizierenden bei ihrem Auftritt beim Palazzo-Festival mit packender musikalischer Verve, prächtigen Soli und unvergleichlicher vokaler Kraft voll zum Ausdruck.
Ob in Franklins emanzipativer Hitnummer von 1968 „Think“, in der sie auf die Notwendigkeit von Freiheit und Gemeinsamkeit hinweist, oder ihrer Version von „Spanish Harlem“. Darin hat Franklin „A red rose up in spanish harlem“ in „A rose in black at spanish harlem“ umgetextet, wie Denk ausführte. Damit bekam der Song in den USA der damaligen Zeit eine komplett andere, gesellschaftlich bedeutsame Konnotation.
Dennoch war der belebende Konzertabend keine pure Cover-Show der vor sechs Jahren verstorbenen „Queen of Soul“. Zwar ist der Titel „From Jazz To Soul“ einem frühen Album Franklins entlehnt. Mit Soulhymnen wie „Son of a Preacher Man“ von Dusty Springfield, Burt Bacharachs „Walk On By“, mit dem Dionne Warwick einen großen Hit hatte, „Misty“ des Jazzpianisten Erroll Garner und knackigen Bluessongs entfaltet das erstmals präsentierte Programm dennoch ein deutlich weiteres Spektrum.
Mit gewohnt listiger Manier kündigte Denk es als Welturaufführung mit der neu gebildeten Band an. Diese ist aus drei Formationen zusammengesetzt. Dazu gehört Gitarrist Hans „Yankee“ Meier, mit dem sie seit Jahrzehnten im Duo Voice & Strings zusammenarbeitet, Pianist und Sänger Sepp Haslinger von Soulfood Unplugged und die Musiker ihrer Langzeitband Flexible Friends. Bassist Markus Fritsch fungiert als musikalischer Direktor der mit den Backgroud-Vokalistinnen Julia Bauer und Veronika Maier neunköpfigen Formation und hat die Arrangements geschrieben. Yankee Meier setzte mit gefühlsstarken Soli auf der elektrischen Gitarre markante Wegmarken. Gleiches gilt für Norbert Ziegler, der flexibel zwischen Flügel, Trompete und Keyboard wechselte, und Martin Jungmayer, der sein Sopransax in „Think“ rauh und explosiv aufschreien ließ. Über allem die brillante Stimme Denks, die mit ihrer unbedingten Hingabe, dem funkenschlagenden Ausdruck und einer Phrasierung, die weit und breit ihresgleichen sucht, kein Auge trocken und kein Herz kalt lässt.