Bei der 42. Regensburger Stummfilmwoche wird in diesem Jahr Ungesehenes zu sehen sein

Eigentlich ist „Filmkonzert“ der passende Begriff für das, was ab 13. August bei der 42. Regensburger Stummfilmwoche passiert. Davon ist Nicole Litzel überzeugt. Denn ohne das Konzert ist auch nur die Hälfte des Kunstwerkes zu betrachten. Weiter verbreitet ist der Begriff „Stummfilm“ – die Werke stammen aus der Zeit, in der die Filmkunst noch im Entstehen war. Und auch wenn Filme ohne Ton nicht mehr produziert werden, gibt es doch immer wieder Neuheiten.
Seit 15 Jahren kuratiert Litzel die Filme, die bei der Stummfilmwoche gezeigt werden. Publikumslieblinge sind immer wieder die Kurzfilme vom Komikerduo Laurel und Hardy, die in diesem Jahr ebenso zu sehen sind wie der Horrorklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“. Litzels Herz liegt aber ganz besonders bei den Werken mit Seltenheitswert. „Ich nehme keinen Film in das Programm auf, auf den ich mich nicht freue“, sagt sie. Denn auch die Publikumslieblinge haben diesen Status zu Recht erhalten. „Aber ein Festival gibt uns die Möglichkeit, auch Titel zu zeigen, bei denen wir nicht erwarten, dass alle Plätze besetzt werden.“
Prägend für die Popkultur
Heute einen Stummfilm anzuschauen ist eine Herausforderung. Man muss seine Komfortzone verlassen. Bei den meisten geht die eigene Konsumgeschichte nicht einmal zum schwarz-weißen zurück, ohne eigenen Ton hat kaum jemand noch Filme kennengelernt. Den eigenen Horizont zu erweitern, lohnt sich aber: Die Filme, die beim Festival laufen, haben die heutige Popkultur geprägt. So auch beispielsweise der lang verschollene Film „Der Mann, der lacht“ von US-Regisseur Paul Leni aus dem Jahr 1928, der nun erstmals seit Jahrzehnten wieder zu sehen ist. In dem Horrorfilm geht es um den entstellten Gwynplaine, dessen Gesicht nach dem Mord an seinem Vater so zugeschnitten wurde, dass es immer ein irres Grinsen zeigt. „Das war die Vorlage für die Figur des Joker in den Batman-Comics, die in den 1940er Jahren entwickelt wurde“, erzählt Nicole Litzel. Das gruselige Grinsen, das damals durch den Schauspielstar Conrad Veidt dargestellt wurde, ist bis heute – wenn auch über Umwege – jedem bekannt.
„Man kann einer vollkommen neuen Kunstform beim Entstehen zuschauen“, erklärt Litzel ihre Leidenschaft für die Konzertfilme. Denn damals wurde eine Bildsprache erfunden, die heute jeder kennt.
Gewalt, subtil erzählt
„Man sieht in einer so kurzen Zeit die gesamte Emanzipation des Films vom Theater, in jedem Jahr hat es riesige Fortschritte gegeben.“ Die Technik wurde besser und die Kamera wurde mehr und mehr zum erzählerischen Werkzeug.
Einer der Filme, die einen Meilenstein der Kunstform bilden, ist „Der letzte Mann“ von Friedrich Wilhelm Murnau. „Das war der erste Film, in dem eine bewegliche Kamera eingesetzt wurde“, sagt Litzel. Der Film war ein großer Schritt von der klassischen Kulisse hin zur modernen Kameraführung.
Den Charme der alten Filme macht für Litzel aber noch etwas anderes aus: Sie sind immer auch ein Live-Erlebnis. „Die Musiker beschäftigen sich monatelang mit den Werken und durch deren Musik werden auch die Filme modern.“ Außerdem ist es kein Kunstwerk, das einfach wieder abgespielt werden kann, sondern etwas Einzigartiges: „Durch die Musik entsteht bei jeder Vorstellung ein neuer Film.“
Inhaltlich und künstlerisch sind die Filme dabei auch ein Abbild der historischen Umstände, in denen sie entstanden sind. „Die Zeit war von Kriegstraumata und Hunger geprägt. Gleichzeitig wurde Berlin zum kulturellen Zentrum in Europa.“ Die kreative Szene pulsierte damals trotz strenger Zensur. Obwohl viele Szenen abstrakt bleiben mussten, entwickelte sich in dieser Zeit der Horrorfilm. „Ich finde die alten Horrorfilme dadurch viel stärker als die heutigen“, sagt Litzel. „Dadurch, dass die Gewalt nicht explizit gezeigt werden durfte, waren die sehr subtil. Trotzdem haben sie es geschafft, schreckliche Dinge wie Vergewaltigungen so darzustellen, dass es einem auch heute noch sehr nah geht.“
Vielsagende Musik zu stummen Filmen
Die Regensburger Stummfilmwoche läuft von 13. bis 18. August im Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr, Einlass ist um 19.30 Uhr. Auftakt ist mit Laurel & Hardy-Kurzfilmen und dem Multiinstrumentalisten Bertl Wenzl.
Das weitere Programm: „Das Cabinet des Dr. Caligari“ mit Piano und Electronics von Rainer J. Hofmann läuft am 14. August. Der Film „Tabu“ wird am 15. August am Piano begleitet von Vsevolod Pozdejev. Zu „Großstadtschmetterling. Ballade einer Liebe“ erklingen am 16. August Violine und Piano vom Aljoscha-Zimmermann-Ensemble. Zu „Der Mann, der lacht“ spielt Martin Rohrmeier am 17. August Piano. „Der letzte Mann“ begleiten am 18. August Sabrina Zimmermann und Mark Pogolski an Piano und Violine.
Die Regensburger Stummfilmwoche läuft von 13. bis 18. August im Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr, Einlass ist um 19.30 Uhr. Auftakt ist mit Laurel & Hardy-Kurzfilmen und dem Multiinstrumentalisten Bertl Wenzl.
Das weitere Programm: „Das Cabinet des Dr. Caligari“ mit Piano und Electronics von Rainer J. Hofmann läuft am 14. August. Der Film „Tabu“ wird am 15. August am Piano begleitet von Vsevolod Pozdejev. Zu „Großstadtschmetterling. Ballade einer Liebe“ erklingen am 16. August Violine und Piano vom Aljoscha-Zimmermann-Ensemble. Zu „Der Mann, der lacht“ spielt Martin Rohrmeier am 17. August Piano. „Der letzte Mann“ begleiten am 18. August Sabrina Zimmermann und Mark Pogolski an Piano und Violine.