Impressionen von der Strecke: Was der Regensburger Triathlon den Olympischen Spielen voraus hat

750 Athleten und 50 Staffeln gingen am Sonntag beim Triathlon in Regensburg an den Start. Die Veranstalter zogen ein durchweg positives Fazit. Wir haben uns an der Strecke umgeschaut.
Nur noch wenige Minuten bis zum Startschuss des Regensburger Triathlons. Athleten mit rosa Badekäppchen tummeln sich im Europakanal. Einige holen noch mal tief Luft und tauchen unter. Das Wasser in der Domstadt dürfte folglich deutlich sauberer sein, als die Seine in Paris, die bei Olympia für Wirbel sorgt. Regensburg: 1, Paris: 0. Der Startschuss fällt um Punkt 9 Uhr, die Schwimmer starten – und der Stadionsprecher sorgt für weitere Erhellung: Der Europakanal ist auch deshalb besser als die umstrittene Triathlon-Strecke in Paris, weil es hier kaum Strömung gibt. Regensburg: 2, Paris: 0.
Lesen Sie hier den Liveticker nach: Franzi Reng und Fabian Schaffert gewinnen auf der olympischen Distanz
Vom Ufer aus jubeln den Sportlern zahlreiche Zuschauer zu. Auf der Oberpfalzbrücke reihen sich die Regensburger aneinander, um einen Blick auf das Sport-Spektakel zu erhaschen. Viele haben Plakate dabei, eines bringt den Tagesablauf treffend auf den Punkt: „Swim, Bike, Run“.
Zuschauer jubeln beim Regensburg-Triathlon
Den ersten Teil hat Silvester Birkner schon nach wenigen Minuten hinter sich. Als Erster in der Sprint-Disziplin geht er aufs Rad. Nach und nach kommen seine Verfolger in die Wechselzone, wo die Drahtesel – eine böswillige Untertreibung angesichts dieser Wunderwerke der Technik – bereitstehen. Aber auch die zweirädrigen Renn-Boliden haben mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen – einem Reifen ist beispielsweise die Luft ausgegangen. Eine der zahlreichen Helferinnen pumpt, was das Zeug hält und schon geht es für den Sportler auf die Radstrecke.
Über die Oberpfalzbrücke geht es für die Teilnehmer den Schelmengraben hinauf. Auch dort säumen Fans die enge Straße. Jeder Radler wird beklatscht, während er die zehnprozentige Steigung hinaufkeucht. Für so manchen ist jede Umdrehung eine Qual. Das Knacken der Schaltblätter hallt im Wald wieder. An der Strecke hat sich auch ein junger Mann positioniert, der auf einen Spezl wartet. Als sich der den Berg hochquält, brüllt er ihm entgegen: „Acht Minuten auf die Nummer eins. Komm, Martin. Druck!“ Martin scheint allerdings derart im Tunnel zu sein, dass er nichts entgegnen kann. Ein Mitbewerber ist da umsichtiger, nachdem ihn ein Zuseher mit Hopp-Hopp-Rufen bedacht hatte. Lässig keuchend hebt er die Hand. „Merci.“
Nach zahlreichen Männern wippt ein rötlich-blonder Pferdeschwanz auf dem Rad vorbei. Eine Zuschauerin: „Das war sie doch! Franzi, aufgehts!“ Lokalmatadorin Franziska Reng fliegen auf der Strecke die Herzen der Regensburger zu. „Es ist schön, an der Strecke immer wieder bekannte Gesichter zu sehen“, wird die Siegerin der Olympia-Distanz der Frauen später im Ziel sagen.
Ortswechsel: Am Grieser Spitz ist gerade wenig los. Die Starter der Sprint-Distanz sind alle durch – dachten die Helfer zumindest. Zeit, den Verpflegungsstand auf Vordermann zu bringen. Aus großen Karaffen schütten sie Iso-Getränke und Wasser in die Becher. Auch Cola gibt es. Entspannt sprechen sie über Pannen bei anderen Sport-Events. Bei einem Wettkampf hätten sich die Athleten kollektiv verschwommen, erzählt eine junge Frau. 200 Meter Umweg seien das gewesen. Plötzlich erreicht die Helfer die Nachricht, dass noch eine Läuferin unterwegs ist. Etwa fünf Minuten später keucht die Nachzüglerin halb laufend, halb gehend an der Verpflegungsstation vorbei. „Wasser?“, fragen sie die Helfer schon von weitem zu. „Ja“. Keuch. „Bitte“, sagt die Frau gequält lächelnd. „Du schaffst das“, rufen ihr die Helfer zu. Beseelt läuft die Frau weiter. „Das ist so toll von ihr“, sagt eine Helferin und blickt der Teilnehmerin nach.
Regensburg-Triathlon: Veranstalter sind zufrieden
Breiten- und Spitzensport liegen beim Regensburger Triathlon traditionell nah beieinander. Ein paar Augenblicke nach der wackeren Kämpferin kommt mit Fabian Schaffert der Führende der Olympia-Distanz angeschossen. Er greift sich ein Wasser – und schüttet es sich über den Kopf. Rund 20 Minuten später wird er als Erster durch das Ziel am Dultplatz laufen. Noch leicht schnaufend erzählt er der MZ, dass der Triathlon in der Domstadt für ihn eine Vorbereitung für Langdistanzrennen gewesen sei.
Bevor er den Reportern Frage und Antwort steht, geht es für Schaffert noch kurz an den Zaun des Zieleinlaufs. Dort warten Frau und Kind. Der Fürstenfelderbrucker wirft den Nachwuchs kurz in die Luft und herzt seine Frau. Nach Schaffert trudeln – auch das ist eindeutig eine böswillige Untertreibung – die weiteren Athleten im Ziel ein. Alle bekommen erst mal eine Medaille umgehängt. Während einige jubelnd die Arme hochreißen, geht bei vielen der erste Griff zur Sportuhr am Handgelenk – die eigenen Leistungen wollen schließlich exakt festgehalten werden. Franziska Meinl vom Verein Tristar, der den Triathlon veranstaltet, zog im Ziel Bilanz. „Wir sind sehr zufrieden: Wir haben strahlende Gesichter und keine größeren Zwischenfälle.“ Die Wechselzone und die Strecken an sich hätten sehr gut funktioniert. Insgesamt gingen 750 Athleten und 50 Staffeln an den Start. Der Andrang auf den Triathlon war in diesem Jahr besonders hoch, sagt Meinl. Den Verein hätten in den Tagen vor dem Wettkampf noch zahlreiche Anfragen erreicht. „Es hätten noch sehr viel mehr Menschen Lust gehabt, am Triathlon teilzunehmen.“

