Waso setzt beim Ausbau der Fernwärme in Neustadt auf die Raffinerie

Von Jochen Dannenberg · 31. Juli 2024 um 11:00

Heizen mit Fernwärme gilt als komfortabel und umweltschonend. Die Neustädter Firma Waso hat früh auf diesen Trend gesetzt, wächst damit und hat große Pläne. Aktuell werden weitere Bereiche der Innenstadt erschlossen. Aber manchmal gibt es auch Probleme.

Seit 2010 setzt die Waso auf erneuerbare Energien in Form von Hackschnitzeln und ein eigenes Fernwärmenetz. Werner Reichl und Peter Stieber hatten einst die Idee zu dieser Lösung. Rathaus, Stadtpfarrkirche, Schule sowie nach und nach auch private Haushalte in Neustadt a.d. Donau verabschiedeten sich von ihrer Ölheizung und setzten auf Umweltfreundlichkeit – auf die Biomasseheizung der Waso. Seit kurzem wird auch der neue Baumarkt der Hagebau-Gruppe an der Donaustraße von der Waso „befeuert“. Weitere Anschlüsse wurden zuletzt bei der Altstadtsanierung gelegt. Aktuell wird das Netz im Bereich der Schubertstraße erweitert.

„Angefangen haben wir mit jährlich eineinhalb bis zwei Millionen Kilowattstunden, jetzt sind wir bei zehn Millionen Kilowattstunden“, sagt Andreas Treffer, Geschäftsführer und Mitinhaber der Waso. Das bedeutet nach Treffers Berechnungen, dass eine Millionen Heizöl durch die Fernwärme ersetzt und drei Millionen Kilogramm Kohlendioxid eingespart werden.

Viel Überzeugungsarbeit

Ginge es nach Treffer, könnte der Fernwärme-Absatz durchaus größer sein. Aber das hängt auch von der Klientel ab. Ein Neubaugebiet mit Dutzenden Wohnungen wie Am Sandfeld in Bad Gögging ist eine Sache, eine andere Sache sind die vielen Einfamilienhäuser. Hier muss für jeden Anschluss Überzeugungsarbeit geleistet werden und nicht selten scheuen vor allem ältere Hausbesitzer die Investition.

Zuletzt kamen mehrere Probleme zusammen. So gab es teilweise starke Fluktuationen bei den Preisen und insbesondere im Jahr 2022 einen deutlichen Preisanstieg, wie auch das bayerische Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe ermittelte. Andererseits gab es im Internet Kritik an der Waso. Anlass war der Umstand, dass sich die Waso einst über Crowd Invest 200000 Euro von privaten Investoren beschafft hatte. Bei einer Laufzeit des eingelegten Geldes von sieben Jahren waren fünf Prozent Zinsen zugesagt worden.

Über die Rückzahlungsverpflichtung kam es mit Anlegern zum Streit, der Fall landete sogar vor Gericht. Am Ende, sagt Andreas Treffer, habe das Bericht der Auffassung der Waso zugestimmt: Einlagen müssen nur dann zurückgezahlt werden, wenn dadurch nicht der Bestand der Firma gefährdet ist. Insofern sei auch deutlich gemacht worden, dass es sich bei derartigen Anlagen um Risikokapital und nicht etwa um Sparbücher handele. „Die Zinsen wurden bezahlt“, sagt der Geschäftsführer. Zugleich betont er: „Das Geld ist nicht weg. Wir werden das Geld zurückzahlen.“

Unabhängig davon gilt Heizen mit Fernwärme weiterhin als komfortabel und umweltschonend. Die Bundesregierung will Fernwärme deshalb schneller ausbauen. Bis 2030 soll zudem die Hälfte dieser Wärme klimaneutral erzeugt werden. Fernwärme könnte damit die Heizung der Zukunft sein.

Wechsel der Wärmequelle

In Neustadt a.d. Donau setzt man große Hoffnungen auf diesen Weg. So bereitet die Stadt die Nutzung der Abwärme aus der Bayernoil-Raffinerie vor. Und die Waso steht für alles weitere in den Startlöchern. „Wir warten auf das Projekt“, sagt Andreas Treffer. Er hält eine Zusammenarbeit für möglich. „Wir haben die Logistik“, sagt er. Es geht damit im Kern um einen Wechsel der Wärmequelle. Während jetzt Hackschnitzel als Grundlage genutzt werden, könnte es in Zukunft die Abwärme der Erdölraffinerie sein.

Was die Kosten betrifft, sagt er: „Es sollte für alle einen Vorteil bringen. Die Wärme aus der Industrie ist ja bereits vorhanden. Wir geben den Preisvorteil weiter.“

2010 begann die Waso mit einer Hackschnitzelheizanlage im Keller des Landmaschinenhändlers Dietrich-Scheurle. Foto: Dannenberg
Auch der neue Baumarkt an der Donaustraße wird mit Fernwärme versorgt. Foto: Dannenberg