Kommune sieht sich unterversorgt: Hausarzt ist in Neustadt ein rarer Beruf

Von Wolfgang Abeltshauser · 30. Juli 2024 um 05:00

In den vergangenen Monaten sind Stimmen in Neustadt a. d. Donau (Landkreis Kelheim) immer lauter geworden, die nach mehr Hausärzten verlangen. Bürgermeister Thomas Memmel sieht hier durchaus Handlungsbedarf. Allerdings habe die Kommune kaum Werkzeuge, mit denen dieses Problem gelöst werden könnte.

In den Augen des Rathauschefs ist die Kommune Neustadt a. d. Donau unterversorgt, was niedergelassene Hausärzte betrifft. Er zählt momentan sechs Praxen in der Kommune – eine weniger als noch vor einigen Monaten. Grundsätzlich habe sich die Zahl der Ärzte im Vergleich zur Vergangenheit verringert, dagegen seien die Neustädterinnen und Neustädter mehr geworden.

Eine Ärztin sei wie gesagt jüngst aus dem Schwaigfeld Richtung Ärztehaus in Gaden bei Abensberg abgezogen. Das ist nun ein interessantes Detail. Denn die kassenärztliche Vereinigung sehe Abensberg und Neustadt a. d. Donau als ein gemeinsames Versorgungsgebiet an, in dem geschaut werde, ob es eine Über- oder eine Unterversorgung mit Hausärzten gibt. So ändert der genannte Umzug nichts an der offiziell relevanten Zahl. Und die interpretiere die Vereinigung so, dass es im Gebiet Abensberg/Neustadt eine Überversorgung gebe.

Und deshalb sei Neustadt a. d. Donau nichts für das Hausärzte-Projekt. Das ist ein Förderprogramm der Staatsregierung, mit dem Ärzte in unterversorgte Regionen gelockt werden sollen.

Gründe für die Entwicklung

Für Memmel gibt es mehrere Gründe, warum nicht mehr alle Regionen ausreichend mit Hausärzten versorgt sind – das liege nicht nur an ihrer sinkenden Zahl. Es zeichne sich ab, dass es immer mehr Ärzte in große medizinische Zentren wie das Ärztehaus zieht, das eben in Gaden bei Abensberg entstanden ist.

In der Nachbarkommune hat man sich wie berichtet durchaus erhofft, dass es dort Ärzte hinzieht. Außerdem würden wohl vor allem viele jüngere Ärzte die Selbstständigkeit scheuen, so dass sie erst einmal eine Tätigkeit als angestellter Arzt anstreben würden. Wie gesagt, Memmel sieht in seiner Heimatkommune Handlungsbedarf, sieht aber kaum Hebel, die die örtliche Politik verstellen könnte.

Hauptproblem sei derzeit, dass man einem ansiedlungswilligen Arzt keine modern ausgestatteten Räume anbieten könne. Dass die Stadt selbst welche baut, kann sich Memmel noch nicht vorstellen. Er wolle einen anderen Weg gehen: Er will auf die Eigentümer von Immobilien mit entsprechenden Räumen einwirken, diese zu sanieren und instand zu setzen.

In den Bürgerversammlungen im Frühjahr gab es vor allem aus den Ortsteilen die Forderungen nach mehr Ärzten. Selbst wenn es gelänge, Immobilieneigentümer wie beschrieben zu motivieren, gehe es dann um den Kernort und um Bad Gögging. In diesen beiden Stadtgebieten würde Memmel gerne mehr Ärzte sehen. Voraussetzungen, die in seinen Augen erfüllt sein müssten, sind eine zentrale Lage der Praxis und vorhandene Parkplätze.

Wenig Chancen für Ortsteile

Dass sich etwa in Mühlhausen oder Hienheim Praxen ansiedeln, könne er sich ehrlicherweise nicht vorstellen. Es handle sich schlichtweg um zu kleine Einzugsgebiete. Fahrten in die Kernstadt müsse man eben in Kauf nehmen. Vielleicht blicken die Neustädter bei diesem Thema aber erneut nach Abensberg, um noch einmal auf besagtes Ärztehaus zu stoßen.

Ein Ursprung des Projekts waren Klagen aus dem Ortsteil Offenstetten über zu wenig ärztliche Versorgung. Letztendlich entstand das Gebäude etwa auf halbem Weg zwischen Abensberg und Offenstetten. Darin zu finden sind unter anderem ein Allgemeinarzt, ein Kinderarzt, ein Zahnarzt, ein Kieferorthopäde, ein Neurologe und ein Oralchirurg. Investor war ein privater Unternehmer.