Regisseur Alexander Etzel-Ragusa erklärt Veränderungen beim Drachenstich

Von Alexander Frimberger · 27. Juli 2024 um 11:00

Vieles wird dem Festspiel-Profi auch in dieser Saison bekannt vorkommen. Doch es gibt selbstverständlich wieder einige Veränderungen, wie Regisseur Alexander Etzel-Ragusa im Rahmen eines Pressegesprächs verrät.

Wie in jedem Jahr gibt es gesellschaftliche Entwicklungen, die auch den Drachenstich berühren. Seit 1880 passt sich das Stück immer wieder dem Zeitgeschehen an. „Für den Drachenstich ist es da von Vorteil, dass der Autor anwesend ist und Änderungen an Dialogen und Szenen vornehmen kann“, sagt Etzel Ragusa, der das Stück in seiner jetzigen Form geschrieben hat, mit einem Augenzwinkern.

Florians Leidensgeschichte

Ein hochsensibles Thema sind derzeit die kriegerischen Auseinandersetzungen vor allem im Nahen Osten. Im Stück geht es auch um das friedliche Zusammenleben der Religionen. Richard Löwenherz will bei seinem Kreuzzug das Heilige Land beziehungsweise Jerusalem an sich reißen. Wie kann die Lösung von Konflikten gelingen?, hat sich Etzel Ragusa gefragt. Seine Antwort darauf: Indem man versucht, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Die Art, wie man miteinander umgeht, ist für ihn entscheidend. Und so behandelt der Sultan in der aktuellen Version Löwenherz nicht mehr von oben herab, sondern er kommt ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf der Treppe entgegen. Das, so die Überzeugung des Regisseurs, wäre auch ein Weg, den die Gläubigen am Tempelberg an den Tag legen könnten, wenn es darum geht, wer dort beten darf und wer nicht. Gleiches sieht er für die Grabeskirche in Jerusalem, in der nicht geklärt ist, wer sich darum kümmern und wer dort Messen abhalten darf.

Neue Darsteller bringen neue Impulse

Der einarmige Florian, der Ritter Udo das Leben retten möchte und schließlich auf grausame Art Gelegenheit dazu bekommt, hat die Geschichte, wie er seinen Arm verloren hat, bisher – auf einem Bierfass stehend – erzählt. Heuer wird er das traumatische Erlebnis auf der Bühne nachspielen und für das Publikum sichtbar nachempfinden. „Er stellt sich seiner Vergangenheit und bespielt die ganze Treppe“, so Etzel-Ragusa. Das sei vor allem für Zuschauer wichtig, die weiter weg von der Bühne sitzen. „Die brauchen mehr Bewegungen.“ Grundsätzlich würden neue Darsteller auch immer neue Impulse bringen. So hat man die Szene erst einmal ausprobiert und sie dann integriert, nachdem alle gut damit zurecht gekommen sind.

Einen Wandel erfahren auch die Ritterin, der Chamerauer und damit die Beziehung zueinander. „Die Ritterin wird aktiver, nimmt die Dinge in die Hand und lässt dem Chamerauer keine Ausreden durchgehen“, so der Spielleiter. Sichtbar wird das unter anderem in einer Szene, als sie dem Zögernden ein Schwert anbietet, wenn mangelnde Bewaffnung der Grund sein sollte, warum er nicht in den Krieg ziehen will. An anderer Stelle wird sie ihm die Räuberfahne zuwerfen. „Insgesamt bietet sie ihm mehr Paroli.“ Der Chamerauer ist im Gegensatz dazu frecher geworden. Er versucht, die Ritterin in eine Rolle zu drängen, in der er sie gerne hätte. Sie soll sein schutzbedürftiges Mädchen sein. Dementsprechend nennt er sie zu ihrem Unmut nicht nur einmal sein „Schneckerl“, redet darüber hinaus mit ihr wie mit einem Kind. Die Ritterin bemerkt sein Vorhaben und verwendet es gegen ihn.

Dann ist da noch das Dreiecksverhältnis zwischen den beiden Männern und der Ritterin. Peter von Chamerau kommt an einen Punkt, an dem er bei entsprechender Argumentation akzeptieren würde, dass sich sein Schützling für Udo entscheiden würde.

Ritter Udo ist der Macher

Udo muss sich in seine Rolle finden. Er, der Analphabet, ist der Macher, der in den Krieg zieht, ohne nachzudenken. Das hat er seinem Kontrahenten, der lesen und schreiben und sich in der feinen Gesellschaft bewegen kann, voraus. Gemeinsam verkörpern die weltgewandte Ritterin und der zupackende Ritter das perfekte Paket für die Situation, in der sie sich befinden.

Ritterin und Ritter

Der Kartenvorverkauf läuft zufriedenstellend, Organisationsleiterin Ulrike Eder sagt, dass man derzeit bei rund 60 Prozent liegt. Die Wetterprognosen für die kommenden Wochen sind gut. Der Drachenstich kann kommen. Wie alle anderen Spieler ist auch das Ritterpaar bereit. Alexander Etzel Ragusa sagt, dass man Eva Baier ihre Tanzausbildung ansieht. Sie habe ein ausgeprägtes Körpergefühl, das sie bewusst einsetzen kann. Ludwig Fleischmann hat schnell in die Rolle gefunden, den Ritter auf die richtige Art zu spielen.