Historischer Verein Furth im Wald möchte nicht, dass historische Persönlichkeiten verschwinden

Auf dem Further Friedhof liegen natürlich auch Persönlichkeiten, die das Bild der Grenzstadt geprägt haben. Damit sie nicht in Vergessenheit geraten, wenn die Gräber aufgelöst werden, wünscht sich der Historische Verein eine Auseinandersetzung mit dem Thema.
Werner Perlinger ist nicht nur 2. Vorsitzender des Vereins, sondern auch ein wandelndes Stadtgeschichtsbuch. So gerät ein gemeinsamer Besuch auf dem Friedhof zu einer spannenden Geschichtsstunde.
Er zeigt den ehemaligen Pestfriedhof auf dem die Hälfte der damals rund 1000 Einwohner begraben lagen, die der Seuche 1635 zum Opfer gefallen sind. Daneben steht die Kreuzkirche, die ab 1668 in zwei Bauphasen dort entstanden ist.
Immer mehr leere Grabfelder
Längst sind die namenlosen Toten Familiengräbern gewichen. Entlang der Friedhofsmauer liegen unter anderem die prunkvollen Grabstätten einflussreicher Unternehmerfamilien. Perlinger kennt die Historie hinter den Namen und führt zu dem Teil des Gottesackers, der einmal als Waldfriedhof angelegt wurde.
Nachdem ein Sturm viele der Bäume umgenickt hat und Gräber dadurch massiv geschädigt wurden, ließ man den Großteil der Bäume entfernen. Dahinter liegt der Bereich, in dem nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlinge ihre letzte Ruhe fanden. „Inzwischen hat sich das vermischt“, so der Fachmann. Er zeigt die Stelle an der 150 Soldaten begraben lagen, die später umgebettet wurden und weist auf das große Kreuz bei der Leichenhalle hin: „In Christus ist Heil“, steht auf dem Sockel. Es darf als Protest des mutigen Stadtpfarrers Stephan Müller verstanden werden, der diese Inschrift als Gegenantwort auf die Allmachtsfantasien der Nazis formulierte. Das Heil gehe eben nicht nur vom Führer Adolf Hitler aus. Auf 30 Seiten ist die ganze Geschichte des Further Friedhofs im Jahrbuch zwölf des Vereins nachzulesen. Die Beispiele zeigen, wie viel Vergangenheit man aus Grabstätten herauslesen kann.
Auffällig ist, dass immer mehr Grabfelder nicht belegt sind. „Wenn die jungen Menschen anderswo arbeiten, verlieren sie häufig das Interesse an den Familiengräbern und kündigen das Grab“, sagt Perlinger. „Das stimmt“, gibt ihm Ordnungsamtsleiter Toni Lauerer Recht. Er kennt aber noch einen weiteren Grund: Früher lag das Verhältnis Grab: Urnenwände bei 80:20. „Heute ist es genau anders herum.“ Grundsätzlich wird eine Grabstätte für 15 Jahre im Voraus gemietet. „Danach verlängern wir automatisch immer um fünf weitere Jahre, solange, bis das Grab gekündigt wird oder niemand mehr dafür aufkommt“, so der Ordnungsamtsleiter.
Da beginnt für Jürgen Kögler, ebenfalls Mitglied im historischen Verein, das Problem: „Wenn ein bedeutender Mensch dringelegen hat, kann man den Namen nicht einfach so tilgen.“ Stellt sich die Frage, wer ist bedeutende Persönlichkeit? Noch einmal Lauerer: „Grabstätten von Stadtpfarrern, Bürgermeistern oder Ehrenbürgern werden von uns ohnehin weiter unterhalten.“ Wen der Historische Verein ansonsten im Blick habe, wisse er nicht.
Das ist für Perlinger der Punkt: „Es wäre schön, wenn der Stadtrat einmal das Thema aufgreift und sich damit befasst.“ Kögler führt das Beispiel Cham an. Dort gebe es eine Art Kommission zu diesem Thema. Der historische Verein wünscht sich, dass „Grabdenkmäler bedeutender Further, wenn die Gräber aufgelöst werden als Denkmal erhalten bleiben.“ Das gelte vor allem auch für die Grabmäler, die von künstlerischem Wert sind. Ein für Perlinger gangbares Beispiel: In die Friedhofsmauer rechts neben der Kreuzkirche wurde der Grabstein der Familie Blum eingelassen. Pechfabrikant Julius Blum war Ehrenbürger der Stadt. Ein weiteres Mitglied des Historischen Vereins hat noch eine weitere Lösung gefunden. Er wollte eine Grabstätte erhalten, die ansonsten verschwunden wäre. Er hat sie kurzerhand gekauft und wird sie in Zukunft für sein eigenes Familiengrab nutzen. Eine Richtlinie mit der man festlegen kann, wer historisch gesehen so bedeutend ist, dass seine Grabstätte als Denkmal erhalten bleibt, gibt es laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege (LFD) nicht. Grundsätzlich, sagt Lea Kramer vom LFD, „können sowohl einzelne Grabmale als auch gesamte Friedhofsanlagen denkmalgeschützt sein. “
Was wird aus Grabsteinen?
Und weiter: „Das LFD hat zahlreiche Gesamtanlagen auf ihre Denkmaleigenschaft überprüft. Die differenzierte Einzelerfassung von Grabmälern kann aus arbeitsökonomischen Gründen nur im Ausnahmefall erfolgen. Eine vertiefende Erfassung von Friedhöfen in Furth imWald ist nicht erfolgt.“Allerdings sei die Kreuzkirche zum Baudenkmal erklärt worden.
Was passiert eigentlich mit Grabsteinen, wenn die Nachkommen sie nicht haben wollen? „Kann ich Ihnen genau sagen“, so Perlinger, „die werden vom Steinmetz in Stücke geschnitten.“ Dann bekommen sie ein zweites Leben als Grenzsteine.


