Julian Preidl tippt auf Söder als Kanzler und zieht Bilanz nach 300 Tagen im Landtag

Von Christoph Klöckner · 28. Juli 2024 um 05:00

Am Anfang der 300 Tage stand das, was in der Demokratie in der Politik ganz weit vorn steht: Man muss sich in der eigenen Partei durchsetzen und danach auch noch von den Wählern gewählt werden. Das waren wohl die größten Hürden, die Julian Preidl von den Freien Wählern nehmen musste. Es sei der erste „Meilenstein“ gewesen, so der FW-Landtagsabgeordnete im Bilanzgespräch zur Sommerpause vor dem Biertor am Freitag.

Vor allem der erste Teil hat bei den Landkreis-Freien Wunden gerissen, die dem Vernehmen nach noch bei einigen heftig schmerzen. Julian Preidl hat das hier und da in den ersten 300 Tagen mitbekommen zu haben, denn nachgefragt, wie weit die Versöhnung gediehen ist, spricht er davon, dass er sich mehr Einheitlichkeit bei den Freien Wählern und mehr regionale Zusammenarbeit wünsche. „Das ist ja keine One-Man-Show, wie kritisiert wurde“, sagt er – so etwas funktioniere gar nicht als Landtagsabgeordneter für Cham. Doch sehe er das allgemein entspannt, „die Zeit regelt das!“

Er reiche hier den Kritikern die Hand und suche konstruktive Lösungen. „Das kriegen wir hin!“, ist er sich sicher und meint die Wundheilung der Freien Wähler im Westen. „Ich habe viele Initiativen auch Richtung Westen angestoßen, etwa in Walderbach oder auch in Tiefenbach“, er habe mit viele Bürgermeistern gesprochen und sieht sich auf gutem Weg: „Ich bin ja auch stellvertretender Vorsitzender im Kreisvorstand der Freien Wähler!“

Regionale Zusammenarbeit?

Offen für eine Verbesserung der regionalen Zusammenarbeit ist er auch gegenüber seinem CSU-Pendant aus dem Landkreis, Dr. Gerhard Hopp. Auf Nachfrage, was da im Duett für den Landkreis bisher möglich war – schließlich ist es eine Koalitionsregierung von CSU und FW – weicht er aus: „Fragen Sie Dr. Hopp.“

Man koaliere zwar, doch sei es eher eine Zweckehe als eine Liebesheirat. Da sei eine Zusammenarbeit wichtig, doch politisch müsse man sich auch voneinander differenzieren. „Der Landkreis und die Oberpfalz kommt aber an erster Stelle“, so sein politischer Kompass. Und das bedeute auch, wenn Gerhard Hopp einen gute Initiative für den Landkreis Cham starte, werde er ihn unterstützen. Er lade ihn auch ein, einmal vorbeizukommen in seinem Bürgerbüro.

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Der zweite Meilenstein sei die Ankunft im Landtag gewesen. „Hier ist viel Mitsprache möglich!“, so seine Erfahrung. „Ich dachte, dass es als junger Mensch schwieriger ist, zu Wort zu kommen“, sagt Preidl. Ohne Blick auf sein Alter sei er in der Fraktion akzeptiert, auch bei Hubert Aiwanger oder Florian Streibl. Erst vergangene Woche habe er zwei Stunden lang mit Aiwanger gesprochen, „alles auf Augenhöhe!“ Er habe natürlich erst einmal ankommen müssen im Landtag, sich einfinden in die Strukturen und Netzwerke aufbauen müssen. Das sei auch im Landkreis Cham so – nicht überall sei er schon bekannt.

Im Landtag ist er zum generationenpolitischen Sprecher der FW-Fraktion ernannt worden. Das heißt, er deckt eine breite Palette ab, deren Themen Junge wie Alte tangieren. Er habe bereits mit 25 Jugendverbänden gesprochen und wolle auch im Landkreis die Jugendparlamente der Städte an einen Tisch bringe, um zu erfahren, wo der Schuh drückt.

Mehr Geld soll ankommen

Und er sieht Handlungsbedarf in der Verwaltungsstruktur von Verbänden wie etwa dem Bayerischen Jugendring: „Es gilt, das Geld effizienter einzusetzen, damit mehr bei der Jugend ankommt!“ Hier müsse das Organigramm modernisiert werden. Er wolle die Verbände und Organisationen im Jugendbereich enger vernetzen und Hilfe leisten, wo solche unter EU-Regeln zu leiden hätten. Auch Seniorenthemen habe er auf dem Schirm, etwa das des Fachkräftemangels in der Pflege oder die Barrierefreiheit. Und auch das Thema „Humankapital stärker nutzen“ sei bei ihm präsent. Das bedeute, Menschen im Ruhestand stärker in gesellschaftliche Aufgaben einzubinden.

Wichtig ist ihm auch das Thema gesetzlich festgeschriebene Ganztagsbetreuung ab 2026. „Das wird viele Probleme im Landkreis und in den Kommunen aufwerfen“, ist sich Julian Preidl sicher. Etwa, was mit der Landkreismusikschule oder den Vereinen passiert, die bisher auf Nachmittagstraining gesetzt haben. „Es gilt, den Kindern das bestmögliche Angebot zu bieten!“, sagt der FW-Landtagsabgeordnete. „Gleichzeitig warne ich vor zu viel Staat“, ergänzt er. Die gesetzliche Verankerung sei gut gemeint, doch wie man sie bei Lehrermangel oder fehlenden Busfahrern für den Schulbusverkehr umsetzen wolle, sei fraglich: „Das ist sicher eine große Aufgabe in der Legislaturperiode.“ Wie auch die Entbürokratisierung oder die Unterstützung der Bauern und des Mittelstands. Er stehe hinter der Forderung Aiwangers, die ersten 2000 Euro des Einkommens steuerfrei zu machen.

Eines ist ihm wichtig – er sei kein Freund des Ampel-bashings und dem Dauerschimpfen auf die Politik. So finde man keinen mehr, der‘s machen wolle. Es gelte, gute Botschaften ins Land zu tragen. Wobei er trotz seiner kurzen Zeit im Parlament schon üble Erfahrungen mit der AfD gemacht habe. Die offenen Drohgebärden der Rechtsextremen seien unübersehbar, so Preidl, ob auf der Straße nach den Sitzungen oder zu Hause, wenn sie durchs Fenster schauen würden.

Und was ist mit der K-Frage? Preidl drückt sich nicht davor. Für ihn hat das Pendel längst Richtung Bayerns Ministerpräsident ausgeschlagen. „Markus Söder wird Kanzlerkandidat“, ist er sich sicher.