Julian Preidl tritt für die Freien Wähler an: „Ich will Probleme auch wirklich ansprechen“

Seine Nominierung war schon eine kleine Sensation an sich – doch auf seinen guten Listenplatz alleine will sich Julian Preidl nicht verlassen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.
Julian Preidl hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich auf jedes politische Amt im Landkreis Cham beworben und davon auch einige bekommen: Stadtrat ist er für die Freien Wähler in seiner Heimatstadt Bad Kötzting; Kreisrat ist er auch – außerdem seit 2022 Büroleiter des FW-Landtagsabgeordneten Robert Riedl, der damals für Joachim Hanisch nachgerückt war. Landrat wollte Preidl auch schon werden und landete auf dem zweiten Platz – nun will er im Oktober in den Landtag in München einziehen.
Den dritten Platz konnte er sich auf der Liste dafür sichern. Ein aussichtsreicher Platz, wie er selbst sagt, gebe es doch drei Abgeordnete der Freien Wähler für die Oberpfalz im Moment im Landtag. Für diesen Platz musste er auch einiges tun, sich zum Beispiel in einer denkwürdigen Kampfabstimmung der drei Verbände der Freien Wähler im Landkreis Cham gegen den Chamer Vorsitzenden Christian Schindler durchsetzen. „Das mit Christian passt alles“, sagt Julian Preidl darauf angesprochen – ein Thema, auf dem nicht „ewig rumgehackt werden “ müsse.
Authentisch sein ist wichtig
Dafür hat der Bad Kötztinger im Moment wohl auch gar keine Zeit. Denn auch wenn er den Wahlkampf um den Posten des Landrates im Jahr 2020 ebenfalls mit aller Kraft geführt habe, so stünden die Chancen nun ganz anders – und auch er selbst sei besser aufgestellt.
Mit 28 Jahren verweist er auf das, was er für die Aufgaben im Maximilianeum bereits mitbringen könne. Neben einem Studium der Politikwissenschaft sei das die gesammelte Erfahrung in Stadtrat und Kreistag sowie das Netzwerk in München, das er sich in den vergangenen 20 Monaten an der Seite von Robert Riedl habe aufbauen können. Diese Erfahrungen bringen ihn auch dazu, das Amt im Landtag für sich so zu definieren: „Es geht darum, authentisch, nahbar und jemand zu sein, bei dem man Probleme ansprechen kann.“
Natürlich habe auch er politische Schwerpunkte, für die er sich ab Oktober, sollte er gewählt werden, einsetzen wolle: Die Energiewende etwa, in der ein Flächenlandkreis wie Cham auch für die Ballungsräume eine große Rolle spielen könne; oder auch, das Potenzial der Wasserstoff-Technik besser zu nutzen.
Dass er das Ende des „Migrations-Chaos‘“ fordere, sei kein Fischen „am rechten Rand“, sondern eine weitere Überzeugung, die er in vielen Gesprächen gesammelt habe. Während gut integrierte Asylbewerber, die auch in Unternehmen vor Ort dringend gebraucht würden, werde umgekehrt Geld in die Integration von anderen gesteckt, die das vielleicht gar nicht wollten – so geschehe es, dass Bürger Migration generell ablehnten, während Unternehmen sie wollten. Ein Missverhältnis, das es aufzulösen gelte. „Wir bräuchten hier auch mehr Politiker, die sagen, was auch die Leute sagen“, zeigt sich Julian Preidl überzeugt. Eine Haltung, die er selbst bei vielen ins Amt Gewählten vermisse.
Das gelte auch für Vorstöße wie jüngst um den Einbau von neuen Heizungen, der auf breite Ablehnung gestoßen sei. „Hat da eigentlich niemand auch nur einmal mit einem Installateur gesprochen?“, frage er sich. Auch so ein Problem, das mit Zuhören im Vorfeld hätte vermieden werden können. Politiker müssten nicht immer so tun, als wüssten sie alles, denn das ginge auch gar nicht. Aber zuhören, das könnten sie schon, und dann als Mittler die Anliegen der Bürger auch wirklich in die Parlamente weitertragen – und so ein Politiker sei er, sagt Julian Preidl.
Wiedererkannt durch TikTok
Darum sei er sehr viel in den vergangenen Wochen und Monaten unterwegs gewesen, an Info-Ständen, in Firmen, auf Vereinsfesten – bei Letzteren gerne auch gegen den Rat der „alten Hasen“ nicht bei der Polit-Prominenz, sondern unter den Menschen vor Ort. Das sei der Platz, der ihm auch wesentlich mehr Freude bereite, weil er bei jedem Gespräch wieder ein wenig mehr mitnehme, was er für seine Art der politischen Arbeit mitnehmen. Im Gegensatz zum Landrats-Wahlkampf sei der um den Sitz im Landtag ein „All-in“, sagt er.
Nicht nur, weil er den Sprung schaffen wolle, sondern auch privat. Die Freien Wähler verfügten nicht über die ganz großen Wahlkampf-Budgets anderer Parteien, und so finanziere er vieles aus eigener Tasche. Da scheinen moderne Methoden wie Videos in den sozialen Medien nicht der schlechtestes Weg zu sein: Beim Gespräch am Biertor in Cham erkennt ihn ein Wanderer gleich aufgrund eines TikTok-Videos wieder.
Ob er ihn wählen wird und es dann reicht am 8. Oktober? Wenn nicht, dann habe er auch noch einen Plan B, sagt Julian Preidl. „Aber den will ich jetzt noch nicht verraten“, sagt er, denn sein Ziel sei ja schließlich München.
Persönliche Fragen
Lieblingsort?: „Im Landkreis Cham ganz klar der Kreuzfelsen auf dem Kaitersberg“, sagt Julian Preidl aus Bad Kötzting. Auch wenn er nur alle anderthalb Monate auf dem 999 Meter hohen Gipfel des Massivs sein kann, sei das Heimat für ihn.
Lieblingsbuch?: Zeit zum Lesen hat Preidl fast nur im Urlaub, da können etwa zwei Bücher pro Jahr gelesen werden – Podcasts während Autofahrten sind da die einfachere Lösung, etwa Zeit Verbrechen – in Buchform favorisiert er Achtsam morden von Karsten Dussen.
Persönliches Vorbild?: International der ehemalige US-Präsident Barack Obama – in Bayern ist es Fabian Mehring: Jahrgang 1989, seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtages für die Freien Wähler für den Wahlkreis Schwaben und ebenfalls studierter Politikwissenschaftler.
Lieblingsspeise?: Lasagne, auch gerne selbst gekocht – und auch das Schweinerne darf es ab und zu mal sein.