BRK-Rettungsdienst im Kreis Kelheim: in Gefahr oder reibungslos? Ansichten klaffen auseinander

Von Martina Hutzler · 26. Juli 2024 um 17:50

In ihrem Brandbrief kritisieren acht Vize-/Wachleiter des BRK-Kreisverbands Kelheim ihre Arbeitsumstände, wofür Rettungsdienstleiterin Josefine Gebendorfer sowie Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl verantwortlich seien. In einem ausführlichen Statement widerspricht Kühnl den Vorwürfen. Wir dokumentieren beides in Auszügen.

• Führungsstruktur: Konkret monieren die Wachleiter, dass „wichtige Informationen nicht, unvollständig oder verspätet an uns weitergegeben werden“. Etwa Neueinstellungen, die ja für den Dienstplan relevant seien, nennt der Sprecher der Acht als Beispiel. Auch Fragen würden oft spät oder gar nicht beantwortet. Zwei neu eingestellten Assistenten der Rettungsdienstleitung (RDL) fehle es an „tieferen Kenntnissen“ und klar definierten Zuständigkeiten, heißt es im Brandbrief.

KGF Kühnl räumt ein, es sei „korrekt, dass die Kommunikations- und Informationspolitik der Bereichsleitung Rettungsdienst ausbaufähig ist und verbessert werden kann“. Ein „Defizit in der Erreichbarkeit“ könne er bei Gebendorfer aber „nicht feststellen“. Die neuen Assistenten sollen sie von der „massiven Belastung durch das Tagesgeschäft“ entlasten, um „Prozesse und Abläufe weiterzuentwickeln“.

• Personalpolitik: Die Wachleiter monieren, das Lager und der Vollzug des Medizinprodukte-Gesetzes (MPG) seien „ohne ersichtlichen Grund“ personell umorganisiert worden. Diese Gründe sieht KGF Kühnl sehr wohl: Im Lager sei für einen schwerbehinderten Kollegen „ein altersgerechter Arbeitsplatz geschaffen“ worden; der bisher Zuständige habe daraufhin seine Tätigkeit niedergelegt wegen persönlicher Differenzen mit dem Neuen. Diese Darstellung wiederum weist der bisher Zuständige (Name der Redaktion bekannt) empört zurück.

Und „der Beauftragte für Medizinproduktesicherheit wurde aus seiner Funktion abberufen, da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit [ihm] nicht möglich war“, begründet Kühnl die zweite Personalie.

Aus Sicht der Wachleiter haben die Personalmaßnahmen den „vormals reibungslosen und unkomplizierten Ablauf“ gravierend gestört und bewährte Strukturen fast zerstört. Auch das sieht Kühnl anders. Der Kollege fürs Lager habe zwar anfangs EDV-Probleme gehabt, arbeite sich aber sehr bemüht ein.

Für das MPG-Management – das vorübergehend zum Kreisverband Regensburg ausgelagert war – sei mittlerweile „wieder ein örtlicher Ansprechpartner gefunden“. Es sei „zu keinem Zeitpunkt aufgrund defekter oder nicht vorhandener Medizinprodukte oder von fehlendem Verbrauchsmaterial zu Fahrzeugausfällen gekommen“, betont Kühnl.

Als „systematische Gängelung“ werten die acht Wachleiter, dass „verdiente Mitarbeiter ungefragt über Wochen außerhalb ihrer Stammwachen“ eingesetzt würden und andere, teils „junge äußert motivierte Mitarbeiter (…) ohne Erklärung von ihren Aufgaben entbunden“ worden seien.

Hierzu erklärt der Geschäftsführer, es seien „lediglich zwei zeitlich befristete Abordnungen gegen den Willen der Betroffenen“ erfolgt, beide begründbar und arbeitsrechtlich zulässig. Systematische Gängelung durch die RDL sei nicht beleg- und wahrnehmbar.

• Umgangston: Im Brandbrief wird der RDL „ein völlig untragbarer Führungsstil“ attestiert. „Ein grober Tonfall verbunden mit unterschwelligen aber auch offenen Drohungen ist keine Ausnahme“, heißt es wörtlich. Beides können Kühnl und Gebendorfer „nicht nachvollziehen“: Der KGF liege hierzu „nicht eine namentliche Beschwerde“ vor. Im Brandbrief sind beispielhaft die Begriffe „Feiglinge“ und „Barbaren“ zitiert, die von RDL respektive KGF verwendet worden seien.

• Folgen: Laut Wachleitern schlägt all dies den rund 80 Beschäftigten im Rettungsdienst schon aufs Gemüt: Viele verlören die Motivation, Azubis seien verunsichert. Es sinke die Bereitschaft, sich über den regulären Dienst hinaus zu engagieren, etwa kurzfristig als Vertretung. Das gefährde das Einhalten der vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Rettungszweckverband.

KGF Kühnl hält dem „weiterhin eine Besetzungsquote von 100 % aller Rettungsdienst-Schichten“ entgegen – obwohl die Planung wegen einer Gesetzesnovelle heuer noch schwieriger sei. RDL Gebendorfer habe auch versucht, das Ausfallrisiko durch Etablieren einer Rufbereitschaft zu senken – das hätten die Wachleiter aber „grundsätzlich abgelehnt“.

• Fazit: Die acht Unterzeichner erklären, sie könnten „die Verfehlungen und Fehlentscheidungen der RDL“ samt negativer Folgen für den Kreisverband „nicht länger mittragen“, zumal die Kreisgeschäftsführung dieses Verhalten „offensichtlich unterstützt oder zumindest toleriert“. Sie appellieren an die Kreisvorstandschaft, „geeignete Schritte einzuleiten, um auch zukünftig einen funktionierenden Rettungsdienst zu gewährleisten“.

KGF Kühnl kontert, „zu keinem Zeitpunkt war oder ist die Durchführung der Notfallrettung oder des Krankentransportes ausgefallen oder beeinträchtigt“. Aktuell sei nur eine Planstelle im Rettungsdienst unbesetzt – zehn Vakanzen habe RDL Gebendorfer bei ihrem Start vorgefunden.