Regensburg verneigt sich: Kulturpreis geht an Regina Hellwig-Schmid

Von Marianne Sperb · 26. Juli 2024 um 16:25

Die Künstlerin und Netzwerkerin bekommt die höchste Auszeichnung ihrer Heimatstadt im Bereich Kultur – Sie befruchtet seit seit Jahrzehnten den Dialog der Kulturen im Donauraum.

Regina Hellwig-Schmid ist reich an so vielem: an künstlerischer Schaffenskraft und an Gespür, mit ihren Werken die Köpfe und die Herzen zu erreichen. An glühender Überzeugung, dass Kunst uns zu besseren Menschen und die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Und an freundlich-hartnäckiger Verbindlichkeit, die es ihr ermöglicht, ein immer stabileres und dichteres Netzwerk über alle Donauländer hinweg zu knüpfen. Viele, auch internationale Auszeichnungen hat die Gründerin der donumenta für ihr außergewöhnliches Engagement erhalten. Jetzt ehrt ihre Heimatstadt sie mit der höchsten Auszeichnung, die sie im Kulturbereich zu vergeben hat.

Regina Hellwig-Schmid erhält den Kulturpreis Regensburg 2024, dotiert mit 10000 Euro, so hat es der Stadtrat am Donnerstag beschlossen. Die Stadt verneigt sich vor ihrem Lebenswerk und ehrt sie insbesondere für ihre Initiative um das internationale Kunstfestival donumenta.

„Ich freu’ mich riesig, riesig, riesig“

Der Anruf von Kulturreferent Wolfgang Dersch erreichte Hellwig-Schmid im Haus der Kunst in München, wo sie Präsidentin des Künstlerverbunds ist, eine ihrer vielen Funktionen. Und bei der Nachfrage der Mediengruppe Bayern am Freitag ist die Künstlerin gerade am Dörnberg-Forum unterwegs, wo zur Zeit das Art Lab on the Move der Donumenta Station macht, ein mobiler Kubus, der Kunst in Regensburgs Stadtviertel und zu den Menschen bringt. „Ich freu’ mich riesig, riesig, riesig“, sagt die Preisträgerin ins Handy. „Und ich danke allen, all den vielen, die mitgewirkt haben, Anteil haben.“

RHS, wie sich die Künstlerin und Kuratorin im Kürzel nennt, bestreift seit fast 40 Jahren unterschiedlichste Felder der Kunst: Land Art, Malerei, Video und Fotografie, Installation und Performance. An vielen Orten der Welt stellt sie aus. Das blaue Band der Donau, des 2850 Kilometer langen europäischen Stroms, ist so etwas wie der rote Faden, der ihr Werk durchzieht. Das fängt schon bei ihrem Atelier am Wiedfang an, in einem historischen Schiffswindenhäuschen, direkt an Steinerner Brücke und Fluss gelegen, 1992 eröffnet. 1994 gründete RHS mit acht Menschen den Verein Kunstknoten, gab ihrer Arbeit ein organisatorisches Fundament. Ihr erstes großes Friedensprojekt „pax danubiana – Flaschenpost für den Frieden“ vereinte im Jahr 2000 Künstlerinnen und Künstler aus zehn Donauländern zu einer Solidaritätsaktion für Frieden, die international Wellen schlug.

2001 und 2002 initiierte Hellwig-Schmid die ersten Internationalen DonauKonferenzen für Kunst und Kultur in Regensburg und Belgrad und gründete den donumenta e. V., den sie bis heute leitet. Basis für all dieses Tun ist ihre Überzeugung: Wer sich kennt, tötet sich nicht. Gemeinsames entdecken, Un-terschiede respektieren, diese Devise stand von Anfang an ganz oben in ihrem Logbuch.

Als Kopf und Gesicht der donumenta engagiert sich RHS „in unnachahmlicher Weise“ für das künstlerische und wissenschaftliche Kollaborieren von Kreativen in Mittel- und Südosteuropa – „und damit für den wichtigen Dialog der Kulturen“, formuliert es die Stadt gestern in ihrer Mitteilung. Gut zehn Jahre lang stellte der Verein in mehrwöchigen Festivals eins der Donauländer vor und zeigte, wie aufregend, wie anders, wie klug die Kunst der Nachbarn ist, und auch: Wie sehr alle Menschen, egal von wo und aus welcher Kultur, die gleichen existenziellen Fragen und Sehnsüchte umtreiben. RHS bewies dabei oft ein sicheres Gespür, holte Kreative an Bord, die später – nach der donumenta – international gefragte Stars wurden.

Ihre Anliegen: Frieden, Frauen- und Menschenrechte

Die erste donumenta 2003 stand im Zeichen der Ukraine, die 20 Jahre später von Russland in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg überfallen wurde, mit all den globalen Folgen, die uns gerade beschäftigen. Zur zehnten Donumenta 2012 waren dann Kreative aus dem ganzen Donauraum in Regensburg zu Gast. Unter dem Claim „14x14“ richteten sie das künstlerische Augenmerk auf die 14 Länder an der Donau.

Regina Hellwig-Schmid brennt und setzt Funken. So entwickelte sie ihre Herzenssache aus einem anfänglichen Ein-Frau-Büro heraus zu einer viele Länder umspannenden Unternehmung und, keine Nebensache: So gewann sie Förderer und Geldgeber, die einer Idee trauten. Der Aktionskreis wuchs und wuchs. Von 2016 bis 2019 begleitete RHS mit ihrem Team das EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum“, 2018 entstand die „Artist in Residence-Plattform Danube Region“, 2019 öffnete im Tunnel unter dem Regensburger Bahnhof das Art Lab, ein Kunstlabor, wo faszinierende multimediale Installationen genau am Puls der Zeit surften.

Das Wirken der Regensburger „Donau-Frau“ für Frieden, für die Sache der Frauen, für Menschenrechte und den europäischen Gedanken, wird stark gesehen. 2004 wurde sie „Frau Europas – Deutschland“. 2002 erhielt sie den Regensburger Kulturförderpreis, 2008 die Medaille um „Besondere Verdienste um Bayern im Vereinten Europa“, 2016 das Bundesverdienstkreuz, 2020 den Bayerischen Kulturpreis. Der Regensburger Kulturpreis ist sehr verdient. Und eigentlich musste er einfach kommen.