Im Obermünsterviertel rumort es weiter: Am Zeitplan der Sanierung gibt es bereits Kritik

Auf der Leinwand ist zu sehen, wie die Obermünsterstraße in Zukunft aussehen könnte. Davor steht Stadtplanerin Tanja Flemmig. Sie fängt an, zu sprechen – und nach ein paar Sätzen geht es schon rund.
Einige Besucher rutschen unruhig auf ihren Stühlen herum, es gibt wütende Zwischenrufe, und dann hitzige Gegenproteste mit der Aufforderung, Flemmig doch ausreden zu lassen. Kurzum: Die Beteiligung der Bürger für die Sanierung des Obermünsterviertels hat begonnen.
Das Areal im Süden der Regensburger Altstadt hat mittlerweile einen zweifelhaften Ruf: zu viele Autos, zu viele Diskos, zu wenig Grün, zu wenig Wasser. Dabei, das räumen selbst die härtesten Kritiker ein, könnte das Quartier grundsätzlich ein echtes Schmuckstück sein. Dafür müsste es aber umgestaltet und rausgeputzt werden. Nur wie und wann?
Jahrelange Diskussionen
Über diese zwei Kernfragen wird nun schon mehr als 15 Jahre diskutiert. Jetzt soll es wirklich endlich Antworten geben, sagt die Stadtverwaltung. Am Mittwochabend war die sogenannte Kick-off-Veranstaltung für die nun beginnende Beteiligung der Bürger.
„Es ist doch nix passiert“ – „Ihr habt’s geschlafen“. Flemmig will zu Beginn der Debatte eigentlich nur kurz erklären, warum es jetzt eine neue Bürgerbeteiligung braucht. Dies geht dann aber schnell im Geschimpfe mehrerer Zuhörer unter. Die machen mit ihren Zwischenrufen überaus deutlich klar, was sie davon halten, dass es vor Jahren bereits ausführliche Befragungen und Untersuchungen für eine Sanierung des Viertels gab, nun aber wieder aufs Neue ausführlich die Stimmung sondiert werden soll. Es könne aber eigentlich nicht mehr gewartet werden, heißt es.
Mehrere Dutzend Zuhörer sind gekommen. Viele Stadträte. Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Planungsreferent Florian Plajer nehmen auf einem der Stühle im Konferenzraum des Stadtbahnplanungsamtes Platz. Ein Ort, der irgendwie immer noch den Geist dieser bis zum Bürgerentscheid hammerhart geführten Debatte atmet und so irgendwie ganz gut für den Obermünsterviertel-Auftakt passt.
Dies bekommt auch Peter Wich vom Architekturbüro Terra.Nova, das den Zuschlag für die Gestaltungsplanung erhielt, zu spüren. Als er erzählt, wo sein Unternehmen schon tätig war und dazu Bilder zeigt, rumort es wieder im Publikum.
Eine Zuhörerin moniert, dass hier doch nur Steinwüsten zu sehen seien, das Obermünsterviertel aber vor allem eine Begrünung brauche. Wich kann die Dame dann aber offenbar beruhigen. Er erklärt, dass jede Stadt ihren eigenen Charakter habe. Bei manchen brauche es weiter viel Stein, bei anderen viel Grün. Das Obermünsterviertel gehöre zu letzterem.
„Das ist doch entsetzlich“
Danach dürfen die Zuhörer reden. Das Grundkonzept, das Wich vorgestellt hat, erhält viel Lob. Harsch kritisiert wird einzig der Zeitplan. Verkehr. Lärm. Diese Probleme müssten schnell angegangen werden, heißt es. Am besten jetzt. Achim Hubel von den Regensburger Altstadtfreunden fordert dies ohnehin seit Jahren. Und er habe durch die Präsentation jetzt erfahren, dass frühestens 2028 mit dem Umbau begonnen wird, sagt er. Da sei wieder ewig hin: „Das ist doch entsetzlich.“ Dabei müsse zumindest in Sachen Verkehr ganz im Gegenteil schnell gehandelt werden: „Das muss sofort passieren.“
Dann melden sich noch Anwohner und Geschäftsleute zu Wort. Einer sagt, dass es viel zu viele Ruhestörungen durch Partygänger gebe und redet sich dabei fast in Rage: „Es wird 24 Stunden rund um die Uhr gefeiert“, wettert er. Insbesondere der Automaten-Kiosk sei ein Hotspot. Zudem meldet sich eine Frau, die vor kurzem mit ihrem Bestattungsunternehmen ins Viertel gezogen ist. Sie appelliert daran, dass sich alle Lager aufeinander zu bewegen müssten. Sie verstehe, dass das Viertel saniert und auch der Verkehr neu geplant werden müsse. Für ihr Geschäft sei es bislang aber natürlich ein großer Vorteil, dass sie ins Quartier reinfahren könne. Und beim Thema Nachtleben fordert sie dazu auf, nicht zu vergessen, dass junge Menschen eben auch irgendwo einen Platz bräuchten, wo sie feiern dürfen.
Beteiligungsprozess soll eineinhalb Jahre dauern
Ergebnisse gibt es an diesem Abend nicht. Das war auch nicht geplant. Der Beteiligungsprozess ist auf eineinhalb Jahre ausgelegt. Die Beziehung zwischen Stadt und Bürger, das wird deutlich, dürfte beim Obermünsterviertel aber schwierig bleiben. Die Spitzen der Verwaltung halten sich auch überraschend zurück. Der Planungsreferent redet nur kurz zur Begrüßung, die Oberbürgermeisterin meldet sich später mit ein paar Sätzen zum Parkhaus zu Wort.
Im Kreuzfeuer der Stadt-Kritiker steht heute somit stellvertretend und fast allein Flemmig. Die behält bei der Debatte aber stets die Ruhe. Nach dem hitzigen Beginn wird es später auch deutlich entspannter. Doch als hier zum gefühlt tausendsten Mal eine sofortige Verkehrsberuhigung gefordert wird, nimmt Flemmig ein einziges Mal nicht mehr alles auf sich und die Verwaltung. „Wir bräuchten da eben auch einen entsprechenden politischen Beschluss“, sagt sie – und die vielen Stadträte, die gekommen sind, um die Debatte zu verfolgen, werden dies sicher gehört haben.
