Obermünsterviertel: Beginnt bei der Planung der Sanierung nun wieder alles von vorn?

Von Jürgen Scharf · 22. Juli 2024 um 17:00

Das Urteil der Stadtverwaltung war eindeutig: die Straßen und Plätze des Obermünsterviertels sind schlecht gestaltet, die Fußwegverbindungen sind miserabel und auch die dortigen Sehenswürdigkeiten werden unter Wert verkauft. Kurzum: Im Obermünsterviertel muss etwas getan werden. Das ist jetzt 15 Jahre her.

Als 2009 dem Stadtrat dieser Abschlussbericht einer Untersuchung vorgelegt wurde, war Hans Schaidinger Oberbürgermeister und der SSV Jahn spielte noch im alten Stadion an der Prüfeninger Straße. Seitdem sind viele Jahre vergangen, im Obermünsterviertel hat sich – einzig das Parkhaus wurde erneuert – im Kern aber bis heute nichts verändert. Das Viertel wurde später zwar offiziell als Sanierungsgebiet ausgewiesen und auch in Förderprogramme aufgenommen, es wurden die Bürger beteiligt und Planungsziele festgelegt, die Bagger rollten aber bis heute nicht an. Das soll sich jetzt endlich ändern. Zumindest soll nun wieder einmal geplant werden.

„Enormes Potenzial“

Am Mittwochabend um 18Uhr lädt die Stadt Regensburg zum „Beteiligungsauftakt“ ins Amt für Stadtbahnneubau in der Hemauerstraße ein. In der offiziellen Einladung teilt sie mit, dass die Obermünsterstraße und der Obermünsterplatz ein enormes Potenzial für Verbesserungen in den Bereichen Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität und Klimaresilienz haben würden. Zudem stehe eine Modernisierung des Kanalsystems bevor. Deswegen sei ein Landschaftsarchitektur-Büro beauftragt worden, eine „zukunftsorientierte Planung“ zu entwickeln. Diese soll allerdings gemeinsam mit den Bürgern gestaltet werden. Deren Teilnahme an diesem Prozess sei „von großer Bedeutung, um dieses Quartier zu einem lebenswerten und nachhaltigen Umfeld zu entwickeln“.

Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass sich die Einladung vor allem an Menschen richte, die direkt in dem Viertel beteiligt sind, also etwa Anwohner, Hauseigentümer, Geschäftsleute oder Vereine. Am Mittwochabend soll den Besuchern nun das weitere Vorgehen erläutert und Informationen zur Verfügung gestellt werden. Danach gebe es noch die Möglichkeit zum Gespräch. Eine Anmeldung sei nicht erforderlich.

Zur Frage, ob es öffentlich Informationen gibt, mit denen sich Besucher auf die Veranstaltung vorbereiten könnten, teilt die Stadt mit, dass sie vorab keine weiteren Details veröffentlichen will, auch nicht über das Architekturbüro: „Gemeinsam mit den Bürgern möchten wir am Mittwoch mit der Beteiligung beginnen.“

Dass im Obermünsterviertel viele Jahre trotz des offensichtlichen Sanierungsbedarfs nichts voranging, sorgte immer wieder für hitzige Debatten. Äußerst kritisch äußerten sich mehrmals auch die Regensburger Altstadtfreunde.

„Es ist eigentlich alles da“

Der Verein fordert seit Jahren, dass die Sanierung gestartet werden muss. Vorstandsmitglied Achim Hubel sagt jetzt, dass er sich über den Zweck der Veranstaltung am Mittwoch nicht wirklich im Klaren sei: „Die Lage im Obermünsterviertel wurde ja bereits ausführlich untersucht, es gab ein eigenes Büro, es wurden Gutachten erstellt, es ist also eigentlich alles schon da.“

Er findet nach wie vor, dass „man sofort loslegen könnte, zumindest mit einzelnen Maßnahmen“. Dass nun aber erst der Startschuss für einen Beteiligungsprozess erfolgen soll, komme ihm „etwas merkwürdig“ vor, „es wirkt fast so, als ob wieder alles von vorne beginnen würde“.

Die Altstadtfreunde hatten unter anderem vehement für eine Verkehrsberuhigung geworben. Hubel erinnert daran, dass „bis auf die CSU da eigentlich alle Fraktionen dafür gewesen sind“. Die CSU habe in der Koalition aber stets ein Veto eingelegt und dies damit begründet, dass erst die Mobilitätsdrehscheibe am Alten Eisstadion fertiggestellt sein muss. Nun ist aber die Koalition zerbrochen, „und jetzt ist offenbar selbst die CSU gegen den Bau des neuen Parkhauses dort“, sagt Hubel. Deswegen stünde einer Verkehrsberuhigung im Obermünsterviertel doch nichts mehr im Weg, findet er.