Nach jahrelanger Sanierung: Der Blomenhof in Neumarkt steht zum Verkauf

Von Eva Gaupp · 26. Juli 2024 um 05:00

Über Jahrzehnte schien sich das alte Gemäuer am viel befahrenen Berliner Ring in Neumarkt nur noch mühsam aufrecht zu halten. Dann retteten Ingrid Schmaußer und Denis Winkler den Blomenhof vor dem endgültigen Verfall. Jetzt wollen sie das geschichtsträchtige Wirtshaus mit dem idyllischen Biergarten verkaufen.

Rund drei Jahre lang hatte das Paar mit enormem Aufwand und viel Liebe das Gebäude saniert, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1571 zurückreichen. In Partnerschaft mit dem Denkmalschutz wurden Berge von Müll entsorgt, moderne Einbauten entfernt, historische Fliesen verlegt, der über 400 Jahre alte Dachstuhl ertüchtigt, das Dach mit handgefertigten Ziegeln gedeckt, die Wände originalgetreu mit Lehm, Stroh und Matten aus Weidenruten aufgezogen.

Immobilienmakler Feldbusch: „Ein Stück Geschichte“

Im Frühjahr 2017 war zunächst der Gasthof eröffnet worden, für den Biergarten hatte die neue Besitzerin extra zwei alte, mächtige Kastanienbäume pflanzen lassen.

„Es wäre schön, wenn nicht ein anonymer Investor das Ensemble kauft, sondern jemand, der wieder genauso viel Herz in das Wirtshaus steckt“, sagt Anatolij Feldbusch. Der Neumarkter Immobilienmakler hat die Aufgabe, einen Käufer für das außergewöhnliche Objekt zu finden. Eine sehr ehrenvolle Aufgabe, wie der 34-jährige Unternehmer betont. „Mit dem Blomenhof kauft man ein Stück Geschichte und Prestige.“ So einen Auftrag bekomme man nicht jeden Tag auf den Tisch.

Über die Gründe, weshalb Ingrid Schmaußer den Gasthof veräußern will, schweigt er sich aber aus. Und auch die Besitzerin möchte sich dazu nicht öffentlich äußern. In den sozialen Medien war dieser Tage bereits über das Gerücht spekuliert worden, der Blomenhof werde verkauft. Und auch im Internet wurde über die derzeitige Situation des Wirtshauses diskutiert. Essen, Ambiente und die Bedienungen werden in den Google-Bewertungen überwiegend sehr gelobt.

Neumarkter Blomenhof bietet selbst gebrautes Bier

Genau das hatte sich die Biersommelière und selbstständige Kauffrau Ingrid Schmaußer vor zehn Jahren, als sie die einstige Hofstelle und Schankwirtschaft erwarb, zum Ziel gesetzt: traditionelle bayerische Kost, Braten und Brotzeit, dazu selbst gebrautes naturbelassenes Bier. Hier können sich Besucher, die den Alten Kanal entlangradeln, mit Kaiserschmarrn oder Schnitzel stärken – manchmal sogar überraschend begleitet von den zünftigen Klängen des bekannten Neumarkter Duos „Bröslschmarrn“.

„Es wäre traurig, wenn das Wirtshaus wieder leer stünde.“ Anatolij Feldbusch, Immobilienmakler

Jetzt kommt das gut 2100 Quadratmeter große Areal mit Wirtshaus, Brauerei, Gärlager und Tanks, Biergarten, Backhaus, Parkplätzen und dem kompletten Inventar auf den Markt. Auch der hauseigene Braumeister Stefan Kosczynski wolle am liebsten weitermachen, verrät Anatolij Feldbusch nebenbei. Im modernen Nebengebäude ist eine Pächterwohnung untergebracht, die derzeit als Büro genutzt wird.

Rund drei Millionen Euro seien angepeilt, sagt Feldbusch. Die hauseigene kleine Brauerei sei ein „Riesenvorteil“ und Alleinstellungsmerkmal, schränke aber natürlich die Zielgruppe auch etwas ein. Deshalb spreche er exklusive potenzielle Käufer direkt an – vor allem Brauereien. Er ist davon überzeugt, dass der Blomenhof mit seinem ruhigen, aber dennoch verkehrsgünstigen Standort ein Kleinod ist, das Seinesgleichen sucht.

Ideal wäre es, wenn er ohne Unterbrechung weitergeführt werden könnte. „Es wäre traurig, wenn das Wirtshaus wieder leer stünde“, sagt Feldbusch. Sei es doch nicht nur in den Sommermonaten bei Radfahrern ein beliebtes Ziel, sondern habe es doch auch historisch gesehen eine Bedeutung für die Stadt Neumarkt.

Urig gemütlich haben Ingrid Schmaußer und Denis Winkler die Gaststube herrichten lassen. Foto: Daniel Böhm
Um dem denkmalgeschützten Gebäude gerecht zu werden, wurden historische Fliesen verlegt. Foto: Daniel Böhm
Im März 2014 war die alte Schankwirtschaft komplett entkernt worden. Foto: Selendt
„Für mich ist das einer der schönsten Biergärten Bayerns“, sagt Immobilienmakler Anatolij Feldbusch.