Wie schützt Neumarkt seine Bürger vor Überflutungen nach Starkregen? Eine Lösung kommt aus Belgien

Nach den starken Regenfällen und damit einhergehenden Überflutungen Anfang und Ende Juni stellt man sich in etlichen Orten im Landkreis die Frage: Wie mit der wachsenden Gefahr umgehen? In Neumarkt hat die Stadtverwaltung im Stadtrat Antworten präsentiert. Auch auf die Bürger kommt es an.
Werner Schütt vom Umweltamt beschrieb im Stadtrat die neue Herausforderung: Anders als klassisches Hochwasser durch übers Ufer tretende Bäche und Flüsse, können Überflutungen durch Starkregen überall auftreten. Und sie tun es immer häufiger, so wie am 1. und am 27. Juni.
Neumarkts Lage in einem Kessel mit den umgebenden Hängen macht es in dieser Hinsicht verletzlich. Vereinfacht gesagt: Wasser, das von den Hängen kommt, muss durch die Stadt.
Die Starkregen im Juni stufte Schütt als zehnjährige bzw. 50-jährige Ereignisse ein. Heißt: Sie finden statistisch gesehen mindestens ein mal alle zehn Jahre bzw. 50 Jahre statt. Die historisch gewachsene Kanalisation sei für derartige Wassermassen nicht ausgelegt.
Gefahr von Überflutungen lässt sich nicht gänzlich verhindern
In gewissen Umfang könne die Kanalisation baulich angepasst werden, allerdings sei dies eine teure Aufgabe von Jahrzehnten. Und auch dann wird es aus Sicht des Experten nicht möglich sein, sich durch eine ausgebaute Kanalisation und weitere Rückhaltebecken auf jegliche Eventualität vorzubereiten. Bedeutet im Ergebnis: Die Gefahr von Überflutungen lässt sich nicht zu 100 Prozent verhindern.
„Das Wasser muss auf der Oberfläche abfließen können“, sagte Schütt. Letztlich muss die Stadt aus seiner Sicht fähiger werden, Wasser wie ein Schwamm aufzunehmen. Beispielsweise durch zu Mulden umgebaute Grünflächen, in denen Wasser versickern kann. Weniger Fläche zu versiegeln gehört ebenso zu den Maßnahmen wie Gewässer zu renaturieren.
Flood4Cast sagt die Gefahr von Überflutungen voraus
Gefragt sei aber nicht nur die Kommune, sondern jeder Einzelne, betonte Schütt. Hausbesitzer müssten sich auf die steigende Gefahr durch Überflutungen einstellen. Ein Beispiel dafür sind druckdichte Kellerfenster. Weitere Hinweise gebe der „Leitfaden Starkregen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung.
Damit sich Bürger und Einsatzkräfte besser auf Unwetter vorbereiten können, will die Stadt eine Software testen. Die belgischen Entwickler von Flood4Cast versprechen, Starkregen und Überflutungen bis zu drei Stunden im Voraus vorhersagen zu können – und das bis auf einzelne Straßen genau.
Alle fünf Minuten aktualisiert sich die Berechnung. Die Entwickler sprechen von einem mehr als 80 Prozent genauen Ergebnis. Werden gewisse Sicherheitsschwellen gerissen, versendet das Programm automatisch Warnungen an die Einsätzkräfte.
Auch Bürger sollen profitieren. Denkbar sei es, Flood4Cast in die neue Neumarkt App einzubinden, erklärte Schütt. Neumarkter könnten sich dann in der App über die Lage informieren. Noch ist das aber nur eine Idee. Die Stadt will die Software zunächst testen.
Eingebettet werden könnte dieses Instrument schließlich in ein noch zu erarbeitendes städtisches Konzept für Sturzfluten-Risikomanagement. Darin sollen alle Maßnahmen gebündelt werden, seien sie baulich, technologisch oder organisatorisch.