Welche Lehren zieht man aus den Sturzfluten im Landkreis Neumarkt?

Am Montag war der Himmel zwar grau über dem Landkreis Neumarkt, aber es fiel kein Regentropfen mehr. Das gab Gelegenheit, um eine Bilanz des Wochenendes mit seinen Sturzfluten zu ziehen. Ergebnis: Die Feuerwehren sind vorbereitet. Aber sind es auch die Gemeinden und die Bürger?
Im Großen und Ganzen gilt für den Landkreis, was Rudi Graf aus Brunn (Lauterhofen) für seinen Fall sagt: „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“. Bei ihm hatten die Sturzfluten ein Nebengebäude geflutet. Großer Schaden sei nicht entstanden, aber eine Menge Dreck, sagt der örtliche Feuerwehrkommandant am Montag.
Alle News auf einen Blick: Unwetter im Newsblog: Aktuelle Infos zur Lage in Ostbayern.
Rund 200 Einsätze hatten die Feuerwehren im Landkreis Stand Montag seit dem Beginn der starken Regenfälle am Samstag, zählt deren Pressesprecher Daniel Gottschalk auf. Einen Schwerpunkt habe es nicht gegeben. Die Einsätze verteilten sich. Für Neumarkt sprach die Stadt von 60 Einsätzen. Auffällig war, dass der Altmühlraum um Dietfurt eher wenig betroffen war.
Feuerwehr zieht Bilanz nach Sturzfluten im Landkreis Neumarkt
Das Fazit der Einsatzleitung: Auch wenn es für die Betroffenen sicher schwierig sei, aus übergeordneter Sicht habe es keine großen Probleme gegeben – trotz zahlreicher voll gelaufener Keller und Gebäude. „Es ist im Großen und Ganzen glimpflich abgelaufen“, urteilte Gottschalk. Vor allem gab es keine Verletzten.
Da der Regen aufgehört hat, ist aktuell mit keinen weiteren Sturzfluten zu rechnen. Bleiben Flüsse und Bäche, die angestiegen sind. Allerdings verzeichnet der Hochwassernachrichtendienst nur für die Messstelle der Schwarzen Laber bei Parsberg eine Meldestufe. Die Stufe eins bedeutet, dass der Fluss stellenweise leicht über die Ufer treten kann.
Bereits am Sonntag begann vielerorts das große Aufräumen – das sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Am Montag berichtete Bürgermeister Andreas Truber für seine Gemeinde Pilsach von zwei gesperrten Straßen. Bei einer hat das Wasser die marode Decke zerstört. Straßen, Wege und Gräben müssen von angeschwemmtem Schutt befreit werden.
Sägewerk an der Lauterach lief voller Wasser
Auch im Sägewerk Spies, das an der Lauterach unweit von Lauterhofen liegt, hat das Aufräumen begonnen. Der Betrieb habe Glück gehabt, ist zu erfahren. Gravierende Schäden, die den Betrieb lange unterbrechen würden, habe es nicht gegeben. Dennoch haben die Vorfälle Eindruck gemacht: „Das ging ganz schnell. Innerhalb von ein paar Minuten ist der Bach übergelaufen“, berichtete eine Bewohnerin
Die Geschwindigkeit und Kraft, mit der das Wasser von einem Hang heruntergeflossen war, von wo es noch nie gekommen sei, hat auch Rudi Graf beeindruckt. Er denke nun darüber nach, ob man sich eventuell mit Platten an den Türen besser schützen könne. „Aber wenn ich nicht zu Hause bin, nützt mir das auch nichts“, sagt Graf, der sich in letzter Konsequenz bei derartigen Sturzfluten machtlos fühlt.
Es ist eine Situation, für die es mehr Sensibilität bei vielen Menschen brauche, sagt Daniel Gottschalk. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen werden infolge des Klimawandels zunehmen, wie beispielsweise der Weltklimarat erklärt hat. Sturzfluten infolge von Starkregen hätten nicht unmittelbar etwas mit Gewässern zu tun, sagt Gottschalk. Sprich, es rücken nicht mehr nur die traditionellen Hochwassergebiete an Flüssen in den Fokus. Sturzfluten können vielerorts passieren, wo man sie nicht vermuten würde.
Die Feuerwehren seien auf solche Einsätze vorbereitet. Zudem hätten manche Gemeinden wie Velburg gemeinsam mit den Feuerwehren und dem Bauhof Konzepte erarbeitet. Diese hätten sich am Wochenende bezahlt gemacht. „Aber wir Feuerwehren können nicht präventiv wirken“, sagt Gottschalk. ‚
Pilsach will ein Risikokonzept für Sturzfluten
An dieser Stelle kommen Gemeinden und jeder Einzelne ins Spiel. Der Freistaat fördert ein Kommunales Sturzfluten Risikomanagement. „Dafür wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Es wird geschaut, wo es gefährlich werden könnte, und was für Maßnahmen man treffen kann“, sagt Sabine Kreitmeir vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg. Die Behörde begrüßt es, wenn sich Gemeinden ein solches Konzept zulegen.
Wie viele Gemeinden im Landkreis das tun, weiß Kreitmeir nicht. Das Amt begleitet nur jene, die einen Förderantrag gestellt haben. Bislang sei das eine Hand voll. Pilsach will ein Risikomanagement. „Aber wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Bürgermeister Truber. Der Grund dafür: Die nötigen Fachplaner seien rar und begehrt. Truber: „Wir stehen in der Warteschlange“.
Aber selbst mit einem solchen Konzept bleibt für den Rathauschef eines klar: Die Gemeinde könne nur das ihre tun und nicht 100-prozentigen Schutz bieten. Sprich, jeder Hausbesitzer müsse sich künftig für einen solchen Ernstfall Gedanken machen.
Derweil dankte Landrat Willibald Gailler stellvertretend für viele andere Politiker aus dem Landkreis den vielen Helfern: „Der Zusammenhalt unserer Bürger, die Hilfsbereitschaft aller ehren- und hauptamtlich Engagierten, unserer Landwirte und Betriebe ist vorbildlich und kann gar nicht genug gewürdigt werden“.


