Wandern, Radfahren, Entspannen: Wie Berching Touristen dauerhaft locken will

Von Bernhard Neumayer · 24. Juli 2024 um 19:00

Idyllische Wander- und Radwege, eine historische Altstadt mit begehbarer Stadtmauer, ein Kloster und einen weltberühmten Komponisten: Das alles hat die Gemeinde Berching zu bieten. Aber was ist touristisch gesehen das Alleinstellungsmerkmal, das künftig Gäste anziehen soll?

Darüber und über Ziele des Tourismus sprachen am Dienstagabend im Stadtrat Christoph Würflein, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Naturpark Altmühltal, und Bürgermeister Ludwig Eisenreich. Dabei zeigte Würflein auch auf, warum Berching eine Ausnahme im Naturpark ist – im positiven Sinn.

Berching sei ein Musterbeispiel dafür, wie das Zusammenspiel zwischen privaten Investoren und öffentlicher Hand laufen könne. „In keiner Gemeinde im Naturpark ist in Relation zur Größe in den letzten Jahren so viel investiert worden wie in Berching“, lobte Würflein.

Übernachtungszahlen steigen: In Berching wird investiert

Hotel Post, Turmchalet Allio, Kloster Plankstetten, Hotel Dallmayr, Engelwirt-Apartments und Hotel Winkler: „Andernorts schließen Gaststätten und Hotels, in Berching werden sie neu- oder wiedereröffnet“, freute sich Eisenreich. Damit Privatpersonen investieren, müsse die Kommune erst die Voraussetzungen schaffen, sagte Würflein. Die Stadt Berching schaffe die Grundlagen, wie der Bürgermeister sagte.

Die Innenstadt wurde saniert, ein Grill- und Zeltplatz eröffnet, der städtische Wohnmobilstellplatz aufgewertet, Radwege wurden und werden gebaut und ein öffentliches WC im Heimatmuseum ist geplant.

Von den Investitionen – sei es von der Kommune oder von Privatpersonen – profitierten aber nicht nur Gäste. Gaststätten, Cafés, Parks oder andere Angebote erhöhen auch die Lebensqualität der Einheimischen, betonte Würflein.

Ein wesentlicher Aspekt dabei sei für ihn aber, dass die Wertschöpfung, die Gäste potenziell in ein Touristengebiet mitbringen, auch in diesem bleiben sollte. Und in diesem Bereich könne sich der Naturpark Altmühltal noch verbessern, wie Würflein findet.

Denn ein Ausflügler gebe im Naturpark Altmühltal am Tag durchschnittlich 20,40 Euro aus. Damit liegt der Naturpark im Vergleich zu anderen Regionen im unteren Drittel. Spitzenreiter ist das fränkische Weinland. Hier lassen Tagestouristen im Durchschnitt 34,40 Euro da.

Naturpark Altmühltal: Der ÖPNV ist ein Problem

Woran es darüber hinaus im Naturpark nach Ansicht des Geschäftsführers des Tourismusverbandes noch mangelt, ist der ÖPNV. Auch Arbeitskräfte zu finden, sei immer schwieriger. Dass es diese genauso wie besondere Touristenmagnete braucht, ist für den Bürgermeister unbestritten: „Uns ist bewusst, dass Mauern und Türme oder berühmte Persönlichkeiten für sich allein keine dauerhafte Magnetwirkung gewährleisten können.“

Und auch wenn der Naturpark mit dem Altmühlradweg und dem Altmühltal-Panoramaweg über touristische Marken verfügt. „Wandern und Radfahren sind keine Alleinstellungsmerkmale“, sagte Würflein.

Seiner Meinung nach kann der Naturpark mit Kulturthemen und dem Komplex Klöster, Kirchen, Spiritualität punkten. In Berching biete sich dabei Plankstetten an. Im gesamten Gebiet des Naturparks seien das Dinosaurier Museum, der Limes, der Main-Donau-Kanal, Jurahäuser, schroffe Felsen und die kulinarischen Spezialitäten (zum Beispiel das Altmühltaler Weiderind) einzigartig.

Das Ziel müsse es sein, Qualität mit Regionalität und Nachhaltigkeit zu verbinden: mehr regionale Produkte, nachhaltige Mobilität, Landschaftsbilder erhalten, Landwirtschaft und Handwerk einbinden, die Tourismussaison verlängern und Angebote zu schlechtem Wetter erhöhen.

„Cittaslow war dabei eine wegweisende Entscheidung“, sagte Würflein. Denn in den Gebieten im Naturpark sollen Besucher laut Würflein fernab vom Trubel der Großstädte zur Ruhe kommen – ohne, dass die Orte selbst einschlafen.