Griff in die Rücklagen-Kasse: Regensburger Hausverwalterin sitzt in Untersuchungshaft

Eine Unternehmerin aus Regensburg soll Eigentümer um bis zu 1,5 Millionen Euro betrogen haben. Dabei griff sie in die Rücklagen-Kasse, wie die Staatsanwaltschaft sagt. Aufgefallen ist das, weil ein Eigentümer bei einer Bank arbeitet und wollte, dass die Rücklagen auf ein Tagesgeldkonto transferiert werden. Dabei fiel auf: Das Geld ist weg.
Zwei Fälle von möglichem Betrug werfen ein fahles Licht auf die Frage, wie sicher Immobilienbesitzer in erhitzten Wohnungsmärkten wie Regensburg bei ihrer Lebens- und Altersvorsorge sind. Eine Hausverwalterin sitzt seit vergangenen Montag in der Regensburger Justizvollzugsanstalt. Sie soll Rücklagen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro veruntreut haben. Eine andere Verwalterfirma soll mit einem Gutachter überteuerte Sanierungsangebote vorgelegt haben – die Beiräte haben die Zusammenarbeit beendet.
In U-Haft sitzt die Regensburgerin, weil sie im Verdacht steht, die Rücklagen-Konten von mehr als zehn Eigentümergemeinschaften mit großen Mehrparteienhäusern in ganz Regensburg leer geräumt zu haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt den Fall: Der Haftbefehl des Amtsgerichts Regensburg gegen die Hausverwalterin geht nach Angaben eines Sprechers der Ermittler vom dringenden Tatverdacht der Untreue in mindestens 13 Fällen, des Betruges und der Urkundenfälschung aus.
Konten wurden eingefroren
„Zusammengefasst liegt der Beschuldigten zur Last, circa 0,68 Millionen Euro von den Rücklagenkonten verschiedener Eigentümergesellschaften veruntreut zu haben“, sagte der Sprecher weiter. Die Gelder sollen großteils an einen Mitbeschuldigten beziehungsweise dessen GmbH transferiert worden sein. „Die Staatsanwaltschaft Regensburg versucht derzeit insbesondere durch das Einfrieren verschiedener Konten zumindest Teile der Gelder für die Geschädigten zu sichern“, sagte der Sprecher weiter. „Inwieweit dies erfolgreich sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt.“
Im Internet präsentierte sich die Unternehmerin erfahren. So blicke die Verwaltungsgesellschaft auf über 20 Jahre Erfahrung im Immobilienbereich zurück, heißt es. Das Team achte darauf, dass man „immer das bestmögliche Ergebnis“ zum Wohle der Gemeinschaft, aber auch für die Immobilie erzielen würde, heißt es auf der Internetseite. Das dachte sich auch einer der Beiräte einer Eigentümer-Gemeinschaft im Regensburger Stadtteil Burgweinting. Der Mitarbeiter eines Kreditinstituts regte im Januar an, die Rücklagen, die sich für das Mehrfamilienhaus auf mehrere zehntausend Euro beliefen, doch auf ein Tagesgeldkonto zu transferieren – wegen der Zinsen.
Nach langem Hinhalten, so schildern es betroffene Eigentümer, habe die Verwalterin ihm gefälschte Kontoauszüge vorgelegt. Das hat der Banker aber entdeckt – der Stein kam ins Rollen. Ein Hausmeister, der ebenfalls Eigentümer einer von der Beschuldigten betreuten Immobilie ist, summiert den Schaden auf knapp 1,5 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft rechnet derzeit noch mit knapp 700000 Euro. Nach Schilderung von betroffenen Eigentümern flog so auf, dass die Verwalterin die Rücklagen mehrerer Eigentümergemeinschaften zunächst auf ein deutsches Konto überwiesen hat. Von dort aus sei das Geld in Richtung Südosteuropa geflossen. „Ich rechne nicht damit, dass wir das Geld wiedersehen“, sagte ein Betroffener zur Mediengruppe Bayern. Für die Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung. Ihr Anwalt, der Regensburger Rechtsanwalt Michael Haizmann, wollte sich auf Anfrage noch nicht äußern.
Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Hausverwalter ihre Kunden prellen. Ein damals 66-Jähriger wurde vor einem Jahr in Regensburg verurteilt, weil er eine Viertelmillion Euro aus den Immobilien in bester Lage abzweigte. Dabei mussten nicht nur die Eigentümer herbe Einbußen hinnehmen. Auch Mieter verloren erheblich Geld, da der Mann auch Kautionen in Höhe von 90000 Euro veruntreute. Ob das im aktuellen Fall auch so ist, ist noch unklar.
Versteckter Betrug?
In einem anderen Fall, von dem die Mediengruppe Bayern Kenntnis gelangte, kam es nicht zu einem Straftatbestand. Die Eigentümer zogen vorher die Reißleine. Doch der Fall macht deutlich, dass für manchen gerade älteren Eigentümer die Rechnung – man kauft sich eine Immobilie, um im Alter abgesichert zu sein – nicht immer aufgeht. In einer Eigentümergemeinschaft in Regensburg sollen eine Verwaltungsfirma und ein Gutachter gemeinsame Sache gemacht haben. Beiräte schildern, der Gutachter habe eklatante Schäden festgestellt, beispielsweise am Abwassersystem. Auch die Garagen seien so marode, dass sie neu gebaut werden müssten. „Es sind etwa 60 Eigentümer“, sagt einer der Beiräte. Fällig wurden pro Wohnung bis zu 70000 Euro. Die Anlagen, die teilweise aus den 60er Jahren stammen, würden vorwiegend von älteren Menschen bewohnt, „die das Geld in ihre Wohnung gesteckt haben und keinen Kredit bekommen“. So mancher sah schon seine Altersversorgung den Bach runtergehen. Garagen-Neubauten wurden in dem Kostenvoranschlag mit 34000 Euro beziffert. Einige Eigentümer, die beispielsweise selbst in Behörden in Bauabteilungen arbeiten, wurden stutzig, bestellten einen zweiten Gutachter, der feststellte: Der Sanierungsbedarf ist viel geringer. Die Eigentümergemeinschaft zog die Reißleine – und wechselte die Verwalterfirma.
Dazu ist es im ersten geschilderten Fall zu spät. Das Geld dürfte weg sein.