Mit diesen Angeboten unterstützt die Caritas in Neumarkt Menschen, die Pflege brauchen

Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Und es trifft nicht nur alte Menschen. Viele Betroffene möchten so lange wie möglich Zuhause zu bleiben. Für diese Zielgruppen hat die Caritas Sozialstation Neumarkt passende Angebote entwickelt.
• Junge Demenzerkrankte: Für Menschen zwischen 45 und 65 Jahren, die an Demenz erkrankt sind, gibt es den offenen Treff „In Kontakt bleiben“. Er findet jeden Dienstag statt. Im Landkreis Neumarkt habe es kaum Betreuungsangebote gegeben, die den Bedürfnissen dieser Altersgruppe entsprachen, sagt Gruppenleiterin Gisela Stagat. Das wollte die Caritas Sozialstation ändern. Junge Betroffene seien wesentlich mobiler und interessierten sich für andere Themen.
An Demenz erkranken viel mehr junge Menschen, als man vielleicht glauben mag. Jeder Tausendste ist laut Informationen der Caritas davon betroffen. Rechnet man das auf die Einwohnerzahlen des Landkreises herunter, sind das allein in der Region Neumarkt etwa 135 Menschen.
Demenz in jungen Jahren sei aber immer noch ein Tabuthema, sagt der Geschäftsführer der Caritas Sozialstation Neumarkt, Josef Bogner. Bis man eine verlässliche Diagnose hat und Angehörige sich über Betreuungsangebote beraten lassen, vergehe oft zu viel Zeit, so Stagat.
Heute sind neun von zehn Plätzen in der Gruppe belegt. Die jüngste Demenzpatientin ist 53 Jahre alt. Gemeinsam unternehme die Gruppe viele Ausflüge oder koche gemeinsam. „Es ist eine wunderbare Gruppe“, findet Stagat. Die Mitglieder wissen, „dass sie mit ihrer Diagnose nicht allein sind“.
Speziell für Angehörige gibt es einmal im Monat einen Angehörigen-Abend. Oft wollen die Familien die Diagnose nicht wahrhaben, sagt Stagat. Sich damit abzufinden, falle ihnen, gerade weil die Betroffenen noch jung sind, sehr schwer. Außerdem entstünden durch die Erkrankung oftmals finanzielle Probleme oder es blieben junge Kinder zurück. Schön sei es aber zu sehen, was für ein Zusammenhalt durch die Gruppe entstehen kann: Eine Frau, deren Mann aufgrund seiner frühen Demenzerkrankung bereits im Heim lebt, kommt immer noch regelmäßig zu den Treffen, um sich mit anderen Angehörigen auszutauschen.
Wer Hilfe sucht, kann sich an die Caritas wenden: lnfozeiten sind Dienstag von 9 bis 12 und Donnerstag von 13 bis 16 Uhr, Telefonnummer 0151/ 70 73 15 43. Erstgespräche sind anonym möglich.
• Senioren-Gruppen: Donnerstags gibt es bei der Caritas Sozialstation von 13.30 bis 16 Uhr eine stundenweise Betreuung von Senioren. Diese entlastet Angehörige. Und: „Die Pflegebedürftigen können am gesellschaftlichen Leben teilhaben“, sagt Stagat. Möglich ist auch, dass die Senioren mit einem Fahrdienst zur Betreuung gebracht werden. Im Frühjahr wurde in Dietfurt eine neue Seniorengruppe ins Leben gerufen. Derzeit finden die Treffen noch alle 14 Tage am Dienstag von 13 bis 16 Uhr im Caritas Seniorenheim in Dietfurt statt.
„Das Angebot wird sehr gut angenommen. Hier dürfen die Senioren so sein, wie sie wollen“, sagt Andrea Knappe-Bänke, die die Gruppe leitet. Wegen der großen Nachfrage wolle man das Angebot ausbauen und sich jede Woche treffen. In den Gruppen versuche man, die Menschen motorisch, alltagspraktisch, kognitiv und sozial zu fördern.
• Tagespflege: „Der Trend geht zur ambulanten Pflege und der Tagespflege“, sagt Bogner. Und das aus mehreren Gründen: Die stationäre Pflege in Seniorenheimen werde zukünftig nicht mehr in dem Umfang zur Verfügung stehen können, wie jetzt. Das liege am Personalmangel und der gleichzeitig steigenden Zahl an Pflegebedürftigen.
Im Krankenhaus aber werde die Verweildauer gekürzt. Wenn Betroffene nach einem Krankenhausaufenthalt noch Pflegebedarf haben, kommen auch sie in die Tagespflege. Außerdem werde der Großteil der Pflegebedürftigen derzeit von ihren Angehörigen gepflegt. Für die sei die Tagespflege eine erhebliche Entlastung, sagt Bogner.
Oft entstehe über die Betreuungsgruppen der erste Kontakt zur Caritas. Verschlechtert sich die Lage der Patienten, sei die Hemmschwelle niedriger, auch eine längere Betreuung wie die Tagespflege in Anspruch zu nehmen. Bei den beiden Tagespflegeeinrichtungen der Caritas in der Saarlandstraße 17 und in der Friedenstraße 33 sind derzeit alle 34 Plätze belegt. Zwei seien für Notfälle vorgesehen.
• Neue Leitung: Seit dem 1. Juli ist Romana Wiemann-Drexler die neue Bereichsleiterin der Tagespflege. Davor war die Stelle rund eineinhalb Jahre unbesetzt und Stagat übernahm die Bereichsleitung kommissarisch. Wiemann-Drexler blickt positiv auf ihre neue Aufgabe. Die Tagespflege sei „super organisiert“ und sie könne sich auf „tolle Mitarbeiter“ verlassen, sagt sie.