Furth im Wald: Drachenstich-Darsteller über ihre Rolle des Peter von Chamerau

Er ist beim Drachenstich-Festspiel in Furth (Landkreis Cham) der Held von der traurigen Gestalt, der Peter von Chamerau. Er liebt und wird nicht gegengeliebt. Er möchte Macht ausüben, nur: Es gelingt ihm nicht wirklich. Das macht ihn reizbar und ungerecht. Nur: Verkörpert er damit auch das durchweg Böse? Eine Frage, die die beiden Darsteller des Chamerauers am besten beantworten können.
Bürgermeister Sandro Bauer gibt den Chamerauer seit 2007, war vorher von 2002 bis 2006 Sattelbogener. Seinen Auftritt als Ritter hatte er 1990 zusammen mit Ute Fleischmann. Dazwischen hat er Auftritte als Statist, als Reiter und bei den Kirchhofschützen gehabt.
Die Rolle hat sich gewandelt
„Beim alten Stück waren die Rollen klar verteilt“, sagt Bauer. Peter von Chamerau verkörperte das Böse. „Im neuen Stück ist das nicht mehr so.“ Der Charakter ist verliebt, intrigant, lebt im Dilemma zwischen Anspruch und Wirklichkeit. „Er will in Furth der Zampano sein, braucht dazu die Fürsten in Straubing, die ihn aber auslachen“, so Bauer.
Ähnlich sieht es Ulrich Jakob. Er spielt den Chamerauer seit 2017, war zuvor Sekretarius, sein Ritterjahr war 2002 zusammen mit Andrea Schießl. Er mag die Vielfalt der Möglichkeiten, die diese Rolle bietet. „Es ist schön, alles sein zu können und nicht nur den Sonnyboy zu geben. Ich versuche die Figur immer so darzustellen, dass sich die Zuschauer denken: Was hätte ich in der Situation getan?“
Mit einem Augenzwinkern ergänzt Bauer: „Mir macht die Rolle Spaß, weil ich da so sein darf, wie ich bin.“ Doch nicht nur die zwiespältige Persönlichkeit macht die Attraktivität des Charakters aus. Bauer: „Das Spannende ist, dass die Rolle mit jeder Ritterin anders ist.“ Ist das Gegenüber dominanter, könne man auch selbst mehr voran gehen, als bei einer Person, die eher zurückhaltend ist. Wie die Ritterin tickt, das herauszubekommen, ist die Aufgabe des Chamerauers, natürlich in Absprache und unter Mitwirkung des Regisseurs. In diesem Jahr hat die Aufgabe Sandro Bauer übernommen, sagt sein Kollege. „Er musste herausfinden, welchen Charakter Eva Baier hat.“
Wer beide Darsteller in Aktion gesehen hat, der wird feststellen, dass Bauer mehr verschlagen agiert, Jakob hat eine wesentlich direktere Art. „Mit zunehmendem Alter spielt man etwas anders“, sagt Bauer und meint damit, dass ihm die Rolle als jugendlicher Liebhaber nicht mehr so gut steht. Jakob mag, wie Regisseur Alexander Etzel-Ragusa arbeitet. „Man darf ja nicht vergessen, wir sind alles Laiendarsteller.“ Etzel-Ragusa mache zwar Vorgaben, „er gibt uns aber auch Freiheiten, so dass es uns leichter von der Hand geht.“ Das betrifft sowohl die Rolle, als auch verschiedene Textpassagen, die sich ändern können. In der Summe, müsse man die Rolle jedes Jahr neu einstudieren. „Mal verständnisvoller, mal arroganter, man muss jedes Jahr von Neuem anfangen, die Art und Weise ändert sich immer“, sagt Jakob. Bauer bereitet die Rolle positiven Stress. Wie Jakob ist er hoch erfreut, dass man heute nicht mehr von erster und zweiter Besetzung spricht, sondern von zwei gleichberechtigten Gruppen: grün und blau. Es gibt keine Konkurrenz, nur noch gleichwertige Hauptrollen. So herrscht vor und hinter der Bühne eine freundschaftliche Atmosphäre. „Wir verstehen uns gut“, so Bauer.
Harmonische Atmosphäre
Dem kann der Chamerauer der blauen Gruppe nur zustimmen. Es herrschen harmonische Zusammenarbeit und ein freundschaftlicher Ton. Über Bauer sagt Jakob: „ Sandro war schon immer ein Vorbild, er ist ein absolut kollegialer Mensch und Teamplayer.“
