Nach Explosionen und Großbrand: So geht es bei der Firma Eckart in Wackersdorf weiter

Auch zwei Tage nach dem Großbrand im Wackersdorfer Industriegebiet (Landkreis Schwandorf) herrscht beim Chemieunternehmen Eckart Ausnahmezustand. Der Schaden, den eine Verpuffung samt Feuer dort gegen 11 Uhr verursacht hatte, ist enorm. Während nun die Aufräumarbeiten in vollem Gange sind, glühen die Telefonleitungen im Hintergrund.
„Bereits am Montagmorgen wurden alle Anlagen am Standort, mit Ausnahme der betroffenen Anlage Atomizer, wieder hochgefahren“, sagt Unternehmenssprecher Horst Winter auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung. Derzeit werde die Brandursache detailliert analysiert. Bei dem betroffenen rund 25 Meter hohen Turm handelt sich um eine Anlage, um Vorprodukte für Aluminium-Pigmente herzustellen. Die Belegschaft, die in Wackersdorf rund 140 Mitarbeiter umfasst, sei eng in die Beseitigung der Trümmerteile eingebunden.
Alternativen werden geprüft
Welche Auswirkungen die jüngsten Ereignisse auf die Produktion in Wackersdorf haben werden, sei indes noch unklar. Man habe auch hier mit der Analyse begonnen, heißt es. „Wir prüfen bereits intensiv Lösungen, um mögliche Auswirkungen auf unsere Kunden so gering wie möglich zu halten“, versichert Winter. Dazu gehöre beispielsweise die Frage, inwieweit bestehende Lagerbestände genutzt werden und welche anderen Eckart-Standorte mögliche Auswirkungen minimieren könnten.
Neben Wackersdorf hat der Konzern auch noch ein weiteres deutsches Werk im mittelfränkischen Hartenstein, zugleich Hauptsitz des Unternehmens. Weitere Niederlassungen der Firma befinden sich in Italien, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Finnland, den Niederlanden, Amerika und Asien. „Die regionalen Vertriebsteams haben dazu umgehend Kontakt zu den relevanten Kunden aufgenommen, um diese schnellstmöglich zu informieren und gemeinsam die bestmögliche, individuelle Lösung für jeden Kunden zu finden“, so Winter.
Aluminiumgrieß hatte Feuer gefangen
Wie berichtet, kam es am späten Samstagvormittag zu einer folgenschweren Verpuffung am Betriebsgelände der Firma Eckart in Wackersdorf. Aluminiumgrieß hatte daraufhin in einem Turm Feuer gefangen. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Als die Retter den ersten Löschangriff starteten, kam es zu einer Detonation im betroffenen Komplex. Laut Feuerwehr wurde Aluminiumstaub aufgewirbelt. Dieser ist brennbar und aufgewirbelt in der Luft explosionsfähig.
Die Einsatzkräfte mussten sich daraufhin zurückziehen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die 22 Mitarbeiter, die zur Zeit des Einsatzes vor Ort waren, konnten das Betriebsgelände rechtzeitig verlassen. Die Feuerwehr aus Weiden rückte anschließend mit einem Sonderlöschmittel an. Wegen des übel riechenden Qualms wurde auch eine Warnung an die Bevölkerung herausgegeben. Gefahrenstoffe seien nicht ausgetreten, hieß es.
Bisher keine Hinweise auf Delikt
Nach mehrstündigem Einsatz übernahm schließlich die Werksfeuerwehr des Betriebs, unterstützt von der Feuerwehr Wackersdorf. Man entschied sich schließlich dazu, das Feuer im Turm kontrolliert abbrennen zu lassen. Mit Drohnen und Wärmebildkameras wurde das Geschehen überwacht. Die Feuerwehr Wackersdorf stellte nach dem Abzug eines Großteils der Einsatzkräfte bis etwa 19.30 Uhr eine Sicherheitswache. Insgesamt waren neben Rettungsdienst und Polizei rund 150 Feuerwehrler am Einsatz beteiligt.
„Wir haben bislang keinerlei Hinweise auf ein Delikt", sagt Schwandorfs Polizei-Vizechef Florian Meier. Auch gebe es noch keine Anhaltspunkte auf menschliches Fehlverhalten. Bisher habe der Brandort aber noch nicht gefahrlos betreten werden können. Voraussichtlich am Dienstag würden sich Ermittler der Kriminalpolizei sowie Mitarbeiter des Landratsamts, des Gewerbeaufsichtsamts und ein Beamter der Polizeiinspektion Schwandorf ein Bild vor Ort machen.
Auch die genaue Schadenshöhe ist derzeit noch unklar. Nach ersten Schätzungen geht die Polizei von mehreren 100.000 Euro aus.
Hintergrund: Die Firma Eckart GmbH
Gründung: 1876 als Goldschlägerei in Fürth
Konzern: Die Firma Eckart gehört seit 2005 zur AltanaAG. Sie wurde als vierter Geschäftsbereich in den Konzern integriert, agiert aber weiterhin als eigenes Unternehmen.
Portfolio: Metallpigmente in Pulver-, Pasten- und Pelletform sowie Metallic-Konzentrate, Dispersionen und Druckfarben sowie Perlglanzpigmente
Mitarbeiter: Weltweit etwa 1700