50 Ferienhäuser am Further Juwel Drachensee: Stadtrat gibt Landal GreenParks einen Korb

Von Alexander Frimberger · 19. Juli 2024 um 19:00

Übernachtungsmöglichkeiten für Feriengäste könnte Furth im Wald im Kreis Cham gebrauchen. Spannend also die Frage, wie der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend in Bezug auf die Realisierung eines Feriendorfes abstimmen würde. Außerdem auf der Tagesordnung: Neuanschaffungen für die Feuerwehr und auch die Lorenz-Zierl-Straße wurde erneut thematisiert.

Bereits im April stellte eine Abordnung der Landal GreenParks GmbH dem Stadtrat im nichtöffentlichen Teil das Projekt vor. Es sollten insgesamt 50 Objekte für verschiedene Bedürfnisse wie Sauna oder Urlaub mit Hund, in den Kategorien Komfort und Luxus entstehen. Eine Erweiterung auf bis zu 150 Objekte sei denkbar.

Sensibler Bereich

Hauptamtsleiter Stefan Schmidberger führte in seinem Sachstandsbericht dazu aus: „Nach Ansicht der Verwaltung ergibt das Vorhaben für diesen sensiblen Bereich eine Art Präzedenzfall, da im Zuge der bisherigen Verwaltungspraxis in unmittelbarer Nähe zu unserem Juwel schon einigen Vorhaben das Einvernehmen verweigert wurde. Der Drachensee gilt als Erholungsort der allerbesten Güteklasse: Radeln, Wandern, Baden, Surfen, Segeln oder Kultur – alles ist möglich. Gleichwohl sei jedoch auch erwähnt, dass das Projekt für zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten und einer gewissen touristischen Frequenz sowie Einnahmepotenzial des Einzelhandels sorgen wird, wobei eine große Anzahl an Arbeitsplätzen wohl nicht zu erwarten ist – vielmehr wird der Betrieb größtenteils mit der Inanspruchnahme von Dienstleistungen sichergestellt.“ Zu bedenken sei auch, dass Landal sein Engagement nach 15 bis 20 Jahren einstellt.

In der anschließenden Diskussion ging zunächst Stadtrat Günter Stelzer (CFW) auf den letzten Punkt ein: „Ich weiß nicht so recht, ob ich dafür sein soll.“ Man solle zumindest über eine Verlängerung des Engagements sprechen. Andreas Roder (CSU) stellte die Frage in den Raum, ob man sich wirklich den ganzen Hang bebauen lassen wolle. Junge Familien, die Interesse bekundet hatten, dort zu bauen, habe man abgelehnt. Auch den beschränkten Zeitraum sah Roder kritisch. „Kümmert sich danach noch jemand?“, fragte er in die Runde.

Man habe mehrere Filetstücke, wie den Drachensee oder den Bereich Voithenberg. „Die sollten wir nicht zubauen lassen.“ Für die SPD-Fraktion sagte Jennifer Dietl, man wolle sich dem Vorhaben nicht ganz verschließen, aber der Umfang sei viel zu groß und das angekündigte zeitlich begrenzte Engagement viel zu kurz. Anton Schmidt (Freie Wähler) plädierte dafür, konsequenter zu sein und die Fläche ganz aus dem Bebauungsplan herauszunehmen und den Bereich nicht mit Ferienhäusern kaputt machen zu lassen Außerdem: „Wenn die in zehn bis 20 Jahren aussteigen, fehlt uns das Knowhow.“ Was jetzt im Prospekt gut aussehe, könne dann zum Problem werden: „Das Ganze steht und fällt mit dem Betreiber.“

Stefan Zeller (Grüne) sagte, seine Fraktion sei nicht aus Prinzip dagegen, führte aber die hohen Naturschutzbelange an. Lediglich Josef Gschwendtner (CSU/Umland-Fraktion) sprach sich für den Bau aus. Er würde das Juwel für die touristische Nutzung freigeben. Die 15 bis 20 Jahre bezeichnete er als Blick in die Glaskugel. Der See werde auch in 20 Jahren noch da sein. „Ich sehe nicht ein, dass man das ganze Areal brach liegen lässt.“ Mit einer Stimme dafür lehnte der Stadtrat eine Weiterführung des Projekts ab. Außerdem soll in einer der kommenden Sitzung ein Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans auf der Tagesordnung stehen. Dann würde das Sondergebiet Ferienhaus in Flächen für die Landwirtschaft umgewidmet.

Zwei große Anschaffungen stehen für die Feuerwehren Daberg und Furth im Wald an. In Daberg soll das 32 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug LF 8/6, das zuletzt nur noch durch die Reparaturkünste einiger Mitglieder am Leben erhalten werden konnte, ersetzt werden. Zunächst hatte man sich für ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) entschieden, das 380.000 Euro gekostet hätte.

Nach reiflichen Überlegungen kam man zu dem Schluss dass es ein wesentlich günstigeres Tragkraftspritzenfahrzeug auch tut. Damit wird auch die 7,5-Tonnen-Grenze nicht überschritten und die Führerscheinproblematik umgangen, wie Bürgermeister Sandro Bauer und Stadtrat und Feuerwehrkommandant Franz Stoiber ausführten. Die Kosten von 250.000 Euro verteilen sich wie folgt: staatlicher Zuschuss 55.510 Euro, Landkreiszuschuss rund 17.500 Euro, Eigenanteil Stadt Furth im Wald 127.000 Euro. Zusätzlich wird für das Fahrzeug eine Tragkraftspritze angeschafft. Der Staatszuschuss beträgt 6630 Euro, der Landkreis gibt 2000 Euro dazu, der Eigenanteil beträgt 10.000 Euro.

Geld für Kirchensanierung

Um eine Maximalförderung zu erhalten, haben sich Furth im Wald, Bad Kötzting und Waldmünchen zusammengetan und insgesamt drei Drehleiterfahrzeuge bestellt. Um den Haushaltsposten von 840.271,82 Euro für ein Fahrzeug in das Jahr 2025 zu bugsieren, holte sich Waldmünchen die telefonische Zusicherung, den Lieferzeitraum auf Ende des Jahres zu legen.

Der Hersteller überlegte es sich anders – die Fahrzeuge müssen bereits jetzt abgeholt werden. Damit fallen im Haushalt 2024 abzüglich Förderung außerplanmäßige Ausgaben in Höhe von 566.507,47 Euro an, die laut Bauer mit Gewerbesteuereinnahmen aufgefangen werden können.

Der Stadtrat stimmte mehrheitlich einem Zuschuss von 200.000 Euro für die Sanierung der Stadtpfarrkirche zu. Das Gebäude sei sehr stadtbildprägend, „deswegen steht es uns gut zu Gesicht, uns zu beteiligen.“

Franz Stoiber brachte ein Thema auf den Tisch, das viele Further bewegt, weil die Josef-Zierl-Straße zu schmal zum Beispiel für landwirtschaftliche Großmaschinen oder Busse sei. Bauer sagte dazu: „Die Durchfahrt ist für alle Fahrzeuge möglich.“ Nicht nur die geteerte Fläche, sondern auch die beiden Pflasterstreifen an deren Rändern stünden für die Durchfahrt zu Verfügung.

Zu eng für große Fahrzeuge? „Ja“ befürchten viele, „nein“ sagt Sandro Bauer. Foto: Frimberger