Radfahrerin stirbt bei Unfall in Regensburg – Unternehmer (27) muss ins Gefängnis

Bei einem folgenschweren Crash wird im Januar 2023 in Regensburg eine 49-jährige Radlerin getötet. Im Prozess übernahm der Fahrer des Elektro-Audis die Verantwortung – Vorstrafen und zwei Eintragungen in Flensburg bringen ihn nun längere Zeit in Haft.
Im Januar vergangenen Jahres stirbt eine 49-Jährige bei einem Unfall in der Adolf-Schmetzer-Straße in Regensburg. Laut Anklage soll der Autofahrer mit knapp 82 km/h unterwegs gewesen sein. So errechnete es ein Gutachter. Ein privat beauftragter Unfallanalytiker kam auf 67 km/h – wie sein Kollege ließ aber auch er keinen Zweifel, dass die Radfahrerin noch leben würde, wäre der Autofahrer vorschriftsmäßig gefahren. Das Amtsgericht hat ihn nun verurteilt. Der 27-jährige Unternehmer muss im Gefängnis bleiben.
49-Jährige wurde reanimiert – sie starb dennoch am Unfallort
Der folgenschwere Unfall datiert auf den 19. Januar 2023: Kurz vor 7.30 Uhr war der Angeklagte mit einem Firmen-E-Auto zur Arbeit aufgebrochen. Er fuhr stadtauswärts, während die Frau auf der anderen Straßenseite in Richtung Ostentor radelte. An einer schmalen Querungshilfe zwischen den Fahrbahnen soll die damals 49-Jährige wohl in einem Zug die Straße gequert haben. Etwa auf Höhe der St.-Niklas-Straße wurde sie vom Audi Q4 des 27-Jährigen erfasst. Sie starb wenige Minuten später.
Nach dem tödlichen Unfall an der vierspurigen Straße hatte auch die Stadt reagiert: Der nur gut eineinhalb Meter breite Mittelstreifen an der Adolf-Schmetzer-Straße wurde deutlich verbreitert – auch wegen des tragischen Todes der Frau, wie die Verwaltung bestätigte. Schon einige Wochen zuvor war ein Provisorium installiert worden, um die Fahrbahn für Autos zu verengen und die Querungshilfe zu verbreitern und damit auch sicherer zu machen.
Vermieden worden wäre der Tod der 49-Jährigen aber auch damit nicht. Denn: Der Mann am Steuer des Elektro-SUV war mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Das zeigte eine Auswertung des EDR im Unfallfahrzeug. Seit Sommer 2022 sind Event Data Recorder in neuen Fahrzeugtypen vorgeschrieben – sie haben also eine Black Box. Diese zeichnet auf, was vor, bei und nach einem Unfall geschieht. Die Analyse der Daten im aktuellen Fall besagten, dass der 27-Jährige das Gaspedal durchgetreten hatte, 100 Prozent Beschleunigung, bis er kurz vorm Aufprall eine Notbremsung einleitete.
Doch an genau diesen Daten hatte ein Unfallanalytiker seine Zweifel. „Da gibt es Unschärfen“, erklärte er, weshalb Gutachter angehalten seien, alles konventionell nachzurechnen. Der einst von der Staatsanwaltschaft beauftragte Sachverständige bestätigte, dies getan zu haben. Die Werte seien in sich schlüssig, wie er betonte. Im Ergebnis kamen beide Gutachter zum Schluss, dass der Unfall bei „Einhaltung von 50 km/h sicher vermieden worden wäre“. Obgleich sie nicht verhehlten, dass auch die Radfahrerin den für sie am Ende tödlichen Zusammenstoß hätte vermeiden können.
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Der Angeklagte hatte seine Verantwortung dafür gleich zu Prozessbeginn unter Tränen eingeräumt und sich entschuldigt. Der 27-Jährige kam in U-Haft, weil er laut Strafverteidiger Shervin Ameri das Land beruflich verlassen hatte und Ukrainer sei. Als die Polizei seinen Führerschein einziehen wollte, war er in die Arabischen Emirate ausgereist, wurde zwangsabgemeldet und ein Haftbefehl ausgestellt. Als er im Januar zurück nach Deutschland kam, klickten die Handschellen.
Verteidiger kündigen nach dem Urteil sofort Berufung an
Und diese werden ihn wohl weiter begleiten: Richter Felix Kohlmüller sprach den Mann der fahrlässigen Tötung schuldig und verhängte ein Jahr und vier Monate Haft. Ohne Bewährung, wegen – laut er Anwälte bis auf eine Ausnahme – Jugendsünden, die im Bundeszentralregister standen sowie drei Einträgen im Fahreignungsregister in Flensburg. Darin waren zwei Fahrverbote nach einem Abbiegeunfall mit einem E-Scooter-Fahrer 2022 und einem Geschwindigkeitsverstoß (41 km/h zu schnell) aus 2019 zu finden.
Rechtskräftig wurde das Urteil nicht – Ameri und Wahlverteidiger Johann Piendl, selbst pensionierter Richter am Regensburger Landgericht, kündigten umgehend an, in Berufung zu gehen.
