Königsdisziplin: Der Waldmünchner Stefan Lintl illustriert Kinderbuch „Anton ist anders“

Von Martin Hladik · 16. Juli 2024 um 19:00

Illustrator Stefan Lintl und die Autorin Michaela Kett bei einer Präsentation des Buches. Foto: Stefan Lintl

Vor ein paar Jahren haben wir schon einmal den Illustrator und Karikaturisten Stefan Lintl vorgestellt. Da hatte er gerade einen Preis für zwei Karikaturen in Sachsen erhalten. Im Gespräch hatte er gesagt, dass es sein Traum wäre, ein Kinderbuch zu illustrieren. „Das ist die Königsdisziplin“, sagte er damals. Das ist ihm jetzt gelungen. Der Neumarkter Spielberg-Verlag hat das Kinderbuch „Anton ist anders“ der Autorin Michaela Kett in sein Programm aufgenommen und Lintl hat dazu die Illustrationen druckfertig geliefert.

Lintl ist gebürtiger Waldmünchner. „Einer der letzten im alten Krankenhaus geborenen“, sagt er. Er lebt jetzt mit seiner Familie in Regensburg und ist im Hauptberuf festangestellter Illustrator für Technikprodukte. Der Vater des 51- Jährigen dürfte vielen Waldmünchnern als Mitspieler beim Trenck bekannt sein. Es ist Matthias Lintl.

Sofort eine Idee

Doch zurück zum Kinderbuch. Der Kontakt zwischen Autorin und Lintl entstand eher zufällig, obwohl sogar eine sehr weitschichtige Bekanntschaft besteht. Lintl: „Ihre Tante ist die Trauzeugin meiner Frau.“ Jedenfalls hatte Michaela Kett den Text über den Hasen Anton längst fertig, als sie bereits über diverse Plattformen einen Illustrator suchte.

Doch das Gute lag so nah. „Als ich die Geschichte las, hatte ich sofort eine Idee“, sagt Lintl. Die Skizzen, die er der Autorin vorlegte, hätten ihr gefallen. Also ging das gemeinsame Projekt in die Arbeit. Rund eindreiviertel Jahre habe es gedauert, bis das fertige Buch vor ihnen lag. An solchen Projekten könne er ja nur nebenberuflich arbeiten, sagt Lintl. Deswegen lehne er Arbeiten ab, bei denen es ein Zeitlimit gebe. Zudem entstanden die Illustrationen komplett aus einer Hand und zwar von der ersten Skizze bis zur druckfertigen Vorlage.

Dabei arbeitet Lintl zunächst mit einer händisch gezeichneten Bleistift-Skizze. So entstehen Gestik und Mimik der Figuren. Die Handzeichnung wird dann in den Computer übertragen. Zwar sagten manche, dass dabei die Lebendigkeit verloren gehe, aber für ihn würden die Vorteile überwiegen. Er könne so schnell Farben und Hintergründe verändern, die Figur vergrößern und verkleinern und die Bilder schnell für verschiedene Medien aufbereiten. So habe er viel mehr Zeit für den eigentlichen kreativen Prozess.

Für ihn sei das Kinderbuch ein tolles Erlebnis gewesen. Zum einen sei es etwas anderes als seine Arbeiten für Comics und für Karikaturen. Die zeigten eher einen schwarzen Humor, sagt Lintl. Dennoch sei das Zeichnen von Kinderbüchern und Büchern für Erwachsene kein unvereinbarer Widerspruch für einen Zeichner. Da müsse man sich nur mal die Arbeiten des bekannten Zeichners Tomi Ungerer anschauen.

An der Geschichte von Anton, dem etwas anderen Hasen habe ihm auch gefallen, dass es eine Geschichte für Kinder sei, die einen gesellschaftlichen und sozialen Hintergrund habe. Denn das Buch handele von einem Hasen, der Autismus habe und deswegen „anders sei“. Anders ist Anton aber auch, weil er besonders gut Geige spielen kann. Im Klappentext des Buches heißt es: „Anders zu sein ist gar nicht so schlimm. Es ist etwas Besonderes!“ Anton falle in seiner Kindergartengruppe mit seinem andersartigen Verhalten zwar auf, aber habe später in einer gefährlichen Situation eine rettende Idee. Eine Außenseitergeschichte mit einem guten Ende also.

Soweit zum Inhalt. Zum Buch gibt es auch ein Kinderlied, das von Armin Bink komponiert und von Doro K gesungen wird. Das Lied ist mit dem Suchbegriff „Anton ist anders“ schnell auf YouTube zu finden.

Für Lintl war es wichtig, dass das Buch tatsächlich in einem Verlag erscheint und damit über die normalen Vertriebswege des Buchhandels erwerblich ist. Dass es der Spielberg-Verlag aus Neumarkt in sein Programm mit regionalen Autoren aufgenommen hat, findet Lintl besonders gut. Ein Verlag habe ganz andere Möglichkeit der Präsentation. Das Gespräch mit den vielen Buchhandlungen etwa sei für einzelne Kreative gar nicht zu schaffen.

„Ich kann Hasen zeichnen“

In einem Verlag veröffentlicht zu werden, sei für ihn auch wichtig gewesen, weil er kurz nach seinem Studium bei einer Messe einmal von einer Verlagsfrau mit dem Hinweis „Er werde nie Kinderbuch-Zeichner sein“ abgewiesen wurde. „Offensichtlich kann ich jetzt Hasen zeichnen“, sagt Lintl trotzig.

Das Buch ist im normalen Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich. Michaela Kett und Stefan Lintl: „Anton ist anders“, ISBN 13 978-3-95452-780-9, Preis 16,90 Euro.