Warum der Radweg der Stadt Cham nie endet – und immer seine Engstellen haben wird

Das Chamer Radwegekonzept ist gleich in mehrfacher Hinsicht vertrackt. Doch der Stadtrat hat gewusst, worauf er sich einlässt, als er seine Bürger im November 2022 nach ihrer Meinung fragte. Seitdem haben alle Beteiligten zu kämpfen und Bürgermeister Martin Stoiber schwört auf einen ständigen Lernprozess.
Das heißt soviel, wie: Richtig vorbei ist es nie. Ein gutes Beispiel dafür ist die Frühlingstraße. Dort ist es im Zuge der Sanierung gelungen, nach zähen Verhandlungen ein Grundstück der Bahn zu bekommen. Nun quert der Radweg zwar, aber es sind ganz neue Möglichkeiten aufgetaucht und auch Barrierefreiheit könnte nun möglich werden.
Nicht immer Traumlösungen
Zäh ist offensichtlich der Begriff, der die Stadt bei all ihren Bemühungen um das Konzept verfolgt. Man kämpft sich Schritt für Schritt voran. In der Ludwigstraße zum Beispiel. Dort hat man zwar Piktogramme und Optimismus versprüht, doch all das endet bisher in den Kofferräumen geparkter Autos. Der Bürgermeister formuliert den Stand der Dinge so: „Es kann nicht immer gleich die Traumlösung geben. Manchmal muss man sich mit Dingen zufrieden geben, die den eigenen Wunschvorstellungen nicht entsprechen.“
In der Ludwigstraße müssen Stellplätze weg
Doch auch hier hat die Stadt nachgearbeitet. 16 Parkplätze abseits der Ludwigstraße wären nötig, wenn die dort stadteinwärts markierten Stellplätze verschwinden sollen. Die müssen aber weg, wenn es dort zu einer einigermaßen sinnvollen Lösung kommen soll, die Radfahrer nicht weiterhin dazu verleitet, aus Sicherheitsgründen den Gehweg zu nutzen. Denn die Ludwigstraße ist eben nicht breit genug. Nicht für ein geparktes Auto, einen Radfahrer plus Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern und dann noch Gegenverkehr.
Nun hat die Stadt neue Stellplätze unterhalb des Künstlerhauses CHA 13 erworben. Die sollen nun geplant, vom Umfeld her verschönert und besser an die Ludwigstraße angebunden werden. „Es ergeben sich immer wieder neue Lösungen und dann kann man fortführen, was man angefangen hat“, sagt Stoiber.
Manchmal gelingt es gar nicht
Dabei hat Nikola Richter vom zuständigen Planungsbüro Ingevost einen hohen Anspruch formuliert, den Bürgermeister Martin Stoiber immer wieder zitiert: „Es geht immer wieder um die Frage: Wie kann es gelingen alle Mobilitätsformen – Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und Busse – so miteinander zu kombinieren, dass am Ende jeder einigermaßen zufrieden ist.“
Die Antwort: Manchmal gelingt es gar nicht. Denn eine Innenstadt wird nicht dadurch geräumiger, dass sie überplant wird. Der Platz ist begrenzt und man muss irgendwann jemandem weh tun. Das musste die Stadt erfahren, als sie einen umstrittenen Beschluss durchwinkte: Sie gab nur rund die Hälfte der Einbahnstraßen für Radfahrer im Gegenverkehr frei. Ein Kompromiss, der Unübersichtlichkeit zur Folge hatte, aber der kleinste gemeinsame Nenner war.
Das Thema Einbahnstraßen ist derzeit nicht auf der Tagesordnung und wartet im Hintergrund weiter auf neue Eingebungen, während die Stadt andere Themen recht mühelos schultert: Tempo 30 in der ganzen Innenstadt und rund 400 neue Stellplätze für Fahrräder. Diese Stellplätze sind für die Akzeptanz einer radfreundlichen Innenstadt nicht zu unterschätzen. Viele E-Fahrräder sind mittlerweile so teuer, dass ihre Besitzer sie nicht mit einem einfachen Kettenschloss irgendwo festmachen wollen. Dafür sind nun besonders abgesicherte Stellplätze vorgesehen. Unter anderem am Bahnhof. „Das Thema wird uns auf unbegrenzte Zeit weiter verfolgen“, sagt Stoiber. Derzeit plant die Stadt außerdem die Beseitigung von Brennpunkten am Schulberg.
Ein Luckner-Radweg
Zusätzlich soll ein Luckner-Radweg entstehen. Den will der Bürgermeister am liebsten im Juli schon auf der Tagesordnung haben. Zwei Varianten soll es geben: eine 26 Kilometer lange im Bereich rund um die Kernstadt und eine 40 Kilometer lange, die über den Lamberg führt. Auch wenn es manchmal holpert, die Stadt fährt ihr Radwegekonzept weiter.
